Bundesregierung plant eine neue Gesundheitsreform

„Prävention darf nicht zum Sparopfer werden“ Der Märkischer Bote sprach mit der niedergelassenen Ärztin Janett Lipsdorf.

Bundesregierung plant eine neue Gesundheitsreform
Die Cottbuser Frauenärztin Janett Lipsdorf warnt vor spürbaren Verschlechterungen in der medizinischen Versorgung, sollte das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz der Bundesregierung in seiner derzeitigen Form umgesetzt werden. Foto: privat

Region / Berlin. Derzeit plant die Bundesregierung eine neue Gesundheitsreform durch den Bundestag zu bringen. Mediziner, Opposition und Pharmaindustrie schlagen Alarm. Die Lausitzer Heimatzeitung Der Märkische Bote sprach mit der niedergelassenen Ärztin Janett Lipsdorf über die aktuelle Gesundheitspolitik.

Märkischer Bote (MB): Frau Lipsdorf, Sie sind seit vielen Jahren als Frauenärztin in Cottbus tätig. Was beschäftigt Sie aktuell besonders?
Janett Lipsdorf (J. L.): Mit großer Sorge verfolge ich die Pläne der Bundesregierung zum neuen GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Sollte das Gesetz in der derzeitigen Form verabschiedet werden, drohen spürbare Verschlechterungen in der medizinischen Versorgung unserer Patienten.

MB: Warum trifft Sie das Thema als Frauenärztin besonders?
J. L.: Gerade in der Frauenheilkunde spielen Vorsorge und Prävention eine entscheidende Rolle. Krebsvorsorgeuntersuchungen, Schwangerschaftsvorsorge und Impfungen helfen, schwere Erkrankungen frühzeitig zu erkennen oder sogar zu verhindern. Diese Leistungen dürfen nicht eingeschränkt werden.

MB: Welche Bedeutung hat Vorsorge aus Ihrer Sicht?
J. L.: Die moderne Medizin bietet heute hervorragende Möglichkeiten der Früherkennung. Brustkrebs kann beispielsweise oft bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt und erfolgreich behandelt werden. Auch die gute Betreuung von Schwangeren hat wesentlich dazu beigetragen, Frühgeburten zu vermeiden.

MB: Kritiker sagen, Vorsorge koste viel Geld.
J. L.: Natürlich entstehen Kosten. Aber diese sind deutlich geringer als die Behandlung von Krankheiten, die zu spät erkannt werden. Prävention spart langfristig nicht nur Geld, sondern vor allem Leid.

MB: Welche konkreten Folgen hätte das neue Gesetz für Patienten?
J. L.: Es würden weniger Leistungen finanziert. Dadurch stünden weniger Termine zur Verfügung. Die ohnehin angespannte Versorgungssituation in vielen Facharztpraxen würde sich weiter verschärfen.

MB: Was bedeutet das für schwer kranke Patienten?
J. L.: Viele dieser Patienten kommen derzeit regelmäßig zur Kontrolle in die Praxis. Neben der medizinischen Untersuchung sind diese Gespräche wichtig für Sicherheit und Vertrauen während des Genesungsprozesses. Diese engmaschige Betreuung könnte künftig schwieriger werden.

MB: Sie sprechen auch das sogenannte TSV-Gesetz an. Warum?
J. L.: Das Terminservice- und Versorgungsgesetz hat vieles verbessert. Hausärzte konnten schneller Facharzttermine für ihre Patienten organisieren, und offene Sprechstunden ermöglichten eine unkomplizierte Behandlung akuter Beschwerden. Viele dieser Verbesserungen stehen nun auf dem Spiel.

MB: Was wünschen Sie sich von der Politik?
J. L.: Notwendig sind echte Strukturreformen im Gesundheitswesen. Das geplante Gesetz setzt aus meiner Sicht vor allem auf Kürzungen. Betroffen wären Patienten, Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken und die Pharmaindustrie. Nachhaltige Lösungen sehen anders aus.

MB: Was können Bürger tun, wenn sie Ihre Sorgen teilen?
J. L.: Ich empfehle jedem, sich an die Bundestagsabgeordneten seines Wahlkreises zu wenden und seine Meinung mitzuteilen. Demokratie lebt davon, dass Bürger ihre Interessen vertreten. Deshalb geben wir in unserer Praxis auch Informationsflyer aus, die zeigen, wie man mit wenigen Schritten Kontakt zu den Abgeordneten aufnehmen kann.

MB: Frau Lipsdorf, vielen Dank für das Gespräch.
Janett Lipsdorf: Sehr gern.

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