
Stadtführer Werner Fröhlich liebt es, Interessierte durch seine neue Heimat zu führen:
Guben (mk). Seine Ledertasche fest im Griff wird Werner Fröhlich auch am 22.8. um
10 Uhr an der Touristinformation Frankfurter Straße haben. Von hier aus lockt der Stadtführer in die Altstädte von Guben und Gubin. Der Berliner war 40 Jahre lang Polizist. 1996 ging er in den Ruhestand. Als Pressesprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Berlin hatte er bereits in der Großstadt Erfahrungen mit Stadtführungen gesammelt. Nach Guben führte den 78-Jährigen die Liebe. Seine zweite Frau ist in Breesen gebürtig. „Für mich war klar, dass ich nicht einfach nur nach Guben ziehe, sondern mich auch mit der Stadtgeschichte befasse, sagt der Rentner. Dieses Wissen wollte er keinesfalls für sich behalten. Schließlich sei erstens der Bedarf an Stadtführungen da und zweitens lernt er selbst bei jeder Führung die Doppelstadt noch ein wenig besser kennen. So nutzen die Führungen auch Einheimische und erzählen von ihrer Kindheit, die oft am polnischen Neißeufer begann. Während Werner Fröhlich erzählt, sitzt er auf einer Bank in der Frankfurter Straße. Im Hintergrund sind lautstarke Kinderstimmen zu hören – die Kitakinder besuchen den grenznahen Eisladen. Für den Berliner ist Guben und Gubin eine Stadt in zwei Ländern. „Die Städte wachsen zusammen. Das ist nur eine Generationenfrage“, ist sich der Stadtführer sicher und schaut auf einen polnischen Polizisten, der auf deutscher Seite mit seinem Polizeiauto hält, um dann zu seinen deutschen Kollegen hinüberzulaufen.
Das emsige Treiben eines Günther Quiel um die Sanierung der Stadtkirche auf Gubiner Seite, gemeinsame Sitzungen der polnischen und deutschen Stadtverordneten, die Theaterinsel und der Spielplatz als gemeinsamer Treff aber auch die Tatsache, dass der Freibadparkplatz oft mehr polnische als deutsche Kennzeichen aufweist, sind für ihn Zeichen eines Zusammenwachsens. Allein die Sprache ist eine Barriere. Er selbst hat versucht, polnisch zu lernen. Auch ein Weiterbildungszertifikat hat er in der Tasche. Haften geblieben ist vom Erlernten aber nicht viel, ist der Rentner etwas traurig. „Mir fehlen die Kontaktmöglichkeiten zur Verfestigung“ erklärt er. Schade sei dies, aber diese Barriere zu überwinden, ist eben eine Generationsfrage. Auf polnischer Seite wird Deutsch in der Schule als Fremdsprache angeboten und auf deutscher Seite gibt es ähnliche Angebote.
Vorurteile über Polen sind Schnee von gestern, sagt der Stadtführer. Guben hat sich so entwickelt, dass es sich keineswegs verstecken muss. Die Promenade an der Neiße, das Dreieck, die vielen bunten Fassaden die grau waren, als er nach Guben kam – der Berliner schwärmt. Auch Gubin hat sich weiterentwickelt. Die Stadt ist aber auch sehr weit weg von der Landeshauptstadt Warschau. Vielleicht zu weit, sagt der Stadtführer und wünscht sich eine stärkere Beachtung Gubins durch die dortige Regierung.
Im kommenden Jahr wird Werner Fröhlich wohl letztmalig als Stadtführer in Guben und Gubin unterwegs sein. Mit 80 will er dieses Hobby jüngeren Stadtführern überlassen.
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