Natürlich sind Politiker auch Leser. Zeitungen, Journale, Magazine, Statistiken. Politiker lieben das und nähren ihre Phantasie.
Den Potsdamer Damen und Herren sind dabei auch die Lobesworte für die Cottbuser Kuschel-Uni nicht entgangen. Manch Prof in Cottbus hat sie mit geschwellter Brust den überregionalen Blättern entnommen. Bestnoten für die BTU. Super-Nähe zum Lehrkörper, nirgendwo sonst teilen sich so wenig Studenten einen Professor. Man kennt sich, ist sich nah fast wie in Familie und studiert beinahe wie in Schlaraffien.
Das lesen, lässt sich vermuten, auch Politiker. Aber verstehen sie’s auch? Vermutlich nicht. Ihr versuchter Zugriff auf die universitären Rücklagen, der diese Woche so manchem Lausitzer die Sprache verschlug, definiert Potsdamer Kleingeist. Selbst die Kanzlerin hat formuliert: Überall wird gespart, nur nicht in der Bildung. Der deutschlandweite Trend wachsender Nachfrage nach Studienplätzen, auch gerade an technischen Fakultäten, erträgt keine Potsdamer Tiefschläge.
Platzeck und seine Koalitionspartner sollten bedenken, dass auch Studenten Wähler sind und ihr Umfeld nicht nur Berge, sondern auch Regierungsparteien versetzen kann. Die aktuelle Stimmungslage lässt sich trotz vorlesungsfreier Tage ganz gut in den Chats nachvollziehen. Das Begehren, den Hochschulen gerade jene Gelder zu nehmen, mit denen sie sich selbst stärken und Drittmittel aus der Wirtschaft einfahren können, erntet vorläufig nur studentischen Spott. Dies ist aber keine sommerliche Kabarett-, sondern vielleicht eine Kabinettsnummer.
Politiker sind Leser. Sie werden möglicherweise dahinter kommen.