Vom Quacksalber zum Wissenschaftler und zur KI

Vom Quacksalber zum Wissenschaftler und zur KI: Arzt, Musiker, Dirigent - Prof. Dr. Stefan N. Willich, Gründer des „World Doctors Orchestra“
Arzt, Musiker, Dirigent – Prof. Dr. Stefan N. Willich, Gründer des „World Doctors Orchestra“, hielt den Festvortrag zur Jahrestagung der Medizinischen Gesellschaft Ost-Brandenburg. Fotos: J. Heinrich

Medizinische Gesellschaft: Uni-Vorstand für Digitalisierung Martin Peuker rät zu neuem Rollen-Denken.

Cottbus (Hnr). Der Bogen spannte sich weit in dieser festlichen Jahrestagung der ehrwürdigen Medizinischen Gesellschaft Ostbrandenburg, die seit 1948 kontinuierlich ärztliche Fortbildung vorantreibt.

Musikalisch erheiterte ein Rückgriff in die ärztliche Opernwelt um einige Jahrhunderte, wissenschaftlich ging es brennend um die Potenziale der Künstlichen Intelligenz (KI). Die macht den Radiologen keineswegs überflüssig, versicherte Experte Dr. Peter Aulbach von Siemens Healthinners. Sie ist vielmehr reine Mathematik, also ein Werkzeug, bestens geeignet zur Assistenz-Funktion. Es steckt heute schon jede Menge KI in den Scannern und Maschinen, die Medizin nutzt für ihre Befunde. Auf dem Weg in die Fläche, den die junge Cottbuser Uni gerade sucht, wird kommende KI hilfreich sein. Dr. Aulbach nannte die „Agenten-KI“, die schon tätige KI-Anwendungen sucht, findet und Ergebnisse verknüpft. Damit bediente er das Kernthema von Martin Peuker, seit Anfang 2025 Vorstand Digitalisierung der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT). Sie ist dabei, sich als „digitales Leitkrankenaus“ zu etablieren.

Zur Optimierung von Arbeitsabläufen werden regionale Vernetzungen ausgebaut; dazu finden aktuell in Nachbarstädten wir Luckau, Forst oder Lübben Gespräche mit Medizinern und interessierten Bürgern statt. Am Ende läuft der Prozess darauf hinaus, dass Beteiligte ihre Rollen neu denken, auch vor dem Hintergrund der Kosten, der Frage, wie Leistung abzurechnen ist.

Gespannt und vergnügt lauschten Lausitzer Mediziner letzten Samstag im Cottbuser „Startblock B2“ Prof. Willichs Operneinspielungen, wie etwa aus von Dittersdorfs „Doktor und Apotheker“
Gespannt und vergnügt lauschten Lausitzer Mediziner letzten Samstag im Cottbuser „Startblock B2“ Prof. Willichs Operneinspielungen, wie etwa aus von Dittersdorfs „Doktor und Apotheker“: „Ein Doktor ist bei meiner Ehr’ der größte Mann im Staate. Denn wer nützt außer ihm wohl mehr? Selbst keiner aus dem Rate…“

Medizin und Politik treffen also, wie eh und je, aufeinander. Darauf hatte der Charité-Arzt und Dirigent Prof. Dr. Willich etwas augenzwinkernd in seinem Festvortrag aus dem Opernrepertoire eingestimmt, etwa mit „Doktor und Apotheker“ (1786) von Dittersdorf: „Ein Doktor ist bei meiner Ehr’/ der größte Mann im Staate. / Denn wer nützt außer ihm wohl mehr? / Selbst keiner aus dem Rate. / Denn diese können weiter nichts / Als projektieren, konsultieren, referieren, / Kontrollieren, kondemnieren (verurteilen), exequieren (eintreiben)…“ Von Mozarts ärztlicher Erweckung Scheintoter in „Cosi fan tutte“ über die Wundersäfte in Donizettis „Liebestrank“, später mit dem großen Umbruch der Medizin Ärzteanrufe im „Rosenkavalier“ (R. Strauss) oder Wagners „Tristan und Isolde“, 3. Akt, bis hin zum Österreicher Alban Berg im 20. Jahrhundert mit „Wozzeck“ und „Lulu“ reichten Musikbeispiele des international bewunderten Medizin-Maestros Prof. Willich.

Seine außergewöhnliche Vita mag erstaunen; dass hingegen klassische Musik und Kunst überhaupt der Ärzteschaft nahe liegen, lässt sich auch im Bild vielabendlicher Cottbuser Konzert- und Opernbesucher ablesen.

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