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Dem deutschen Modell fehlt Lobby in Europa - Märkischer Bote
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Ulrich Lepsch: Dem deutschen Modell fehlt Lobby in Europa

3. Juli 2015 | Von | Kategorie: Region |

Ulrich Lepsch: Dem deutschen Modell fehlt Lobby in Europa

Ulrich Lepsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Spree-Neiße, ist seit 1995 bekennender Lausitzer mit schwäbischem Hintergrund. Zunächst in Dippoldiswalde und dann in Cottbus gestaltete er den wirtschaftlichen Um- und Aufbruch der Regionen maßgeblich mit. Heute sagt er: „Unsere Sparkasse versteht sich als solides Instrument regionaler Wirtschaftspolitik.“ Fotos: Hnr.

Als die Bankwelt in Scherben ging, hatte hier kein Kunde Verluste / Ulrich Lepsch über Geld und gute Chancen in der Lausitz:
Region. Es war der zweite große Schritt zur deutschen Einheit: Zwischen Mauerfall am 9. November 1989 und Wiedervereinigung ein knappes Jahr später lag der Tag der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Juli 1990. Ulrich Lepsch, heute Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Spree-Neiße, ging aus Schwaben ins erzgebirgische Dippoldiswalde. Jürgen Heinrich, zu gleicher Zeit hier in Cottbus Verlagsgründer und Firmenkunde der Cottbuser Stadt- und Kreissparkasse, sprach mit ihm.
Wie haben Sie jenen Sonntag und die folgende Zeit in Erinnerung?
U. LEPSCH: Aus heutiger Sicht unglaublich. Jeder hat drei Aufgaben übernommen. Wir haben sieben Tage die Woche 24 Stunden kein „Aus“ gekannt. Ich bin in zwei Jahren zehn Jahre gealtert, aber unser Wissen hat sich pro Jahr um drei bis fünf Jahre vermehrt.
Soweit das Gefühlte. Und die Fakten? Haben Leute die Geldschalter gestürmt?
Das auch, aber darauf waren die Sparkassen vorbereitet. Unser Problem war die moderne Ausstattung der Sparkassen mit einem uns fremden EDV-System. Die Institute hier waren schon gut vernetzt. Jeder Cottbuser konnte in Rostock oder anderswo seinen Kontoauszug haben. Das gab’s im Westen nicht. Aber um ab 1991 in ein neues System zu wechseln, mussten wir erst mal die Daten-Stapel-Erfahrung machen. Währungsumstellung hieß also, Papierberge bewältigen. Wir haben, weil wir die Konkurrenz der auftauchenden Großbanken im Nacken hatten, in Dippoldiswalde den ersten „Sparkassenbrief“ aus Rottweil selbst als Kopie hergestellt und ausgegeben.
Jetzt wurden also aus Spar-Kunden aktive Bank-Kunden, oder?
Die Leute hier hatten ihre Giro-Konten oder die Sparbücher mit  dreieinviertel Prozent Zinsen. Jetzt aber belebte sich das Firmenkunden-Geschäft. Es ging mit uns zurück zur Normalität, zur Stärke des Mittelstandes. Deutschland ist seit 200 Jahren ein Mittelstandsland. Unsere Besonderheit ist die Kleinteiligkeit der Wirtschaft. Wo die stirbt, wie in Italien oder Spanien, sind die Folgen katastrophal. Großbanken lenken dann, wie heute im angelsächsischen Raum, direkt die Politik. Die Folgen haben wir schon erlebt.
…mit Manne Krugs Empfehlung für Telekom-Aktien.
Zum Beispiel. Die deutsche Kanzlerin muss in der EU nachdrücklicher für deutsche Interessen eintreten. Die Niedrig-Zinspolitik und Regulierungsdruck der Zentralbank lähmen die deutsche Wirtschaft. Wir brauchen eine Lobby für unser bewährtes Mittelstands-Modell.
Haben Sparkassenkunden in der Bankenkrise Schaden genommen?
Nein. Wir empfehlen keine wild gehandelten Risiko-Produkte. Wir setzen auf den persönlichen Finanzplan, auf sicher, stabil, solide. Das erfordert fundierte Beratung, zahlt sich aber immer aus. Auch ohne Zinsen?
In niedrigem Zinsbereich. Die Zinspolitik geht einen kritischen Weg, der die Sparkassen belastet. Bedauerlich ist, dass selbst ein Bundesbank-Vorstand zu Geschäftsstellen-Schließungen rät. Unglaublich! Die Entwicklung der Niedrigzinsen sehen wir schon lange. Wir sparen nicht an Kosten, sondern gehen mit dem Ergebnis zurück. Wir passen beispielsweise unser SB-Netz den Kundenströmen an. Aber wir investieren auch. Aktuell modernisieren wir 20 Filialen.
Ergebnis-Rückgang wird Ihre Träger nicht freuen.
Beiden Trägern – Stadt und Spree-Neiße-Kreis – ist klar, dass die Bank kein Ersatz für Landesfinanzierung sein kann. Sie ist ein solides Instrument der Wirtschaftspolitik. Wie es unsere Aufgabe bleibt, begleiten wir Unternehmer und unterstützen Projekte, die dieser Region helfen, wie etwa den Radsport, das Turnen, die touristischen und kulturellen Großvorhaben. Und wir handhaben ein unkompliziertes Sponsoring mit viel Vertrauen in die Vereinsvorstände.
Brandenburgs Politik strebt die Gebietsreform an. Kreise werden fusioniert. Wird Ihr Prinzip Nähe damit gestört?
Ganz sicher nicht. Wir haben vor Jahren vier Sparkassen unter fünf  Trägern zur Sparkasse Cottbus/Spree-Neiße fusioniert. Bis heute werden 98 Prozent aller Entscheidungen bei uns dezentral getroffen, also dort, wo unsere Kunden ihre Sparkasse finden. Wo persönliche Beratung Sinn macht. In Spremberg, Forst, Guben oder eben Cottbus.
Sie rechnen also mit einer Fusion etwa mit OSL?
Das lässt sich heute nicht sagen. In Mecklenburg-Vorpommern sind Kreisgrenzen verändert, aber Sparkassenstrukturen beibehalten worden. Vieles ist denkbar, wichtig bleibt die Kundennähe.
Ein Blick nach vorn: Sie stimmen dem Satz „Lausitz lohnt sich.“ zu. Mit welchem Hintergrund?
Weil es für wirtschaftliche Anfänge nie zu spät ist. Brandenburg hat viel verpasst in den 1990er-Jahren, und auch jetzt ist Cottbus für Investoren nicht gut genug aufgestellt. Aber wir Schwaben haben uns einst auch gewundert, als nebenan im Agrarland Bayern plötzlich in der Nähe von München BMW auftauchte. Dann ging die Post ab. Wir, hier unweit von Dresden und Berlin, haben keine schlechte Lage.
Danke für das Gespräch.  




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