Kommentar: Oklapnica

Wenn er als frisch geschlagene Nordmann- oder gar heimische Edeltanne in die Stube kam, nadelt der Christbaum noch nicht, und Weihnachten kann, wie es sich gehört, bis zum 6. Januar gefeiert werden. Es ist das Datum, an dem das Evangelium die Weisen aus dem Morgenland beim Christkind ankommen lässt, das sie reich beschenken und im Stroh anbeteten. Heute ziehen katholischen Kindergruppen mit verkleideten kleinen Königen von Haus zu Haus, verschenken ihren Segen und bitten um Spenden für die ärmsten Kinder dieser Welt. Ein schöner Brauch.
Für schöne, prall gelebte Bräuche sind weit über Niederlausitzer Grenzen die Wenden der Spreewalddörfer bekannt.

Spektakulär und von lebhaftem öffentlichen Interesse sind die Fastnacht und die Erntefeste. Eher unter sich bleiben die Dorfbewohner hingegen bei der ebenfalls auf den 6. Januar fixierten „Oklapnica“, die jetzt etwas eingedeutscht Woklapnica (die Wenden sprechen das Anfangs-W nicht und wollen es eigentlich auch nicht schreiben) genannt wird. Man trifft sich (heutzutage „um den“ 6. Januar), um das alte Jahr aufzuräumen, zu berichten was geschah, zu besprechen was kommen wird. Wenigstens über 100 Jahre ist dieser Brauch nachgewiesen und nur in den Dörfern, nicht in den Stadtrandsiedlungen, verbreitet.

Zu Wort melden sollen sich neben dem Bürgermeister, dem Pfarrer und Vereinsvorständen zuerst die Grundstückseigentümer. Jedenfalls war das früher streng geregelt. Erhalten hat sich fast überall das Ritual, dass sich im verflossenen Jahr Zugezogene bei der Oklapnica „einkaufen können“. Das heißt, sie geben eine Runde Schnaps und stellen sich vor. Ein Gasthaus ist der beste Platz dafür. Ob das auch in der Schule geht, wo sich diesmal die Burger schon am 4. Januar treffen sollen, bleibt abzuwarten. Dem Kurort fehlt’s wahrhaftig nicht an Lokalen, in denen der Weihnachtsschmuck noch nicht nadelt. J.H.

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