
Seit unserer Visite bei den Mormonen in Salt Lake City, Utah, haben wir einige tausend Kilometer Prärie und Felsenschluchten durchfahren, zuletzt Mesa Verde, einziger archäologischer Nationalpark der USA mit Indianerhäusern.
Lange sind wir dem Colorado gefolgt. Jetzt treffen wir an der Grenze zwischen Utah im Norden und Arizona im Süden die Indianer im Navajo Nation Reservat, dem größten in den USA. Kahle Weiten lockern nur gelegentlich Indianersiedlungen und deren gleichmäßig auf und ab schwenkende Ölpumpen auf. 1879 siedelten hier in freundlicher Nachbarschaft zu den Indianern 250 Kolonisten. Die Station San Juan der Mormonen erinnert daran. Wir erfrischen uns hier.
Bald bauen sich am Horizont rötlich, noch leicht vom Dunst des Morgens umhüllt, die Fels-Monumente auf. Wir stoppen genau dort, wo der großartige Tom Hanks als „Forrest Gump“ (Oscar-bepreister Film, 1994) nach 3 Jahren, 2 Monaten, 14 Tagen, 16 Stunden und 15 248 Meilen gesagt hat: Ich lauf’ nicht mehr! Wieder ein Naturwunder, dieses Monument Valley. Hunderte Meter hoch wachsen malerisch und mächtig Felsen in den Himmel. Jeder kennt sie von der Marlboro-Werbung, und tatsächlich reitet da immer dieser fiktive Zigaretten-Cowboy durch die Gegend. Touris sind begeistert, klettern auch mal für ein Handy-Foto aufs Pferd
Wir aber haben unseren eigenen „Cowboy“ – Mike, den Deutsch-Kanadier, der seit 30 Jahren hier im Westen lebt. Er kennt alles, auch die Navajos. Nur ihre Sprache nicht. Die kennt niemand. Sie gilt als die komplizierteste der Welt. Der „Navajo-Code“ wurde im II. Weltkrieg zum Mythos. Damit die Japaner ihre Funksprüche nicht knacken konnte, hat die US-Army Navajos als Funker eingesetzt. Mit Erfolg. Danach wuchsen die Indianer im Ansehen, wurden endlich vollberechtigte US- Bürger und haben heute stattliches Eigentum. Mike sagt: „Sie haben es aufgegeben, ihr Kanu gegen den Strom zu paddeln, und können klug verhandeln.“ An der Spitze ihres Stammesrats steht der Chairman. Aber wenn es um die Nutzung ihrer Bodenschätze geht, um Öl, Gas oder Uran, ziehen die Ackerbauern gegenüber der Industrie doch den Kürzeren. Der Rat zerbricht immer wieder durch Bestechungs-Skandale. Hier im Valley aber haben die Navajo-Familien das Sagen und zeigen gern ihr Zauberreich zwischen den Felsen. Der Indianer unter geschwungener Cowboy-Krempe führt uns an einen mystischen Ort, den Big Hogan, eine domartige Höhlung im Felsen, im Dach ein kreisrundes Loch. Er drückt uns sanft an die etwa 45 Grad schräg ansteigende Wand und fordert uns auf, die Augen zu schließen. Wir blinzeln noch, als er in dumpfem Ton seinen schleppenden Gesang beginnt. Es ist ein wehmutsvoll-hallendes Rufen und Bitten mit stetigen Wiederholungen. Wir fühlen uns auf dem warmen Stein geborgen. Der Indianer singt vom Fortgehen, vom Hoffen und Heimkehren, vom Eintauchen in das stille, schöne Land.
Nichts stört die Ruhe unter hohem Himmel. Auch die wenigen Kühe unter hohen Bäumen wenden uns stumm die Köpfe zu.
Im Gegensatz zu den nomadisierenden Apachen waren die Navajo immer Siedler. In einer Hütte ahnen wir ihre Lebensart.








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