Landwirtschaft war immer nicht nur Stall und Feld, sondern stets auch Experimentierfeld. Nie haben Bauern aufgehört, dem Boden und dem Klima das Beste abzuringen, die Technik zu verbessern vom Hakenpflug bis zur GPS-geführten Vollerntemaschine. Von der Kuh neben dem Schlafraum zur modernen Großviehhaltung wandelte sich die Stallarbeit. Jahrtausende geht das so, aber erst seit 100 Jahren gibt es die Berliner Grüne Woche und seit vielleicht 30 Jahren die Entdeckung von zweierlei Landwirtschafen in alten und neuen deutschen Bundesländern. Wer noch nicht nach Berlin gefahren ist, wo sich seit Wochenanfang auch Brandenburgs Ernährungswirtschaft ins Zeug legte, entnimmt den Medien, worum es geht. Um Experimente nämlich, wie eh und je.
Ein Bauer kam auf die Idee, Kichererbsen anzubauen, die in mediterranen Gegenden auf den Speiseplänen stehen und dort auch gut wachsen. Einige Sommer hier waren mediterran, aber steigen die Leute deshalb von vertrautem Getreide auf Kichererbsen um? Und der gute alte Roggen, dessen Anteil im Brot immer weniger wird – ihn versuchen findige Landwirte nun zu schälen, um vietnamesischem oder gar chinesischem Reis Konkurrenz zu machen. RogReis heißt das Produkt und kommt womöglich demnächst in Schulküchen und Kindergärten als Milchreis auf den Tisch.
Das schaulustige Grüne-Woche-Publikum schnurpst Spreewaldgurken und kostet und stippt da und dort und fühlt sich gut unterhalten. Aber es geht eigentlich auch, an erster Stelle vielleicht sogar, darum, ob sich Politik nützlich macht für die Branche. Im konkreten Fall für die Unterstützung der großen Mehrfamilien-Landwirtschaften des Ostens, die anders kalkulieren müssen, als kleine westdeutsche Hofhalter. Hier wie da braucht es einen Radikalschnitt wuchernder Demokratiepflanzen statt geheuchelten Wohlwollens. Den Kichererbsen alles Gute, aber es geht um mehr. J.H.
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