Angehender Lehrer übernimmt eine Bäckerei

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Mitten in der Vetschauer Altstadt werden die leckeren Brötchen und Brote der Bäckerei Wahn produziert. Der Forster Philipp Fumfahr (30) übernahm im vergangenen Jahr die Geschäftsführung und schaut positiv in die unternehmerische Zukunft Foto: Mathias Klinkmüller

Philipp Fumfahr führt in Vetschau die Bäckerei Wahn mit 40
Angestellten / Handwerkskammer macht Mut zur Selbstständigkeit

Vetschau (mk). Der damals 29-jährige Philipp Fumfahr hatte vor einem Jahr eine schwere Aufgabe zu lösen. Als Verkaufsleiter der Bäckergenossenschaft in Dresden sollte er einen Unternehmer finden, der die Vetschauer Traditionsbäckerei Wahn fortführt. Dass er am Ende der Suche selbst der neue Chef dieser 40 Mitarbeiter sein wird, ahnte er nicht. Der Bäckermeister aus Forst, der gleichzeitig einen Abschluss als Betriebswirt hat, liebäugelte schon lange mit einer Rückkehr in die Lausitz.
In Forst führen seine Mutter und seine Schwester die Bäckerei Fumfahr. Der Verkaufsleiter wollte eigene Wege gehen und begann in Dresden ein Lehramtsstudium mit den Themen Lebensmittel und Ernährung. Im Anschluss, so seine Idee, wollte er als Lehrer im Cottbuser Oberstufenzentrum in die Heimat zurückkehren. Die Nachfolge-Suche warf alle Pläne über den Haufen. Dagmar Wahn fragte ihn, ob er nicht Interesse hätte, den erfolgreichen Betrieb weiterzuführen. Der Gedanke war im Kopf. Das Angebot lockte. Vor allem stimmte eines: die Chemie zwischen Hans-Werner Wahn, Dagmar Wahn und ihm. Beide wollten ihren seit 1955 bestehenden Familienbetrieb in guten Händen wissen. Ganz wichtig war, dass alle 40 Mitarbeiter eine Zukunftsperspektive bekommen. Die Entscheidung, die Verantwortung für die vielen Mitarbeiter zu übernehmen, musste der 29-Jährige ganz alleine treffen. Danach bekam er Unterstützung von allen Seiten. Hilfe, ohne die er diese Übernahme nicht gestemmt hätte, sagt er.
Die Handwerkskammer und die Bäckerinnung hebt er hervor. Von  rechtlichen Fragen wie den Arbeitsverträgen oder steuerliche Aspekte – vom Wissensschatz  der Innung konnte er als Jungunternehmer profitieren. Das war sehr wichtig. Die Aufgaben häuften sich: 300 Geschäftspartner wurden über die Unternehmensnachfolge informiert, Rezepte übernommen und verfeinert, Bankgespräche geführt. Mit dem Unternehmerehepaar Wahn, der Handwerkskammer Cottbus und seinen Mitarbeitern an seiner Seite, meisterte der Forster am
1. Juli 2015 die Geschäftsübernahme in Vetschau. Vor drei Monaten haben sich seine Vorgänger als dauerhafte Berater zurückgezogen. Seitdem liegt die Zukunft der Bäckerei mit ihren fünf Filialen in seinen Händen.
Bange ist dem 30-Jährigen nicht. Das vermehrte Einsetzen von Dinkelmehl, die Qualitätssteigerung der Brötchen durch lange Ruhezeiten um sich zu entwi-ckeln und vieles mehr hat er bereits auf den Weg gebracht. Im Internet hat er sich mit 15 jungen Bäckern in Ostdeutschland vernetzt, die Erfahrungen, aber auch gute Rezepte austauschen. Künftig möchte er sich auch in der Bäcker-Innung engagieren. „Politischen Druck kann ich schließlich mit der WhatsApp-Gruppe nicht erzeugen“, begründet er seinen Tatendrang.