Mit Vereins-Volldampf ins malerische Görlitz

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Klein aber fein: der „Schlesische Christkindelmarkt zu Görlitz“ ist eine (Dampfzug-) Reise wert | Fotos: Autor

Reisen wie der Weihnachtsmann in jungen Jahren: Der Lausitzer Dampflok Club macht’s möglich
Cottbus (hnr). Durchdringend wälzt sich der dumpfe Pfeifton über die morgendliche Stadt. Cottbuser ahnen: Der Dampflok-Zug startet. Denn kaum jemandem blieb in 22 Jahren seit Dezember 1991 das erstaunliche Wirken der Lausitzer Dampflok-Enthusiasten verborgen. Sie halten die wuchtigen Kraftprotze des Schienenstrangs unter Öl und Dampf und lassen Jahr um Jahr tausende junge wie ältere Menschen Eisenbahn-Romantik erfühlen.
Der letzte Samstag vor dem dritten Advent war wie geschaffen für Dampfzugträume. Kalte Luft und flach stehende Sonne am frühen Morgen! Der schwarze Rauch und dicker weißer Dampf umschmeichelten die schwarzblank gestriegelte Lok und tanzten Ballett am Himmel. Märchenhafte Bilder für Fotoprofis, wahre Schnupper-Wollust für alte Eisenbahner. Diese 35er Personenlok gehört mit dem Baujahr 1958 zu den jüngeren Maschinen der großen Reichsbahnflotte. Für den Zug mit sechs Personenwagen 2. Klasse, einem der 1. Klasse, einem Buffet- und dem Gesellschaftswagen sowie dem Packwagen mit halber Personenwagen-Kapazität scheint sie genau das richtige Ross zu sein. Rund 500 Menschen sitzen bequem, werden von Vereinsmitgliedern in bester „Mitropa“-Manier höchst preiswert versorgt.
„Görlitz“ steht im Bahnsteig-Leuchtkasten, die Stimmung ist prächtig, der Weihnachtsmann mit Christkind ist zugestiegen – ab geht’s also. In rötlichem Licht, fast menschenleer und dampfweiß beschleiert bleibt der Bahnhofsvorplatz zurück. Gleichsam schwebend wechselt der Zug aus dem Häusermeer in die Kiefernheide. Denn der Takt der Schienenstöße, der zur Dampflokzeit – tak-tak – gehörte – ihn gibt’s nicht mehr.

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Die 35er verschnauft in Görlitz. Natürlich werden zuerst im idealen Licht Erinnerungsfotos mit dem Kraftprotz geschossen. Dann noch ein paar Worte mit dem Lokführer gewechselt, und ab geht’s in die schlesische Weihnachtsstadt

Kaum hat sich jeder im neu mit Stoff bezogenen Sitz eingeräkelt, da ist schon Spremberg erreicht. Zustieg auf viel zu kurzem Bahnsteig, und weiter geht die Fahrt. Die Grenzstadt Görlitz hat einen großen, schönen Bahnhof. Niemand verläuft sich. Da führt der Weg zum Landskron-Programm, links lang zur Altstadt. Nichts überlassen die Macher dieses Eisenbahnverkehrsunternehmens dem Zufall. Wie auch? Sie verkörpern die einst sprichwörtliche Eisenbahner-Verlässlichkeit. Es wird, es muss ihnen gelingen, ihre Schnellzuglok 03 – das Paradeross des Vereins, durch die Hauptuntersuchung zu bringen. Der quasi Neuaufbau kostet 1,1 Millionen Euro. Bei dieser Fahrt, die nur 24 Euro pro Nase kostet, spenden die Gäste 962 Euro dafür.