
Cottbus (h). 21 Friedhöfe hat die Stadt Cottbus. Mit jeder Eingemeindung werden es mehr und die Probleme wachsen. Dabei sind die Positionen der vor mehr als 50 Jahren eingemeindeten Orte noch nicht einmal aufgearbeitet. Der Grund: (groß-)städtische und dörfliche Bestattungskulturen, zumal hier in deutsch-wendischem Kulturraum, weisen wesentliche Unterschiede auf. Das zu respektieren, fordert seit Wochen auf unkonventionelle Weise ein Transparent über dem Saspower Friedhofsportal. Die Leute sind verärgert, dass sie die Gruben für ihre Toten, so wie seit Jahrhunderten üblich, nicht mehr selbst graben dürfen. „Bagger fahren neuerdings über die Köpfe unserer Vorfahren“, schimpft Bürgersprecher Bernd Kamenz, „und die Begrabenen werden mit Rüttelplatten festgestampft.“ Das Ärgernis geht einher mit der neuen Friedhofssatzung, die höhere Preise für Grabstellen fordert. „Wir haben die Friedhofspflege immer selbst erledigt, unbezahlt, und wollen das auch weiter tun“, sagt Kamenz. Aber die Pflegearbeiten wurden an Firmen vergeben.
Die Saspower Identität ist nach einem Tiefpunkt in den Jahren der LPG-Gründung (um 1960) stetig gestiegen. Der Ortsteil von Cottbus hat heute rund 700 Einwohner, Politik wird an zwei Stammtischen gemacht: bei der Feuerwehr und beim Heimatverein. Und die Wortführer der Stammtische sind sich in Sachen Friedhof einig: Hier fordert Tradition ihr Recht.

Die „Ureinwohner“ wollen die Rituale, wie sie bis Mitte der 1980er Jahre noch stattfanden. Verstorbene wurden offen in der Wohnung aufgebahrt, gewaschen und angezogen. Dann wurde der Sarg offen auf den Hof gestellt, und die Dorfbewohner konnten Abschied nehmen. „Heute fährt der Verstorbene im geschlossenen Auto aus dem Dorf, und die Leute erfahren erst durch die Anzeige, dass einer fehlt. Ist das nicht schlimm?“ fragt sich mancher.
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