Für Außenstehende mag es seltsam klingen: Wer in Forst neuer Bürgermeister wird, könnte die Teichfrage entscheiden. Nach Stadtplanern soll ein hübsches Kleinod inmitten der Stadt mit ein paar Teichrosen und vielleicht auch schnattrigen Enten darauf entstehen. Gegen Rosen haben die Forster als Rosenstädter natürlich keinerlei Einwände. Aber ein mit Wasser gefülltes Loch im Herzen der Stadt? Das war zu viel für manche Gemüter. Der Teich geriet ihnen zum Sinnbild für das Versagen der Stadtpolitik beim Innenstadtumbau. Unter einer grünen Mitte haben sich die einstigen Bewohner einer reichen Tuchmacherstadt etwas anderes vorgestellt. Bereits an der Berliner Straße entstand eine Art Dorfwiese. Diese ist, wenn die Gräser blühen, zwar hübsch anzuschauen, doch „zunehmendes Verländlichen“ von Forst führt zu einer Verlustangst. Wo bleibt da die Urbanität einer Stadt? Diese Frage stellen sich viele. Gäbe es die Stadtkirche nicht, wüsste kaum noch jemand, wo das Herz der Stadt schlägt. Und so geht es bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag gar nicht so sehr um die Teichfrage, sondern darum, wie und wo in Forst wieder ein Zentrum entstehen kann. Es geht um die Frage, wie nach einem Abriss auch wieder etwas Neues entsteht, etwas, das die Innenstadt belebt. Nichts gegen Enten. Eine lebhafte Innenstadt braucht aber Menschen. Der Abrissbagger vertreibt diese Innenstadteinwohner. Ein neuer Bürgermeister hat deshalb viel Arbeit vor sich. Er muss Visionen entwickeln. Zum Glück kommt keiner der Kandidaten aus Hamburg. Die Hanseaten sind nämlich auf ihren Zentrums-„Teich“, die Innere Alster, sehr stolz. So wie Berlin auf sein vieles City-Wasser.
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