Wundexperte Jens Albinus berät

Wenn Wunden nicht heilen wollen.
Wundexperte Jens Albinus über chronische Wunden, Durchblutungsstörungen und moderne Behandlungsmöglichkeiten.

Wundexperte Jens Albinus berät
Im Interview Jens Albinus vom spezialisierten Wundzentrum albinus GmbH Foto: priva

Region (MB). Wenn eine Wunde über Wochen nicht heilt, steckt oft mehr dahinter. Jens Albinus, Wundexperte und Pflegeexperte für chronische und schwer heilende Wunden ICW® vom Wundzentrum albinus, erklärt, welche Ursachen dahinterstecken können und worauf Betroffene achten sollten.

Herr Albinus, was genau macht das Wundzentrum albinus?
Wir sind auf die Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden spezialisiert und betreuen unsere Patienten in ihrer häuslichen Umgebung. Unser Ziel ist es, Menschen mit langanhaltenden, nicht heilenden Wunden eine professionelle, strukturierte und individuell abgestimmte Therapie zu ermöglichen.

Wie beginnt eine solche Behandlung?
Am Anfang steht ein ausführlicher Hausbesuch durch einen erfahrenen Mitarbeiter. Dabei nehmen wir die Wunde genau unter die Lupe, betrachten aber auch mögliche Ursachen. Ergänzend können verschiedene diagnostische Maßnahmen eingesetzt werden. Wichtig ist, die gesamte Situation des Patienten zu verstehen und nicht nur die Wunde isoliert zu betrachten.

Warum ist dieser ganzheitliche Blick so wichtig?
Eine chronische Wunde ist häufig ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Wenn beispielsweise eine Durchblutungsstörung vorliegt, reicht es nicht aus, die Wunde regelmäßig zu verbinden. Dann muss auch die Ursache untersucht und behandelt werden.

Eine mögliche Ursache ist die sogenannte Schaufensterkrankheit. Was verbirgt sich dahinter?
Damit ist umgangssprachlich meist die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz pAVK, gemeint. Durch Ablagerungen können sich die Arterien verengen. Die Beine und Füße werden dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Typisch sind Schmerzen beim Gehen, die nach einer Pause wieder nachlassen. Deshalb bleiben Betroffene beispielsweise beim Einkaufsbummel immer wieder vor einem Schaufenster stehen.

Welche Warnzeichen sollten ernst genommen werden?
Neben belastungsabhängigen Beinschmerzen kann eine zunehmend kürzere Gehstrecke ein Hinweis sein. Auch kalte, blasse oder bläulich verfärbte Füße sollten abgeklärt werden. Bei einer fortgeschrittenen Durchblutungsstörung können Schmerzen sogar in Ruhe, insbesondere nachts oder im Liegen, auftreten. Ein weiteres wichtiges Warnzeichen sind schlecht heilende Wunden an Zehen, Füßen oder Unterschenkeln.

Wie kann aus einer kleinen Verletzung eine chronische Wunde entstehen?
Wenn das Gewebe dauerhaft zu wenig Sauerstoff erhält, können bereits kleine Verletzungen oder Druckstellen problematisch werden. Eine Wunde heilt dann deutlich schlechter. Bei einer arteriell bedingten Wunde, einem sogenannten Ulcus cruris arteriosum, liegt die eigentliche Ursache häufig in der mangelnden Durchblutung. Deshalb sollte nicht nur die Wunde versorgt, sondern auch die Gefäßerkrankung untersucht werden.

Was passiert nach der ersten Untersuchung im Wundzentrum?
Auf Grundlage der Bestandsanalyse stimmen wir uns eng mit dem behandelnden Arzt ab. Gemeinsam wird ein individueller Therapieplan für die kommenden vier Wochen erstellt. Anschließend beginnt die eigentliche Wundtherapie, die durch speziell geschulte Wundexperten durchgeführt wird.

Wie lange dauert es, bis eine chronische Wunde verheilt ist?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Der Heilungsverlauf hängt unter anderem von der Grunderkrankung, der Durchblutung, der Mobilität und der konsequenten Umsetzung der Therapie ab. Deshalb ist eine individuelle Betrachtung jedes Patienten so wichtig.

Sie verfügen über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Wundversorgung. Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Eine chronische Wunde bedeutet für viele Betroffene eine erhebliche körperliche und auch seelische Belastung. Deshalb geht es uns nicht nur um eine fachgerechte Versorgung, sondern auch darum, Sicherheit zu geben und gemeinsam mit dem Patienten einen nachvollziehbaren Behandlungsweg zu entwickeln.

Was sollten Menschen tun, wenn eine Wunde über längere Zeit nicht heilt?
Eine chronische oder zunehmend schlechter werdende Wunde sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Es gibt verschiedene mögliche Ursachen, beispielsweise arterielle oder venöse Erkrankungen oder Diabetes. Besonders bei starken Schmerzen, einem kalten oder blassen Bein, Taubheitsgefühlen oder einer schnellen Verschlechterung ist eine umgehende medizinische Abklärung notwendig.

Können sich Betroffene oder Angehörige direkt an das Wundzentrum wenden?
Ja. Interessierte Patienten und Angehörige können ein kostenloses Erstgespräch vereinbaren und sich unverbindlich über unsere Leistungen und die Möglichkeiten einer spezialisierten Wundversorgung informieren.

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