Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]
Cottbuser Schlosskirche soll Synagoge - Märkischer Bote
Mittwoch, 21. November 2018 - 10:52 Uhr | Anmelden
  • Facebook
Stark bewölkt
1°C
 

Anzeige

Cottbuser Schlosskirche wird Synagoge

27. Mai 2014 | Von | Kategorie: Cottbus |

Cottbuser Schlosskirche wird Synagoge

Ulrike Menzel ist Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Cottbus Foto: J. Heinrich

Die Schlosskirche soll Synagoge werden. Zu Bedenken der Leser befragten wir die Superintendentin
Cottbus. In seinem Bericht zur April-Stadtverordnetenversammlung hatte Oberbürgermeister Szymanski über die Unterstützung der Stadt bei der Umwandlung der Schlosskirche in eine Synagoge informiert. Die Mitteilung darüber hat eine noch anhaltende Flut von Leserzuschriften ausgelöst. Über kirchliche Absichten, artikulierte Bedenken und die Faktenlage sprach Jürgen Heinrich mit Superintendentin Ulrike Menzel.
Der Gemeinderatsbeschluss über die Zukunft der Schlosskirche fiel 2011. Erst jetzt erreichen uns massiv Bedenken. Was geschah unterdessen?
U. MENZEL: Am 12. September 2011 beschloss der Gemeindekirchenrat nach intensiver Diskussion einstimmig, der jüdischen Gemeinde diese Kirche anzubieten. Sie wäre von sich aus nicht auf uns zugekommen, aber da die Jüdische Gemeinde aus ihren Gemeinderäumen auf die Schlosskirche blickt, gingen manche Gedanken schon früher dorthin. Wir wollen und können dazu beitragen, dass die Gemeinde zu einer Synagoge kommt, ohne sehr lange auf die Erfüllung ihres Wunsches warten zu müssen. Es gab dann Gespräche auf verschiedenen Ebenen. In zwei Gemeindeversammlungen kam das Thema zu Sprache. Schließlich hat die Kirchenleitung der Entwidmung am 14.6.2013 zugestimmt unter der Voraussetzung, dass die Kirche an die Jüdische Gemeinde übergeht und wir das liturgische Inventar einschließlich Glocke vorher entfernen und sichern. Wir haben  unserem Gemeindebrief zu Weihnachten 2011 ein Informationsblatt zum Vorhaben beigelegt. Es gab auch Veröffentlichungen in der Tageszeitung und im September 2012 in der Schlosskirche den öffentlichen Vortrag unseres Landespfarrers für Interreligiösen Dialog, Dr. Andreas Goetze, zu „Heilige Räume – wo wohnt Gott?“.
Die Schlosskirche ist als ­Hinterlassenschaft der Hugenotten  in die Obhut der evangelischen Cottbuser Bevölkerung gekommen. Darf man dieses Erbe verkaufen?
Wir haben Anfang diesen Jahres das 300. Jubiläum der Schlosskirche begangen. Ja, sie hat reiche Tradition. Ich freue mich, dass die Cottbuser das zu schätzen wissen. Die Schlosskirche bleibt ein öffentliches Gebäude. Das ist vereinbart und wird vertraglich festgeschrieben. Vertreter der reformierten Kirche in unserer Landeskirche begrüßen die Umwidmung. Das entspricht der Hochschätzung der hebräischen Bibel – unseres Alten Testaments – in der reformierten Tradition, zu der die Hugenotten gehörten.
Offiziell wird der Kaufpreis von knapp 600 000 Euro genannt. Gibt es keine andere Möglichkeit, fragen Leser, die Kosten der Oberkirche zu decken, als durch Immobiliengeschäfte?
Das Geld hat mit der Oberkirche gar nichts zu tun. Es wird als „Verkaufserlös Schlosskirche“ festgelegt. Die Unterhaltung der Oberkirche bestreiten wir aus Kirchensteuerzuweisungen, Spenden und Fördergeldern.
Wie verhält es sich mit dem Nutzungsvertrag für 99 Jahre der Stadtmission?
Die Stadtmission in dieser Form aus DDR-Zeit gibt es hier nicht mehr; sie ist Teil des Diakonischen Werkes, und das hat Sitz und Stimme im Kuratorium Schlosskirche. Es trägt also unser Vorhaben mit. Ohnehin wollten die Menschen, die hier Mittag bekommen haben, weg aus diesem öffentlichen Ort. Man kann ja auch eine Kirche nicht wie eine Wohnstube heizen. Das Straßencafé in der Külzstraße wird dagegen gut angenommen. Und für Heilig-abend in der Schlosskirche, der etwas ganz Besonderes ist, gibt es gute andere Orte, sogar mit mehr Platz und einer Bühne. Schön finde ich, dass die, die sonst immer Gäste waren, seit einigen Jahren im Krippenspiel selbst aktiv werden.
Es bleibt die Kritik an zu wenig Kommunikation auch außerhalb der Kirche. Leser meinen, es bedürfe gar keiner Polizei vor einer Cottbuser Synagoge, wenn offener über alles gesprochen würde.
Jede Synagoge braucht ein Sicherheitskonzept. Die Polizei ist dabei, eins für diese erste Synagoge im Land Brandenburg zu entwerfen. Dazu gibt es sehr vernünftige Überlegungen, die ohne einen Wachschutz an der Kirche auskommen.
Ein Leser meint: „Gotteshaus bleibt Gotteshaus -ob mit Kreuz oder Davidstern.“ Sehen Sie das auch so?
Ja. Unsere christlichen Gottesdienste entsprechen in vielem dem jüdischen Synagogen-Gottesdienst. Wir lesen dieselbe Schöpfungsgeschichte. Auch die Synagoge ist ein sakraler Raum, in dem Gottesdienste gefeiert werden. Das ist besser, als hier nur Ausstellungen, Konzerte oder andere Dinge zu veranstalten.
Es müssen übrigens kaum Umbauten erfolgen, und die Denkmalpflege hat gar keine Probleme mit der Umwidmung.
Was genau geschieht aktuell und in naher Zukunft?
Das Kuratorium Schlosskirche berät nächste Woche. Am 19. Juni, 10 Uhr, gibt es im Rahmen der Seniorenwoche eine Informationsveranstaltung in der Schlosskirche. Eine Bürgerversammlung ist in Vorbereitung. Und wenn Kirchengemeinde und Landesverband der Jüdischen Gemeinden den Notarvertrag unterschrieben haben, kann Bischof Dr. Markus Dröge am 21. September um 15 Uhr zum Entwidmungsgottesdienst kommen.
Danke für das Gespräch.




Anzeige

Schreibe einen Kommentar

 

Ich habe die Datenschutzerklärung der Cottbuser General-Anzeiger Verlag GmbH gelesen und akzeptiere diese mit dem Versenden des Kommentares.


Das könnte Sie auch interessieren