Ruhland: Das Schlesien-Schild grüßt jetzt wieder

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Reinhard Pfennig, Helmar Steinborn und Norbert Schob bringen die rekonstruierte Niederschlesien-Tafel wieder an ihrer heimatlichen Stelle an Foto: T. Richter-Zippack

Ruhlander Heimatverein hat die altehrwürdige Tafel rekonstruiert und wieder angebracht

Ruhland (trz). Über wenig Arbeit können sich die Mitglieder des Ruhlander Heimatvereins nicht gerade beklagen. Gerade in den vergangenen Wochen sind die Telefone regelrecht heißgelaufen. Denn die Anrufer vermuteten Vandalismus. Oder Diebstahl. Denn die Tafel „Ruhland/Oberlausitz, Niederschlesien“ an der Elsterbrücke war scheinbar spurlos verschwunden.
Tafel rekonstruiert
Jetzt ist sie wieder aufgetaucht. Und zwar frisch rekonstruiert. Mehrere Heimatfreunde haben das historische Stück wieder am nördlichen Ortseingang angebracht. Konkret an der Grenze der Nieder- zur Oberlausitz. Beziehungsweise der Provinz Brandenburg und Niederschlesiens.
„DIe Tafel wurde bereits zur Ruhlander 675-Jahr-Feier anno 1992 angebracht“, erklärt Vereinsvorsitzender Reinhard Pfennig. Als der damalige Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe das Schild in Augenschein nahm, kündigte er auf dem Festplatz an, dass Ruhland wieder eine Perle Niederschlesiens werde.
Jetzt wurde die aus einem speziellen Harz bestehende Tafel bereits ein zweites Mal rekonstruiert. „Die Schwarze Elster sorgt für eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Daher ist das Schild anfällig“, erklärt Fachmann Helmar Steinborn, in dessen Händen die Sanierung vonstatten ging. Durch das Einspritzen von Harz werde das Eindringen weiterer Feuchtigkeit verhindert. „Das hält jetzt wieder mehrere Jahre“, ist Steinborn sicher.
Ein paar Meter östlich
Unmittelbar neben der Niederschlesien-Tafel befindet sich ein alter Provinzstein, der ebenfalls die Grenze anzeigt. Dieser befand sich einst ein paar meter weiter östlich, also dort, wo die alte Elsterbrücke stand, die im Zuge des Neubaus vor rund 20 Jahren abgewrissen worden war.
Kurioserweise, so hat der Heimatverein recherchiert, haben sich die Ruhlander Flurgrenzen und damit die Begrenzung von Ober- und Niederlausitz immer mal wieder verschoben. Einserseits durch die Elsterregulierung Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Fluss begradigt wurde. Andererseits durch den Aufbaus der BRABAG, des späteren Synthesewerkes und der heutigen BASF Schwarzheide GmbH. Der Betrieb trug anfangs die Bezeichnung „Werk Ruhland“, da er auf der Gemarkung des Elsterstädtchens lag. Auch der dortige Bahnhaltepunkt trug diesen Namen. Heute bildet die kanalisierte Elster die Grenze zwischen beiden Lausitzen. Bis auf eine Ausnahme: Denn der Ruhlander Eichwald am nördlichen Ufer zählt bis heute zum namensgebenden Ort und damit zur Oberlausitz und zu Niederschlesien.
Wo Ruhland liegt wusste früher übrigens jedes Kind, das in Schlesien zur Schule ging. Denn in allen Schulbüchern stand, dass die Provinz wie ein Eichenblatt geformt sei, und den Stiel bilde Ruhland.


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