Staatstheater Cottbus: Action Film statt Provinztheater

Im Staatstheater: The Making-Of. Szenenfoto mit: Josefine Keller (Gordon); Lasse Klene (Schakal), Jule Hermann (das Mädchen Gloria) und Leo Brucklacher (Fledermausmann)
The Making-Of. Szenenfoto mit: (vorn) Josefine Keller (Gordon); (hinten v.l.n.r.) Lasse Klene (Schakal), Jule Hermann (das Mädchen Gloria) und Leo Brucklacher (Fledermausmann). Foto: © Bernd Schönberger

Cottbus. Überwiegend junges Publikum, viele rücken gutgelaunt und mit üppigen Blumensträußen an. Es gibt, soviel ist vorab schon klar, etwas zu feiern. Einen Premierenerfolg in mehrfacher Hinsicht: Zum einen des Stückes selbst, dann der erste Versuch der Filmstudenten auf dem Theater und dann die erste Zusammenarbeit des Cottbuser Staatstheaters mit der Babelsberger Filmuniversität „Konrad Wolf“.

Das Sujet haben sie aus ihrem Studienprogramm mitgebracht. In der Kammerbühne wird gefilmt mit allerlei Turbulenzen am Set. Geschrieben hat das Stück die vor allem am Maxim-Gorki-Theater erfolgreiche deutsche Autorin Nora Abdel-Maksoud, die gern mit deftiger Sprache und grenzwertigen Bildern unterwegs ist, was dem lärmigen, leicht verwirrten Quartett sehr zupasse kommt. Regisseur Florian Hertweck, seit 2007 Professor für Bühnenschauspiel an der Filmuni Babelsberg, lässt sie schreien, über kahle Klippen (Bühne: Lena Hölzl, Santiago Mancera Hinestroza) toben und filmtypische Prügeleien austragen (was wohl ein studentisches Hauptfach zu sein scheint und von den Jungs perfekt beherrscht wird), und wenn es mit der Leckerei allzu intensiv hergehen soll – wir sind schließlich im Action Film, muss das Mädchen die Beine im Schattenriss spreizen.

Das Spiel tobt also daher, vom kollegialen Publikum lautstark getragen, und profitiert von typgerechter Besetzung der Rollen des Mädchens (Jule Hermann), des Schakals (Lasse Klene) und des technisch tiefstimmigen Kastraten und Fledermausmanns (Leo Bruchlacher). Josefine Keller hat es als knabenhaftes Mädchen schwer, den coolen Regisseur Gorden zu geben, schreit sich aber mit Megaphon zu Respekt und singt schließlich überzeugend vom Frust auf der Bühne eines Provoinztheaters und aller Traum vom globalen Blockbuster. Ja, es ist der branchenübergeifende Traum junger Leute von dem ganz anderen großen Leben und den spielen die Making-Of’er wirklich hingebungsvoll. Mal sehen, wie’s das heimische Publikum aufnimmt: am 12. und 20.3., am 9.4. und dann noch am Sonntag, dem 3. Mai. J. Heinrich

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