
Mathias Berndt beendet nach 40 Jahren seine Arbeit als Pfarrer / Seine Engagement bleibt:
Atterwasch (ha). Seinen 65. Geburtstag feierte Pfarrer Mathias Berndt schon im Januar, nach weiteren vier Monaten endet seine berufliche Tätigkeit am nächsten Sonnabend, 30.5., um 16 Uhr zuerst mit einem Abschiedskonzert in der Atterwascher Kirche, dann am Sonntag um 14 Uhr mit einem Abschiedsgottesdienst. Seinem letzten Gottesdienst. „Danach werden wir unsere Koffer packen, wir ziehen aus dem Gemeindehaus aus und verlassen Atterwasch, aber nicht die Region“, erzählt er im lauschigen Garten. Den wird er vermissen, sagt er. Die Landschaft war es vor 40 Jahren, die dem Vikar so gut gefiel, dass er nicht nur kurzfristig hier blieb. „Hier war es wie im Urlaub. Ich wohnte damals in Krayne bei Bartkes, der meinte, ich müsse als Pfarrer lernen mit der Sense umzugehen und Kaninchen zu schlachten.“ Mit der Sense kann er umgehen… Mit den Menschen hier auch. „Meine Eltern stammen aus Schlesien, ich aus Berlin. Die Menschen hier haben eine ähnliche Mentalität, auch deshalb habe ich mich hier gleich wohlgefühlt.“ Den Draht zu ihnen fand er durch einen Schatz. „Hier habe ich ein sehr umfangreiches Pfarrarchiv vorgefunden, das bis zum Dreißigjährigen Krieg zurück reicht. Ich habe es nicht nur fortgeführt, sondern auch aufgearbeitet. Und so lernte ich die Geschichten der Familien kennen. Das Hintergrundwissen wurde zu meinen Torsäulen.“ Dieses Wissen öffnete die Herzen der Menschen. „Es ist selten, dass ein Pfarrer so lange an einem Ort ist. So war ich bei vielen Familien von der Taufe bis zur Bahre dabei.“
Herausforderungen gab es genug: Die gefährlichen Auseinandersetzungen von Staat und Kirche in der DDR, die vor allem durch die sehr gut angenommene Kinder- und Jugendarbeit entstand, die großen Erwartungen nach der Wende oder die Beschäftigung von Arbeitslosen, die die Kirche und Nebengebäude halfen zu sanieren. „Zum Schluss zwei Sachen: Vor acht Jahren die Kohle, die unser Leben auf den Kopf stellte. Ich musste mich als Kohlepfarrer erneut auf die Schulbank setzen. Aber mein neues Wissen führte mich zur Erkenntnis, dass ich nur etwas wirklich bewegen kann, wenn ich mich in der Gemeindevertretung engagiere.“
Nach dem letzten Gottesdienst will er sich zuerst ein Jahr ganz zurück nehmen. „Was dann wird, wird sich zeigen. Es gibt viel zu tun.“ Einen Nachfolger für Mathias Berndt wird es nicht geben. Guben und die 20 Gemeinden werden von den Pfarrern Dr. Elisabeth Rosenfeld und Dschin-u Oh allein betreut.
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