Ein Vater sorgt sich: „Mein Sohn ist psychisch am Ende. Er hält den Druck bei der Bundeswehr nicht mehr aus…“ – Mitfühlend senken Umstehende den Blick und erinnern sich: Nichts ist gut in Afghanistan…
Wieso Afghanistan? fragt der Mann. Sein Sohn ist nach Sachsen eingezogen, ganz normaler Wehrdienst.
In Publikumszeitungen jammern Kolumnisten vom dominanten Gewinnstreben der Unternehmen, von Bruta-lisierung der Arbeitswelt und Verrohung der Gesellschaft, von herzneurotischer Volkserkrankung und mancherlei Tageselend mehr. Aller Spaß am Frühlingsradeln kann einem vergehen bei solchem Spuk, der sich freilich aus vielerlei Quellen speist.
Leider hat der Mangel an nachvollziehbar wertschöpfender Arbeit den Menschen die täglichen Erfolgserlebnisse genommen. Da machen Seelentröster, Psychologen, Handleser, Therapeuten jeglicher Couleur, Gewerkschafter sowieso und Samtpfötchen-Pädagogen fette Beute. Druck und Zwang, heißt es, zerstören die zarte Persönlichkeit im jungen Alter. Während Bankräuber Persönlichkeitsschutz genießen und anonym ihren nächsten Coup planen dürfen, geraten Kapläne, die ihren Zöglingen gelegentlich hilfreich eine scheuerten, ins mediale Fegefeuer.
Nein, natürlich gehört sich Prügelstrafe nicht. Aber Zensuren in der ersten Klasse und später die strenge Forderung, Hausaufgaben gefälligst zu erledigen, verhindern vermutlich, dass 18-Jährige bei der Bundeswehr weinen. Nie hat ein Bursche bei der NVA geheult, es sei denn, er war wirklich krank; dann wurde ihm geholfen.
Und die Brutalität in der Arbeitswelt? Da mag es Ausnahmen geben. Wahrscheinlich aber nicht hier im Osten. Wer weiß denn hier von Gewinnmaximierung? J.H.





