
Bürgermeister Andreas Fredrich mit gemischter Bilanz / Spagat zwischen Industrie- und Erholungsort
Senftenberg (MB). Kein Zweifel: Die Eröffnung des Stadthafen war in den Augen des Senftenberger Bürgermeisters wie wohl auch der meisten Einwohner das Hauptereignis des Ausklingenden Jahres. Andreas Fredrich fügt hinzu: „Das Hafenfest war mein langgehegter Traum. Er hat sich wunderbar erfüllt.“
Glanzvoll klingen auch die nüchternen Zahlen dazu. 13 Millionen Euro sind in das Hafenprojekt geflossen, drei Millionen aus dem Stadthaushalt. „Die geplanten Kosten sind fast auf den Cent eingehalten wurden; wir haben sogar noch die Inflationsrate eingespart.
Das neu geschaffene Vermögen befindet sich jetzt im Eigentum des Verbandes Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB), die Stadt gibt ihm einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von zunächst 50 000 Euro. „Wir werden sehen, wie sich das entwickelt, meint der Bürgermeister und lässt Zuversicht erkennen. „Mich haben zum Beispiel 5 000 Bootsschleusungen schon im ersten Sommer erstaunt“, sagt er. Das Hafenfest erfüllte all seine Erwartungen. Trotzdem – es wird 2014 in andere Hände kommen. „Die Stadt und der LSB treten als Veranstalter auf und schreiben die Ausrichtung aus“, erklärt der Bürgermeister. Er hofft, dass der Gewerbeverein dann stark involviert ist, vielleicht sogar als Ausrichter. „Die zeigen ja gerade jetzt beim Weihnachtsmarkt, dass sie das gut können. Auf jeden Fall will ich den Verein in der Arbeitsgruppe zur Vorbereitung haben.“
Zwar sind im Hafen alle Liegeplätze vergeben, aber, so Fredrich, „überregional sind wir noch kaum bekannt.“ Touristisch gebe es gute Resonanz, „aber Unternehmen kennen uns kaum.“ Das macht dem Stadtchef Sorgen.
Da liegt zum Beispiel das Hotel-Projekt auf Eis. Rechts vom Hafen (in Blickrichtung zum See) soll ein Hotel errichtet werden. Es gibt aber nicht so viele Bewerber, dass die Auslober reiche Wahl hätten. Das einzig vorgelegte Projekt hatte einen zu plumpen Baukörper. Jetzt gebe es einen besseren Entwurf, der aber in die Breite fällt und mehr Fläche beansprucht, als ausgeschrieben war. So beginnt das Ritual von vorn, allerdings vermutlich mit der Investorenbremse Erbpacht. Seeufer soll keinesfalls in Privatbesitz kommen, ist die mehrheitliche Stimmung. Das erschwert jegliche Finanzierung, und Hotels baut niemand aus der Portokasse.
Andere Gründe mögen verantwortlich sein für das vorerst gescheiterte eitle „Lagunen“-Traumdorf in Sedlitz. Fredrich räumt ein: „Wie zu erwarten gab es kein Investorenangebot.“ Zwei Gründe nennt er: Die Region ist zu wenig bekannt. Zweitens: Die zu erwartende Marge (mindestens zehn Prozent bei solcherart Immobilien) scheint nicht erreichbar.
Immer wieder geraten die Visionen in diesen Konflikt einer außergewöhnlichen Geografie. Sie wird leider von den Stadtverordneten nicht genügend erkannt. Das zeigt jetzt die Ablehnung des Namenszusatzes „am See“. Wer Senftenberg in der Lausitz verortet, wird „am See“ nicht nur als Alleinstellung, sondern als Attraktion wahrnehmen.
Im Augenblick bemüht sich Senftenberg sehr zu Recht um die offizielle Anerkennung als Erholungsort. Das brächte bedeutende Marketing-Vorteile. Aber es scheint so, als würde der Stadt dieses Attribut verwehrt. Bürgermeister Andreas Fredrich sagt zwar als Optimist: „Wir sind es so gut wie, wenn wir ein entsprechendes Entwicklungskonzept vorlegen“, aber bisher rühmte sich Senftenberg seiner Industrie- und Gewerbevorzüge. Wie, fragt die Kommission, geht das mit Erholung zusammen?
Der Bürgermeister will in Ruhe darüber nachdenken. Neue Ambitionen, anderswo Landrat zu werden, hat er nicht. „Soviel ich sehe, wird nirgendwo eine Stelle frei.“ J. Heinrich