160 Jahre Eisenbahn in Cottbus gefeiert

Rund 3.500 Besucher erlebten beim Tag der offenen Tür im BW Cottbus einen Blick hinter die Kulissen.

Die Weiße Lady - eine leistungsstarke und schnelle Bo´Bo´-E-Lokomotive der Deutschen Reichsbahn (hier Staatsbahn der DDR) war ebenfalls vor Ort
Die Weiße Lady – eine leistungsstarke und schnelle Bo´Bo´-E-Lokomotive der Deutschen Reichsbahn (hier Staatsbahn der DDR) war ebenfalls vor Ort.

Cottbus (MB). 160 Jahre Eisenbahn in Cottbus – dieses Jubiläum wurde am Samstag, 12. September, im DB-Regio-Werk an der Sachsendorfer Straße gebührend gefeiert. Rund 3.500 Besucher nutzten die Gelegenheit, beim Tag der offenen Tür Eisenbahngeschichte und moderne Bahntechnik aus nächster Nähe zu erleben.
Die Geschichte des Eisenbahnstandortes Cottbus begann mit der Verbindung nach Berlin. Am 13. September 1866 wurde der fahrplanmäßige Personen- und Güterverkehr zwischen Berlin und Cottbus aufgenommen. Der erste Zug mit Personen- und Gepäckbeförderung fuhr damals um 8.40 Uhr in Berlin ab, der Gegenzug verließ Cottbus um 7.24 Uhr. Die Fahrt dauerte knapp vier Stunden. Ein Jahr später, am 31. Dezember 1867, wurde die Verbindung bis Görlitz vollständig in Betrieb genommen.
Die Eisenbahn veränderte Cottbus nachhaltig. Mit den wachsenden Bahnverbindungen entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Bereits 1874 entstand westlich des Bahnhofs die Centralwerkstatt, ab 1885 „Königliche Hauptwerkstatt Kottbus” genannt, zur Ausbesserung von Lokomotiven und Wagen – ein wichtiger Schritt für die Entwicklung Cottbus’ zur Eisenbahnerstadt.

Wie sich diese Tradition bis heute fortsetzt, konnten die Besucher beim Jubiläum hautnah erleben. Ab 18 Uhr öffnete die DB Regio ihre Werkstatt und gewährte Einblicke in Bereiche, die im normalen Bahnbetrieb für die Öffentlichkeit verborgen bleiben. Besonders beeindruckend war der Rundgang durch den Ringlokschuppen 4. Der große historische Bau ist der größte noch in Betrieb befindliche Ringlokschuppen Deutschlands. Eindrucksvoll wurde dieser am Abend mit roter Beleuchtung und Nebeleffekten in Szene gesetzt.

160 Jahre Eisenbahn in Cottbus gefeiert: Eindrucksvoll wurde der Ringlockschuppen 4 am Abend mit roter Beleuchtung und Nebeleffekten in Szene gesetzt.
Eindrucksvoll wurde der Ringlockschuppen 4 am Abend mit roter Beleuchtung und Nebeleffekten in Szene gesetzt. Fotos: J. Hoche

Im Lokschuppen standen moderne Elektrolokomotiven verschiedener Baureihen, darunter die 112, 147 und 182. Auch Fahrzeuge anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen waren zu sehen. Gleichzeitig erinnerten historische Lokomotiven wie die Baureihen 232 und 155 an vergangene Epochen der Eisenbahngeschichte.
Ein Schwerpunkt lag auf der Technik, die dafür sorgt, dass Züge sicher und zuverlässig unterwegs sind. Bei Führungen konnten die Besucher unter anderem eine mobile Radsatzdrehbank kennenlernen, mit der die Profile der Radsätze überarbeitet werden können. Auch Dacharbeitsstände waren zu besichtigen. Von dort aus werden beispielsweise Klimaanlagen von Doppelstockwagen, Dachaufbauten und Stromabnehmer gewartet und repariert.

Nicht weniger interessant war die Radsatzabsenkung. Mit dieser technischen Anlage können komplette Radsätze aus einem Fahrzeug ausgebaut werden, ohne das Fahrzeug von den Drehgestellen aufwendig abheben zu müssen. Auch moderne Hebetechnik kam zum Einsatz: Der neue Triebzug Mireo Baureihe 463 wurde angehoben präsentiert und zeigte eindrucksvoll, welche Dimensionen die Wartung moderner Schienenfahrzeuge erreicht hat.
Für viele Besucher besonders interessant waren die persönlichen Einblicke ehemaliger und aktiver Mitarbeiter. Bei den Werkstattrundgängen erklärten sie Arbeitsabläufe und technische Zusammenhänge und ließen dabei auch Erinnerungen an frühere Zeiten des Eisenbahnbetriebs einfließen. So wurde die Entwicklung vom klassischen Lokomotivbetrieb bis zur modernen Fahrzeugtechnik unmittelbar erlebbar.

Der imposante Ringlokschuppen 4 ist der größte noch in Betrieb befindliche Ringlokschuppen Deutschlands. Im Lokschuppen standen moderne Elektrolokomotiven verschiedener Baureihen, darunter die 112, 147 und 182. Außerdem wurde weitere Technik präsentiert.
Der imposante Ringlokschuppen 4 ist der größte noch in Betrieb befindliche Ringlokschuppen Deutschlands. Im Lokschuppen standen moderne Elektrolokomotiven verschiedener Baureihen, darunter die 112, 147 und 182. Außerdem wurde weitere Technik präsentiert. Fotos: J. Hoche

Der Lausitzer Dampflok-Club sorgte mit Bistro und Speisewagen für die passende Bewirtung und brachte damit zusätzlich ein Stück Eisenbahn-Nostalgie auf das Gelände.
Nicht alle geplanten Programmpunkte konnten stattfinden. Die vorgesehenen Führerstandsmitfahrten sowie die Fahrten mit der „Ferkeltaxe“ mussten aus betrieblichen Gründen entfallen. Angesichts des umfangreichen Programms tat dies der Stimmung jedoch keinen Abbruch.
Das Jubiläum zeigte eindrucksvoll, wie eng Vergangenheit und Zukunft am Eisenbahnstandort Cottbus miteinander verbunden sind. Vor 160 Jahren begann mit der ersten fahrplanmäßigen Verbindung nach Berlin eine Entwicklung, die Cottbus nachhaltig geprägt hat. Heute stehen neben historischen Fahrzeugen moderne Triebzüge, leistungsfähige Werkstatttechnik und neue Bahnprojekte für die Zukunft des Standorts. Auch der neue ICE-Werkstattstandort der Deutschen Bahn unterstreicht die weiterhin wichtige Rolle Cottbus’ im Bahnverkehr.

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