…und wann bestellen Sie Ihr persönliches E-Mobil?

Behandelten das Thema E-Mobilität im Sinne unternehmerischer Planungen: WiL-Geschäftsführer Klaus Aha, Dr. Sven Hasse von der envia Mitteldeutsche Energie AG, Christoph Biele von der Görlitzer Servicestelle Energie und Dr. Holger Weiland von der Ingenieurgesellschaft für Energie- und Kraftwerkstechnik (v.l.n.r.) beim 10. WiL Unternehmergespräch im Spremberger Schloss Foto: J. Hnr.

Spremberger WiL-Gesprächsrunde zur Position des E-Mobils als Konkurrent für Benzin und Diesel / Tipps für Unternehmer

Region. Die Frage von Klaus Aha, WiL-Geschäftsführer und hier auch Moderator, am Ende der Gesprächsrunde war keinesfalls nur eine rhethorische. Sie glich der Bekenntnisforderung: Und wie hältst du’s mit der Religion.
Denn um „Religion“ handelt es sich beim Wettlauf zwischen Verbrennungsmotoren und E-Mobilen. Erstere sollen soll schnell wie möglich ans (Grüne) Kreuz genagelt werden, ihre stummen Nachfolger als rabiate Stromfresser haben freie Fahrt. Eine Million Elektroautos sollen 2020 schon auf den Straßen rollen, so das Ziel der Bundesregierung, und 2030 sollen es gar sechs Millionen sein.
Klarer Fall: Das erste Ziel ist unerreichbar. Um wenigstens zwei Jahre wird es verfehlt, glaubt Dr. Sven Haas von der envia M, der die Eingangsfrage klar beantworten kann: Er hat ein kleines E-Zweitauto bestellt und wird damit seine täglich 20 km Arbeitsweg absolvieren. Allerdings muss er bis November auf die Auslieferung warten. E-Autos sind Mangelware und werden irgendwann nur mit langen Warteschlangen zu haben sein, vermutet Haase. Seine Podium-Kollegen haben noch Spass an hörbaren Motoren und Klaus Aha sieht sich „auf  halbem Wege“; er hat schon 170 000 km in der Mercedes E-Klasse Hybrid absolviert, also „ein bisschen“ elektrisch. Verbrauch zwei Liter weniger als ohne Hybrid, aber immerhin störfrei über die Strecke. Bei den Hörern im Saal der Wirtschafts Initiative Lausitz (WiL) erntet er eher Missbilligung: Wenn elektrisch, dann aber vollständig.
Was die Gesprächsteilehmer für ihre Unternehmer herauszufinden hofften, waren Antworten auf Strategiefragen. Wie lassen sich die kraftstoffreien, im Stromverbrauch aber keineswegs harmlosen Mobile der Zukunft betriebswirtschaftlich vorteilhaft unterbringen?
Immerhin hat die Zahl der E-Mobile von Januar 2016 zu Januar 2017 schon um 177 Prozent zugenommen, und schon zeichnet sich das Fehl an Ladesdtationen ab.  Erforderlich sind 11 000 Kilometer Netzausbau, berichtet Dr. Hasse und schildert einfache (10 000 Euro) und Schnellladesäulen (25 000 Euro), die vor jedem Hotel, guten Handelshäusern und natürlich auch bei Firmen stehen sollten. Ein Auto zieht beim Aufladen den Verbrauch eines Zwei-Familien-Hauses. Man stelle sich das Parkdeck im Blechen-Carré vor. Wenn alle Kunden gut „betankt“ nach dem Einkauf starten wollen, ginge nach heutigen Installation in den Geschäften das Licht aus. Keine Bange, sagen die Experten. Technisch ist das alles lösbar – aber es kostet…
„Wir als Energieversorger wissen die Lösungen und kennen die Fördermittel“, erklärt Sven Haase. Er rät jedenfalls zu rechtzeitigen Planungen. Denkbar sei, durch Stromdeputate für Mitarbeiter-Fahrzeuge Fachkräfte zu binden. Im Handel wird die Ladestation für den Kunden zur Überlegung der Kaufentscheidung. Bei Hotels, so sind sich die Diskutanden einig, wird es sein, wie derzeit mit W-Lan. Anfangs war es ein Ausnahmeangebot, inzwischen Standard, ohne den Zimmer leer blieben.
In der Praxis, so der Görlitzer Energiemanager Christoph Biele, bleibt der Einstieg in die E-Mobilität schwer – wegen der Fahrzeugkosten und der Reichweiten. Kommunale Fuhrparks müssten sehr genau disponiert werden, sollte ihre Auslastung gelingen. Aber seine Erfahrung lautet nach einigen Testfällen auch: „Wer einmal elektrisch gefahren ist, will kein anderes Auto mehr.“
Er motiviert dazu, sich den Herausforderungen dieses Wandels mutig zu stellen, auch wenn die Vorbehalte groß sind.
Dr. Holger Weiland von der Ingenieurgesellschaft für Energie- und Kraftwerkstechnik (vormals Tierfelder) meint „Ingenieurtechnisch ist das alles lösbar. Auch  das Laden vieler Fahrzeuge etwa der Mieter eines Wohnblocks, die  alle zu gleicher Zeit abgestellt werden.“ In Unternehmen komme es auf genau planbare Routen an. Eine Logistikaufgabe.
Was bleibt, ist die Frage, wie flexibel E-Mobile der Zukunft sind. Die Batterien werden sich zu größeren Reichweiten-Kapazitäten entwickeln lassen. Werden die aber in wenigen Minuten aufladbar sein? Auch das kommt, glauben die Experten. EnviaM hat gerade im sächsischen Taucha die erste Schnell-Ladesäule übergeben, zehn weitere sollen in einem EU-Programm möglich werden.
Porsche entwickelt für Leute, denen es nicht aufs Kleingeld ankommt, einen E-Sportwagen mit 500 Kilometer Reichweite bei 350 kW Ladeleistung. Die Ladesäule “tankt“ dann bei 150 kW innerhalb von fünf Minuten auf.
Zukunftsmusik? Vorerst schon. Klaus Aha erzählt die Pioniergeschichte aus seiner Vattenfall-Zeit. Als kaufmännscher Chef besorgte er Fördermittel-gestützt einen auf elektrisch umgerüsteten „Corsa“.  Das war ganz vorteilhaft fürs CO2-frei Image des Unternehmens. Aber: „Als schließlich die Fördermittel-Bindung endete, verschwand auch der ‘Corsa’ sofort.“
Es kommen bessere, wirklich alltagstaugliche Elektrische an den Markt. Dann steht die Frage: Wann bestellen Sie?
J. Heinrich


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