
Praxis ist große Klasse / Polnische Lehrlinge erhalten in Gallinchen fehlende Anwendung
Gallinchen (ha). Welche hervorragenden Lernbedingungen die Lausitzer Azubis im Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) in Gallinchen haben, wissen viele gar nicht zu schätzen – die zwölf Jugendlichen aus der Fachoberschule für Fernmeldetechnik in Poznan schon! Der erste „Schwung“ hat am Wochenende ein zweiwöchiges Praktikum beendet, am kommenden Wochenende trifft das nächste Dutzend ein. Insgesamt werden es 35 polnische Lehrlinge sein. „Bei uns gibt es nur ein vierwöchiges Praktikum in den gesamten vier Ausbildungsjahren. Die praktische Anwendung wie hier neben der theoretischen Ausbildung gibt es leider nicht“, erklärt der 18-jährige Krysztof Marczak. Nach der Ausbildung haben sie wegen der fehlenden Praxis Probleme, in großen und erfolgreichen Unternehmen eine Stelle zu bekommen. „Die zwei Wochen hier bringen uns sehr weiter und helfen uns auch in der späteren Bewerbung“, ergänzt Marek Wrzeszcz. Betriebssysteme programmieren, Netzteile reparieren, Steueranlagen mit Parametern versehen, Lichtwellenleiter montieren – all das haben sie in den zwei Wochen probiert. Zuhause versuchen sie wenigstens in den Ferien bei Firmen praktische Fähigkeiten zu erlangen, doch es gibt nur wenige Unternehmen, die sie aufnehmen dürfen. Ein Lehrlingsgeld gibt es auch nicht. „Das macht aber nichts, wir sind ja dort um zu lernen“, meint Kamil Wozniak, der sich, wie alle Azubis, im dritten Lehrjahr befindet.
„Unsere Betriebe haben große Not, Nachwuchs zu finden. Die Zahl unserer Jugendlichen geht zurück. Und deshalb haben wir diese Kooperation begonnen, die beiden Ländern helfen kann“, begründet HWK-Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher den Austausch. „Viele der Jugendlichen wollen nach ihrer Ausbildung gern nach Deutschland kommen. Sie lernen Deutsch und sehen, dass es hier viele gute Elektrofirmen gibt“, verrät Aleksandra Stachowiak, die die angehenden Elektroniker, Tele- und IT-Informatiker betreut und bei Sprachhürden hilft. „Wir wollen in deutschen Firmen arbeiten, weil dort neueste Technik und bestes Know-how im Einsatz ist“, begründen die Jungs ihr Interesse an unserem Land.
„Es werden nicht die einzigen sein, die bei uns ein Praktikum absolvieren. Wir können uns auch solche Austausche mit spanischen und portugiesischen Lehrlingen vorstellen. Kontakte dorthin haben wir bereits aufgenommen“, blickt Knut Deutscher in die Zukunft. Er sieht schon den einen oder anderen Poznaner in der Lausitz arbeiten und hier Karriere im Handwerk machen.








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