Was bedeutet Glück?

Region (MB). Die Lausitzer Glücks-Botin und Friseurmeisterin Mandy Sprejz traf Michael Strachowitz und sprach mit ihm über das persönliche Glück. Der selbständige Berater und Coach kommt aus Baden-Württemberg.
„Glück bedeutet für mich einerseits ein unerwartetes positives Erlebnis. Es kann eine Fügung, ein Eintreffen oder ein Zusammenspiel günstiger äußerer Umstände sein. Man könnte sagen, es ist ein ‘positiver Zufall’, das heißt, uns fällt ohne Ankündigung etwas Gutes zu. Mir ist das vor über 50 Jahren passiert, als ich auf einer Schulparty meine heutige Frau kennenlernte. Meine Erfahrung ist, dass wir das Eintreffen solcher Zufälle aber auch selbst beeinflussen können. Wenn wir uns engagieren, aktiv sind und stets unser Bestes geben, schaffen wir Gelegenheiten und Umstände, damit das Glück auch an unsere Türe klopfen kann.
Andererseits ist Glück für mich das gelegentliche Sahnehäubchen auf einem ansonsten dauerhaften Zustand der Zufriedenheit. Das ist der innere Zustand, um den ich mich bemühe. Der ‘berauschende Glücksmoment’ ist ja meist nur von kurzer Dauer – und das ist gut so, sonst würde er bald langweilig.
Glück ist auch ein Kontrastgefühl. Wir wissen es nur deshalb zu schätzen, weil wir auch das Gegenteil kennen, weil wir auch Fehlschläge, Enttäuschungen und Leid erlebt haben. Deshalb kann, je nach Ausgangssituation, schon die Abwesenheit von Schmerz oder Krankheit ein Glücksgefühl bescheren. Jedenfalls ging es mir im Leben dreimal so, nachdem ich drei ernste Krankheiten überlebt und mich davon erholt hatte.
Als junger Mann war natürlich auch ich stets auf der Suche nach diesem jauchzenden Glücksgefühl, dem Überschwang der Emotionen. Es hat Jahre gedauert, bis ich erkannt habe, dass so etwas erstens recht selten vorkommt und zweitens nur von begrenzter Dauer ist. Seitdem strebe ich dauerhafte Zufriedenheit an und freue mich über die vereinzelt auftretenden Superglücksmomente, bin aber nicht missgestimmt, wenn sie ausbleiben. Diese Augenblicke darf ich gelegentlich erleben, wenn ich bei meiner Arbeit als Berater und Vortragsredner Rückmeldungen von Klienten oder Veranstaltungsteilnehmern bekomme, dass ich ihnen auf ihrem Weg helfen konnte.
Für mich hängt diese Zufriedenheit nicht von den äußeren Umständen ab, sondern von der Bewertung einer Situation oder eines Zustands. Das ist eine Entscheidung. Ich übe mich regelmäßig darin, zu beobachten, zu verstehen und zu akzeptieren, ohne etwas immer sofort zu beurteilen. Das verhilft mir zu innerer Ruhe und heiterer Grundstimmung.
Eine wichtige Quelle meiner Zufriedenheit ist Dankbarkeit. Ich betrachte nicht alles als selbstverständlich und versuche, für alles dankbar zu sein, auch für sogenannte Kleinigkeiten und unangenehme Erfahrungen. Letztere sind sogar besonders wertvoll, denn sie bieten mir die Gelegenheit, etwas zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Wir lernen selten durch Erfolge. Sie können uns schnell stolz, überheblich, nachlässig, träge und unvorsichtig machen. Wenn es aber einmal schiefgeht, dann werden wir wach, denken nach und leiten Veränderungen ein.
Sehr geholfen bei meinem Streben nach Zufriedenheit und Glück hat mir der Satz des englischen Philosophen und Juristen Francis Bacon: ‘Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.’”
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