
Anmerkung zur Berg-Büchner-Oper „Wozzeck“ in Handschrift von Evan Christ und Christiane Lutz.
Cottbus. Mit der Oper „Wozzeck“ des Wieners Alban Berg (1885-1935) verabschiedete sich das Musiktheater in die Ferien. Wir sahen die letzte Aufführung zwei Wochen nach der Premiere (die war am 24. Juni) vor einem relativ jungen, hochbegeisterten Publikum, das mit kräftigen Bravi nicht sparte.
Büchners Drama nach einer wahren Geschichte (ein eifersüchtiger Mörder wurde 1824 vorm Leipziger Rathaus hingerichtet) war für das jetzt mittlere Alter Schulstoff, Bergs Meisterwerk des musikalischen Expressionismus stößt in solchen Kreisen auf Begeisterung. Wenn – ja wenn! – das Stück perfekt aufgeführt werden kann. Das gelingt, weil es außerordentlich schwer zu singen ist, nur selten. Hier in Cottbus aber erblüht es zu vollem Glanze. Die kurzen Szenen sind in eine Art aufrecht rollenden Raum gestellt (Ausstattung Natascha Maraval), die Handlung folgt, wie konstruktiv verkettet, der Musik, die mit ihren Zwischenspielen die Gefühle des Publikums wundersam geleitet. GMD Evan Christ dirigiert ein in allen Bereichen überzeugendes Orchester.
Das übelste auffindbare Schimpfwort schmettert Hauptmann Dirk Kleinke (ein selbstbewusster Tenor buffo) seinem unmoralischen Adjutanten entgegen: Hundsfott! Und noch einmal mit spitzem Mund: Hundsfott!
Diesen Schlimmen gibt mit gespielt zunehmender Unsicherheit ein souveräner Andreas Jäpel, der hier seinen Charakterbariton gemächlich laufen lassen kann. Nein, er ist ein guter Mann und tut alles langsam. Nur nicht so gehetzt, wird er ermahnt, und ist doch längst manipuliert zum Untergang. Männlich protzend steht ihm heldentenorisch Jens Klaus Wilde entgegen, und quasi beider Opfer wird am Ende Marie, von Gesine Forberger in reinem dramatischen Sopran einfühlend gesungen. Die Bibelgeschichte der Ehebrecherin Magdalena hilft ihr nicht. Neben dem Hauptmann genügt ein ruhmsüchtiger Doktor (Ulrich Schneider), die kalten Verhältnisse zu umreißen, denen der Schwache erliegt. Das gesamte Ensemble, einschließlich Chor (Christian Möbius) leistet Präzision in diesem so dichten, klanglich etwas fremden und doch hinreißenden Werk. J. Heinrich







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