Reinhard Schötzig: Die Reederei GOTT

160611schoetzig
Unter großer Anteilnahme verabschiedeten sich die Briesener letzten Freitag von ihrem ersten demokratisch gewählten ehrenamtlichen Bürgermeister Reinhard Schötzig. Er verstand es, wichtige Baumaßnahmen und Neuerungen der Spreewaldgemeinde Bürgern nahe zu bringen und alle mitzunehmen. Bei regelmäßigen Kirchenführungen erläuterte der langjährig als Seelsorger tätige Ur-Briesener lebendig die Historie der wertvollen Malereien, war Gründungsmitglied des Freskenvereins, initiierte die Freilegung der Wackerbarthschen Gruft auf dem Kirchhof. Zuletzt arbeitete der gefragte Grabredner an der Chronik seines Heimatortes.

Wie kann eine Gemeinde in den Stürmen unserer Zeit bestehen?
Dazu schrieb Reinhard Schötzig im Juni 2015 in Forum der Kirchgemeinde Briesen:

Ich möchte mit einem Bild aus der Schifffahrt antworten, auch wenn Vergleiche mit dem Göttlichen an Grenzen gelangen.
Da gibt es eine Reederei mit einer weltweit ansehnlichen Flotte – nennen wir die Reederei: GOTT. Diese Reederei hat eine klare Firmenphilosophie – nennen wir sie: GEIST GOTTES. Jedes Schiff wird, je nach Tonnage, mit Fracht versehen – nennen wir die Fracht: das sichtbare Reich Gottes, nach Markus 1,15; bestehend aus: Seelsorge, Diakonie und Mission. Zu jedem Schiff gehört eine entsprechende Anzahl von Crewmitgliedern. Die Leitung und Verantwortung übernimmt der Kapitän – nennen wir ihn: Gemeindekirchenrat, zu dem auch der Pfarrer/die Pfarrerin gehört. Dem Kapitän sind Ziel der Reise, Frachtgut und Seeweg bekannt und die Crew ist davon in Kenntnis gesetzt. Jetzt gilt es, die Reise zu beginnen und mit gutem, abgestimmten Leben und Arbeiten an Bord ans Ziel zu bringen, denn wie die Seereise verlaufen wird, ist ungewiss. Jeder Situation wird man sich stellen müssen. Jedes Crewmitglied, vom Smutje bis zum Maschinisten, hat seinen Arbeitsbereich – nennen wir ihn: Berufung und Begabung. Alle Bereiche müssen aufeinander abgestimmt sein; das bedeutet: Offenheit, Vertrauen, Toleranz und Respekt sollen eingeübt werden und das Leben an Bord bestimmen. Ausgrenzung und Rückzug in die Anonymität spalten die Crew und führen zu Turbulenzen – vergleichen wir es mit Meuterei, die zum Scheitern einer Reise führt. Deshalb soll eine klare Sprache an Bord gesprochen werden. Worthülsen sind unangebracht, sie verunsichern das Leben an Bord.

Zur Firmenphilosophie des Reeders gehört auch, dass das Schiff von der Crew gepflegt und intakt gehalten wird, denn „Seelenverkauf“ wird der Reeder nicht dulden; sollte es aber dazu kommen, trennt er sich von diesem Schiff. Um zukunftsichernd seine Flotte zu erhalten, wird er ein neues Schiff bauen lassen; denn als Reeder hält er viel von Reformation. Um den Bestand seiner Reederei braucht er sich keine Sorgen zu machen; seine Flagge wird auf der Welt sichtbar bleiben. Es liegt also alles an der Crew und i h r e m Schiff; wer es verlässt, dem wird diese Freiheit zugestanden, er wird dann wohl unter anderer Flagge anheuern. Innerlich von Bord gegangenen Crewmitgliedern aber rufe ich zu: Immer willkommen an Bord!
Gerufen hat dies der Matrose Reinhard Schötzig