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Schornsteinfeger und das Glück

4. Januar 2019 | Von | Kategorie: Region |

Die schwarze Zunft trägt zum Umweltschutz, zur Sicherheit und zur Kosteneinsparung bei.

Schornsteinfeger und das Glück

Eine regelmäßige Kontrolle und Reinigung und die optimale Einstellung der Heizungsanlage helfen mögliche Brandgefahren zu erkennen und vermeiden zudem unnötige Heizkosten – auch das ist Glück | Foto: Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Region (MB/jk). Schornsteinfeger bringen Glück, so heißt es. Eine Berührung der goldenen Knöpfe oder ein wenig Ruß soll bereits helfen. Nicht nur zum Jahreswechsel sind Schornsteinfeger als Glücksbringer gefragt: Einmal anfassen oder umarmen – eine Aufgabe, die Spaß macht.
Aber wieso soll neben vierblättrigen Kleeblättern, Marienkäfern oder rosa Schweinchen gerade der „schwarze Mann“ Glück bringen, und warum helfen etwas Ruß oder die Berührung der goldenen Knöpfe seiner Tracht?
Es gibt viele Deutungen, der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks hält sich an die Fakten: der historische Ursprung des Schornsteinfegerhandwerks und der Glauben an das Glücksbringen liegt nach weitläufiger Meinung bereits im Mittelalter im heutigen Italien. Sie entfernten Rußablagerungen und durch Laub, Vogel- oder Insektennester entstandene Engen und sorgten dafür, dass wieder besser geheizt und gekocht werden konnte. Gleichzeitig verringerten sie so die Brandgefahr, nicht nur für das jeweilige Haus – ein Schornsteinbrand konnte schnell einen Hof oder sogar ein ganzes Stadtviertel in Schutt und Asche legen.
Da die Arbeit des Schornsteinfegers schmutzig und schwierig war, nahmen die Bewohner die Dienstleistung gerne an. Bei wem der Schornsteinfeger war, der hatte also keinen Hausbrand zu befürchten! Der Ruß an der Kleidung der Kaminkehrer war das „Zeichen“ für den Besuch,
und dieses holten sich die Haus-bewohner persönlich ab, wie es heute noch auf Straßen zu beobachten ist.
Gleichzeitig wirkte er mit seiner dunklen Kleidung und dem rußgeschwärzten Gesicht ein wenig unheimlich und geheimnisvoll. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, der schwarze Mann könne auch böse Geister und sogar den Teufel bezwingen. Abergläubische Geschichten wurde in Liedern oder Versen verbreitet, fanden sich auf Zeichnungen oder Kupferstichen und trugen so dazu bei, dass der Schornsteinfeger bis heute als Glücksbringer angesehen wird.

Schornsteinfeger heute
In der heutigen Zeit sind die Schornsteinfeger in ihrer traditionelle Berufskleidung immer seltener nur auf den Dächern anzutreffen. „Das hat viele Gründe,“ erklärt der Cottbuser Innungs- obermeister Lars Böhrenz. „Zum einen ist da der angestiegene Verwaltungsaufwand. Fast die Hälfte der Arbeit findet mittlerweile am Schreibtisch statt. Zum anderen sind die Schornsteinfeger längst zu Sicherheits-, Umwelt- und Energieexperten geworden. Feuerstättenbescheide, Emissionsschutzanforderungen, Wärmeschutzverordnungen und vieles mehr müssen die Glücksbringer im Kopf haben.“
An den Fahrzeugen und auf den Briefen der Schornsteinfeger ist ein Logo abgebildet, das diese Aufgaben am besten zusammenfasst: der farblich viergeteilte Besen symbolisiert die Arbeitsbereiche Brandschutz (rot), Sicherheit (gelb), Umweltschutz (blau) und Beratung (grün). „Gerade das beratende Gespräch gehört heute viel stärker zum Arbeitsalltag als einst. Kommunikationsfähigkeit und ein freundlicher, geduldiger Umgang mit Menschen sind sehr wichtig.“ , so Lars Böhrenz. Auch ein wichtiger Aspekt: während sich das Kehren selbst in den Jahren kaum verändert hat, sind die Messverfahren immer moderner geworden. Kenntnisse in Mathe, Physik, Chemie und Computertechnik sind gefragt.

Glücksbringer werden
„Der Schornsteinfegerberuf ist anspruchsvoll und abwechslungsreich. Dennoch fehlt uns der berufliche Nachwuchs“, sagt Lars Böhrenz. „Daher informieren wir auf allen Messen über unseren Beruf. Auch auf der bevorstehenden IMPULS-Messe ist unser Berufsbildungswart der Innung vertreten und beantwortet gern alle Fragen“.
Übrigens: Der Beruf ist unbedingt auch eine Option für Mädchen. Der beste Nachwuchs-Schornsteinfeger im Jahr 2017 war eine Schornsteinfegerin!
Im Schornsteinfegerhandwerk herrscht Vollbeschäftigung. Aufgrund der sehr guten Auftragslage wollen die Innungsbetriebe künftig weiter einstellen. Im Schnitt verfügt jeder der 7500 Innungsbetriebe über mindestens einen Mitarbeiter, in der Regel einen Gesellen sowie über eine Bürokraft.
Dass der Beruf des Schornsteinfegers von enormer Wichtigkeit ist beweisen schon allein die aktuellen Angaben vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks: insgesamt wurden bei der täglichen Arbeit sowie im Rahmen der Feuerstättenschau und bei baulichen Abnahmen im Jahr 2017 insgesamt über eine Million bauliche Mängel (ohne CO-Überschreitungen) aufgedeckt. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Fehlern bei der Installation bis hin zu unbemerkten technischen Defekten.
So gesehen sind die Schornsteinfeger also nach wie vor echte Glücksbringer.

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