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An sonniger Atlantikküste immer südwärts

Feuilleton | Von | 15. März 2024

Im königlichen Marokko zurück zu Steinkreisen und ins römische Mauretanien.

Die Reisezeit beginnt. Für einige Wochen heißt das Motto: Wohnen auf Rädern. An den Fenstern fliegt die Landschaft vorbei, oft genug ist Anlass anzuhalten und Dinge näher zu betrachten. Der Weg führt südwestwärts durch europäische Kulturlandschaft, dann bei Gibraltar übers Meer nach Afrika, wo das Traumland Marokko mit den rostbraunen Wüsten und schneebedeckten Atlasgipfeln, lehmrauen Kashbas, grellen Basaren und den Märchen der Palastgärten lockt. Petra und Jürgen Heinrich erzählen. (II)

Quer durch Deutschland, ein Stück Schweiz und bis in Frankreichs Süden sind wir gerollt. Weiter geht’s:
Nach Afrika

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Unser Königsterrier Hamzah am Portal der Kashba der Udayas, dem Palast, der anstelle der ersten Zitadelle von Ribat, heute die Königsstadt Rabat, errichtet wurde.

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Wer Tanger kennt und noch etwas Zeit für die Medina, die charismatische Altstadt, hat, nimmt seinen Tee im Restaurant „Tingis“ – aus grüner Pfefferminze mit weißen Blüten

Wir folgen der hier schon erstaunlich breiten Rhône, kommen nach Nîmes und Montpellier, überqueren die Pyrenäen, um Richtung Barcelona ins Spanische zu gelangen. Da liegt die Stadt Figueres. Salvador Dali (1904 -’89), der Surrealist und leicht perverse Selbstdarsteller, ist hier geboren und auch gestorben, war weltweit präsent und hat sein ausgebranntes Heimattheater in ein bemerkenswertes Selbst-Museum verwandelt. Toll!
Nach der Costa Brava mit viel Ferienbau-Peinlichkeit sehen wir uns in Tarragona die römische Arena am Strand an.
Ein einst blutiger Ort. Wilde Tiere und Gladiatoren schlugen sich darin, drei frühe Christen wurden im Showprogramm hingerichtet. Später bauten fromme Leute für die Märtyrer eine Kapelle direkt ins Kampfrund, einige hundert Jahre danach wurde die zur Basilika erweitert. Alles blieb nur ruinös bewahrt, ist aber UNESCO-Welterbe. Lehrer können ihren Schülern hier viel erzählen.
Wir passieren Valencia und Murcia, den Obstgarten Europas. Eigentlich prasseldürre, profitiert die Gegend bis heute von einem maurischen Bewässerungssystem. Uns lachen Citrusfrüchte an, auch Artischocken und anderes Edelgemüse. Hinauf geht’s zu den Höhlenwohnungen von Guadix. Tausende Menschen wohnen komfortabel im Lössgestein. Wir geraten bei 1 300 Meter Höhe in Schneesturm, erreichen glücklich Granada und freuen uns nach Malaga an der Costa del Sol – endlich Sonne. Gleich ist Algeciras erreicht, der Fährhafen. Nach 3.148 Kilometern von daheim ohne jeden Stau. Jetzt warten wir hier acht Stunden! Tanger entschädigt am nächsten Morgen. Der Zoll, ziemlich scharf hier, lässt uns nach kurzer Schnüffelei der Drogenhunde passieren. Hurra Afrika! Tanger Med ist ein neuer Fähr- und Container-Hafen. Die Straße schlängelt sich 50 Kilometer bis zur Stadt, deren Medina (Altstadt) auf gewaltigen Wehrmauern ruht. Unterhalb von ihnen grünt eine prächtige, pieksaubere Parklandschaft. Natürlich machen wir’s wie die Beatles zu ihren besten Zeiten und fahren durch feine Viertel zum Kap Spartel,dem nordwestlichsten Punkt Afrikas, wo sich Mittelmeer und Atlantik vermählen. Welch große Szene der Weltmeere! Wir nehmen uns jetzt Zeit für Details. Hier herrscht ruhige Vorsaison, alle Menschen begegnen uns entspannt und freundlich, manchmal auch verwundert, weil uns ein monolithischer Steinkreis, vollkommen rund seit 5000 Jahren erhalten, interessiert. Drinnen im sattesten Grün hat grad ein Schaf gelammt – Drillinge. Der junge Bauer nimmt zwei mit, für die sich auch Hamzah interessiert hatte. Vielleicht Osterbraten. Und wieder finden wir Römisches. Lixus hier am Atlantik hatten schon die Phönizier gegründet, die Römer „produzierten“ hier dann Garum, eine salzige Fischsoße, und machten die älteste Stadt Marokkos damit reich. Eine Art Bino- oder Maggi-Vorgeschichte. Die steinernen „Industrie“-Anlagen sind noch zu besichtigen. Aber es gab hier auch prächtige Villen mit edlen Mosaiken. Dann fahren wir durch derart zugemüllte Orte, dass in deren Wäldchen kein Zentimeter Boden zu sehen ist.
Welcher Kontrast zu Rabat, der königlichen Hauptstadt, in der hunderte Menschen die Wege und Straßen kehren und den Rasen zupfen!
Wir nehmen uns nun Zeit für Kuchen und Tee im Andalusischen Garten. Unsere Folge III beginnt in Rabat.

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Wer eine senkrechte Treppe in einem ziemlich neuen Aussichtsturm auf Kap Spartel erklettert, hat am nordwestlichsten Punkt Afrikas den Zusammenfluss von Mittelmeer (r.) und Atlantischem Ozean vor sich.

 



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