Wohnhäuser und Arztpraxen direkt am Bahnsteig / Güterschuppen wird Kulturschuppen
Ortrand (ysr). Das Wohnhaus und Büro von Bauingenieur Frank Weser steht nahe beim Ortrander Bahnhof. Sein aktuelles Bauprojekt ist der alte Güterschuppen. Der soll ab Ende 2014 zur Kulturstätte werden. Im komplett renovierten „Kulturgüterschuppen“ sollen dann Konzerte, Theaterabende, Tanzveranstaltungen und große Feiern stattfinden können.
Die besondere Herausforderung von Anfang an war, dass alle zum Bahnhof gehörenden Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Trotzdem ist und war Frank Wesers Anspruch, ein modernes, den aktuellen Normen an Wärmedämmung und Ausstattung entsprechendes Wohnen und Arbeiten zu ermöglichen. Sein Bezug zu dem besonderen Bauobjekt rührt aus frühester Kindheit. Opa war hier Fahrdienstleiter. „Ich habe ihm mittags immer auf einem Tablett sein Essen gebracht, durfte Fahrkarten verkaufen und im Gepäckraum spielen“, erinnert sich der Bauherr.
Als dann 2010 das Zu-Verkaufen-Schild angebracht war, entschied sich Frank Weser, den Bahnhof samt Nebengebäuden zu erstehen und in Stand zu setzen. Eigentlich erhielt er den Schlüssel, um das Objekt Mietinteressenten zu zeigen. „Ich hatte zwei Wochen Zeit für intensive Begehungen“, so der Ortrander. Beim nächsten Treffen mit dem Vermieter stand sein Kaufentschluss fest. Aus heutiger Sicht ein gewagter Schritt. „Eine Immobilie hier im Osten ist günstig zu erwerben, die eigentlichen Kosten aber stecken in der Sanierung“, sagt der Bauingenieur.
Zunächst nahm er die Renovierungsarbeiten im Erd- und Obergeschoss des alten Bahnhofs in Angriff. Noch während der Bauphase kamen die ersten Mietinterssenten auf ihn zu. Das Klinikum Niederlausitz wollte das Parterre für Arztpraxen zu nutzen. So folgte der Entschluss, im oberen Bereich Mietwohnungen anzubieten. „Es war unglaublich. Damit waren noch vor Bauabschluss alle Räumlichkeiten vermietet“, so Frank Weser.
Dann der Rückschlag: Baustopp. Das Eisenbahnbundesamt wies darauf hin, dass es noch keine Entwidmung für das alte Bahngebäude gab. Es folgte eine sechswöchige Zeit bangen Wartens, ob sich jemand mit Restansprüchen für das Objekt finde. Zum Glück nicht. – Mit nur zwei Monaten Verzögerung konnten die Mieter im Juli 2012 ihren Einzug feiern.
Frank Weser wandte sich ohne Pause dem nächsten Projekt zu – dem Kohlenkeller. Kein leichtes Unterfangen, denn 140 Jahre lang erfüllte dieser seine Funktion. „Er war unglaublich schmutzig und trostlos, aber sollten 180 Quadratmeter ungenutzt bleiben?“ sagt der Eisenbahnfreund. Doch in finanzieller Hinsicht war jetzt zunächst „der Ofen aus“. „Meine Eltern, die ebenfalls eine Leidenschaft für das Objekt hegen, griffen mir finanziell unter die Arme“, erinnert sich Frank Weser dankbar und fügt hinzu: „Nach Eröffnung am Tag des offenen Denkmals haben die beiden hier Kaffee und Kuchen ausgeschenkt und Gäste begeistert geführt“.
Als dann die Wände sandgestrahlt und verputzt waren, wichen 140 Jahre Kohlendreck einem liebevoll eingerichteten Kellergewölbe, das Platz zum Feiern für bis zu 60 Personen bietet. Alte Bahnsitze, Gepäckablagen, Signallampen und Mi-tropageschirr machen die Atmosphäre perfekt.
Zur Einweihung wurden ehemalige Eisenbahner der Region eingeladen. „Wir hatten nur zehn Adressen, aber 50 kamen“, sagt Frank Weser. Die Nachricht von der Bahnhofsparty hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Aus Kaffee und Kuchen wurde ein mit Gesprächen und Erinnerungen gefüllter langer Abend. Der älteste Gast war eine 92-jährige ehemalige Fahrkartenverkäuferin aus Lampertswalde.
Eisenbahnertreffen sollen nun Tradition werden. Jährlich zum Tag des Eisenbahners (zu DDR-Zeiten der zweite Sonntag im Juni) möchte Frank Weser die Geschichte pflegen und die Erinnerungen noch viele Jahre weiter tragen helfen.








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