Reisbrennen: Laut, schnell und mit viel Liebe zum Detail

Ein persönlicher Rückblick auf das Reisbrennen 2026 mit spektakulären Viertelmeilenrennen, kreativen Umbauten und einem kleinen Wermutstropfen.
Die Händler- und Importmeile.
Die Händler- und Importmeile.

Klettwitz. Vom 30. Juli bis zum 2. August verwandelte sich der DEKRA-Lausitzring erneut in einen der größten Treffpunkte der europäischen Japan-/Asia-Tuning-Szene. Beim Reisbrennen kamen Fahrer und Fahrzeugbegeisterte aus zahlreichen Ländern zusammen, um vier Tage lang Motorsport, individuell umgebaute Fahrzeuge und das besondere Gemeinschaftsgefühl der Szene zu erleben.

Für mich war es bereits der dritte Besuch als Tagesbesucher. Das letzte Mal war ich noch weit vor der Pandemie vor Ort gewesen. Entsprechend gespannt war ich darauf, wie sich die Veranstaltung in den vergangenen Jahren entwickelt hat und ob sich noch immer dieses besondere Gefühl einstellt, das mir von meinen früheren Besuchen in Erinnerung geblieben ist.
Schon beim Betreten des Geländes wurde deutlich, wie viel Zeit, Geld und vor allem Leidenschaft viele Besitzer in ihre Fahrzeuge investierten. In der Hot-Import-Area standen aufwendig restaurierte „Oldtimer“, auffällige Showcars sowie individuell gestaltete und umgebaute Alltagsfahrzeuge. Kaum ein Auto glich dem anderen. Lackierungen, Felgen, Innenausbauten und technische Veränderungen zeigten, wie vielfältig die asiatische Fahrzeugkultur inzwischen geworden ist.
Ein Fahrzeug fiel mir dabei besonders ins Auge: der detailgetreue Nachbau eines japanischen Polizeifahrzeugs aus Kanagawa, auf Basis eines Nissan Skyline R32 GT-R (Fahrzeug-Nr. 525). Nach Aussage des Halters orientiert sich der Nachbau an einem Einsatzfahrzeug, das in den 90er-Jahren unter anderem im Kampf gegen die Bosozoku-Motorradgangs, die bekannt für extrem modifizierte Fahrzeuge und laute Protestfahrten waren, eingesetzt worden sein soll. Es gehörte damals zu den leistungsstärksten Polizeifahrzeugen der Welt, mit circa 280 PS, im aktiven Dienst. Der Nachbau hat in etwa 550 bis 650 PS. Beeindruckend war nicht nur das fertige Ergebnis, sondern auch die Geschichte dahinter. Rund 80 Prozent der Arbeiten habe der Besitzer selbst übernommen. Das Fahrzeug sei ohne eigene Hebebühne restauriert worden. Dieses Beispiel stand sinnbildlich für viele der ausgestellten Fahrzeuge. Hinter nahezu jedem Umbau steckten unzählige Arbeitsstunden, persönliche Ideen und eine große Verbundenheit zum eigenen Auto.

Auch der Driftsport nahm beim Reisbrennen einen wichtigen Platz im Programm ein. Bei der AvD Drift Championship gingen insgesamt 45 Fahrer aus neun Nationen an den Start, darunter Teilnehmer aus Großbritannien, Dänemark, Polen, der Schweiz und der Slowakei. Ich selbst konnte die Wettkämpfe leider nicht miterleben, da ich aufgrund des anhaltenden Regens erst am späten Nachmittag auf dem Lausitzring anreiste.

Nr. 525: Viele Interessierte bestaunten dieses Fahrzeug.
Nr. 525: Viele Interessierte bestaunten dieses Fahrzeug.

Ein Höhepunkt war für mich das abendliche Viertelmeilenrennen. Auf der rund 402 Meter langen Strecke traten unterschiedlichste PS-starke Fahrzeuge gegeneinander an und zeigten, welche Leistung in ihnen steckt. Die höchste an diesem Tag gemessene Zielgeschwindigkeit erreichte ein 1.200 PS starker Nissan GT-R mit beeindruckenden 283 Kilometern pro Stunde. Die Viertelmeile legte er in nur 8,5 Sekunden zurück.

Nach dem Viertelmeilenrennen wurde das Fahrerlager für die Besucher geöffnet. Viele Fans nutzten die Gelegenheit, die Rennfahrzeuge aus der Nähe zu betrachten, mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen und noch einmal ganz besondere Eindrücke zu sammeln. Dabei war immer wieder das sogenannte „Pop-and-Bang“ zu hören. Bei entsprechend modifizierten Fahrzeugen lässt der Fahrer den Motor hochdrehen und nimmt anschließend den Fuß vom Gas. Durch eine spezielle Abstimmung der Motorsteuerung verbrennen Kraftstoffreste erst im heißen Abgastrakt und erzeugen das typische laute Knallen. Unter bestimmten Bedingungen können sogar Flammen aus dem Auspuff sichtbar werden. Was für viele zum typischen Klang eines Tuningtreffens gehört, dürfte für andere Besucher zunächst gewöhnungsbedürftig gewesen sein.

Ein Drift-Taxi, das trotz nasser Strecke für spektakuläre Motorsport-Action sorgte.
Ein Drift-Taxi, das trotz nasser Strecke für spektakuläre Motorsport-Action sorgte.

Trotz der vielen positiven Eindrücke gab es für mich auch leider zwei Punkte, die das Gesamtbild etwas trübten. Nach meiner Erinnerung an frühere Veranstaltungen und dem Hinweis auf der Internetseite sollte das Gelände grundsätzlich asiatischen Fahrzeugmarken vorbehalten sein. Auf dem Fahrerlager-Besucherparkplatz und dem allgemeinen Besucherparkplatz gab es zwar offenbar eine Unterteilung, dennoch standen asiatische Fahrzeuge und Fremdmarken gemischt. Auch auf dem Veranstaltungsgelände waren vereinzelt getunte Fahrzeuge anderer Marken zu sehen, die möglicherweise mit Komponenten asiatischer Hersteller ausgestattet waren. Für mich persönlich passten diese eher zu einem markenoffenen Tuningtreffen, als zum ursprünglichen Charakter des Reisbrennens.

Ungeachtet dieser kleinen Abstriche bleibt mein Gesamteindruck weiterhin positiv. Nach der langen Pause war es schön bekannte Eindrücke neu zu erleben und zu sehen, wie lebendig die Szene weiterhin ist und auch stetig wächst. Das Reisbrennen bleibt ein außergewöhnliches Event, das Motorsport, Fahrzeugkultur und Gemeinschaft miteinander verbindet.
Für die Zukunft würde ich mir lediglich wünschen, dass der ursprüngliche Fokus auf asiatische Fahrzeuge wieder etwas stärker in den Mittelpunkt rückt.
Jennifer Hnyk
Weitere Beiträge aus unserer Region finden Sie hier!