In einem Innenhof der Friedrich-Ebert-Straße ist der Genuss zu Hause: drei junge Cottbuser bringen mit drei Lokalen südamerikanischen Flair in die Innenstadt

Cottbus (ik). Was haben Papageifisch, Marshmallow-Vodka und eine brasilianische Zigarre gemeinsam? Richtig, den Eberthof im Cottbuser Zentrum, wo drei Schmuckstücke ihren Platz haben: Restaurant „Bellessa“, Cocktailbar „El Chico“ und Zigarrenlounge „Locos“.
Aus drei mach eins
Die drei Lokale werden von den jungen Cottbusern Leon Dambowy, Steven Märker und Jefferson Carlos Felix da Silva als sogenanntes „Food-Court“ ähnliches Prinzip betrieben. Drei eigenständige Lokale, die die Sitzgruppen im Hof aber gemeinsam nutzen und auch eine gemeinsame Rechnung ausstellen. Ziel des Trios ist es in der Friedrich-Ebert-Straße 36 mit authentischem Flair eine Zeitreise durch ein Südamerika der 20er Jahre bis in die Moderne zu ermöglichen. Und das gelingt mit Bravour. Doch nicht nur wegen der Umsetzung ist dieses Mosaik aus südamerikanischen Genussfreuden etwas Besonderes – auch weil ein verrückter Zufall für sein Zustandekommen verantwortlich ist.
Zwei Generationen zuvor
In der Zeit, als die Prohibition in den USA beschlossen wurde, war Jeff’s Urgroßvater Livinho João da Silva in Rio de Janeiro als Schwarzbrenner aktiv. Bevor Livinho’s Sohn im Schulalter war, begleitete er immer seinen Vater beim Verkauf selbstgebrannter Spirituosen. Die Geschäfte liefen besonders in den Hafenstädten, wie São Francisco, gut. Schließlich verdächtigte niemand den Mann mit dem hübschen weißen Kind – El Chico-, Spirituosen in Obstkisten auf die Schiffe schmuggeln zu wollen. In São Francisco war zur selben Zeit auch Anni Schulz tätig, Großmutter von Steven. Ihre Eltern, sprich Stevens Ugroßeltern, flohen kurz vor dem ersten Weltkrieg nach Argentinien, wo sie vom Obst- und Gemüseanbau lebten. Später kümmerte sich Anni um den Verkauf und fuhr für höhere Gewinne mehrmals im Jahr in die Hafenstadt. Da sich Anni und Livinho also zeitgleich in São Francisco aufhielten, liegt die Vermutung sehr nahe, dass sie sich kannten. Nun, knapp 70 Jahre später, lernten sich die Enkel von Anni und Livinho, Steven und Jeff, durch reinen Zufall in Cottbus kennen. Aus jahrelanger Zusammenarbeit entwickelte sich eine enge Freundschaft und jenes Konzept, das der Cottbuser Gastro-Landschaft wieder Leben einhauchen wird. Inspiriert durch ihre Geschichte, lassen sie nun seit vergangenem Sommer die „Geschäfte“ ihrer Verwandten im Ebert-Hof wieder aufleben.
Genuss in vollen Zügen
Das „Locos“ ist ein Muss für Zigarrenliebhaber und alle, die es werden wollen. Warmes, gedimmtes Licht, gemütliche Sessel, rustikales und stilvolles Interior und gedeckte Farben sorgen für die perfekte Atmosphäre, um mit einem guten Glas Rum und einer edlen Zigarre eine Auszeit der besonderen Art zu genießen und zu führen, was man für philosophische Gespräche hält. Die exzellente und hochwertige Auswahl reicht von der klassischen Kubanischen, bis hin zu Zigarren aus Nicaragua, Brasilien oder der Dominikanischen Republik. Der Begriff des „Locos“ geht übrigens auf jene Schwarzbrenner zurück, denen es im Laufe der Zeit immer unmöglicher gemacht wurde ohne Festnahmen zu schmuggeln und sie im Zuge dessen als „Draufgänger“ galten.
Spannender Kontrast
Einen spannenden Kontrast zum Locos bietet das „El Chico“. Wer kein Fan von Zigarren ist aber mindestens genauso entspannen möchte, kann das hier auch hervorragend bei einem leckeren Cocktail tun. Im Winter wird das El Chico außerdem zur „Speakeasy Bar“ umgeändert. So nannte man während der Alkoholprohibition von 1920 bis 1933 illegale Kneipen, in denen unerlaubt Alkohol ausgeschenkt wurde. Einfach so reinmarschieren konnte da niemand. Ein Besuch im El Chico ist zwar nicht mehr verboten, aber verboten gut! Und auch das Auge trinkt hier mit, wie die exotischen Cocktails in den bunten „Tiki-Mugs“ demonstrieren. Da guckt man gern tief ins Glas und bekommt gleichzeitig noch einen kleinen Einblick ins verrückte, lebendige und farbenfrohe Südamerika.
Exotik trifft Heimat
Und zuletzt befindet sich auch für alle Feinschmecker ein kleines Juwel im Eberthof: das „Bellessa“.
Der Name geht auf die schönen Frauen zurück, die im Gegensatz zu den Locos weniger Schwiergkeiten hatten ihre Schmuggeleien zu betreiben, denn sie umgarnten einfach die Sicherheitsmänner mit ihrer Schönheit. Diese glauben zu machen, in den Kisten wäre wirklich nichts Anderes als Obst und Gemüse, war für die Damen ein Leichtes. Und eben jene Leichtigkeit umgibt den Gast auch im Bellessa: bunte Sessel und Dekoelemente, dazu viel Grün und eine lockere Atmosphäre. Wenn man kommt, will man eigentlich gar nicht mehr gehen. Ein Blick auf die Karte zeigt: Allerlei südamerikanische Leckereien werden mit Lebensmitteln aus der Region kombiniert. Besonders zu empfehlen: Matambre – Flanksteakroulade mit Maniok, der Klassiker aus Argentinien. Aber auch jedes andere Gericht.
Die Sommer-Abende können dabei hervorragend im charmanten Innenhof verbracht werden. Mit einem leckeren Cocktail aus dem El Chico, einer feinen Zigarre aus dem Locos und der herzlichen Gastfreundschaft aller Mitarbeiter, steht einem geselligen Abend nichts mehr im Wege – fantástico!

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