
Unser Ausgangspunkt war Salt Lake City, Hauptstadt der Mormonen und des Bundesstaates Utah. Nach einem Abstecher in den hohen Norden sind wir nun südlich von Salt Lake City unterwegs.
Wo sich der Colorado von Osten und der Green River von Westen durch tief zerklüftete Hochebenen schlängeln, zwingt uns ein schroffer Abgrund zum Halt. Ein schier endloser Fernblick vom Grand View Point streift das Felsmassiv mit dem Namen Isle of the Sky; es gilt als der am weitesten von jeglicher Zivilisation entfernte Ort in den USA. Mag sein – wir brauchten Stunden, um ihn von hier zu Gesicht zu bekommen.
Das wilde Land zieht sich in dieser Weise, dem Colorado folgend, bis zum spektakulären Grand Canyon hin. Auf dem Wege zu ihm erwarten uns noch manche Überraschungen. Das sind einzigartige Sandsteinbogen im Arches Nationalpark, Dinosaurier-Knochen in großer Zahl aus Felsabbrüchen und schließlich die teils 2000 Jahre alten Felszeichnungen, die Erich von Däniken als Kommunikation mit Außerirdischen interpretierte.

Tatsächlich aber sind es Nachrichten, die sich Indianerstämme der Peueblo-Kulturen untereinander zukommen ließen. Wir werden die Produkte ihrer Architekten und Baumeister sogleich zu Gesicht bekommen. Wer ein Karl-May-geprägtes Indianerbild hat, darf dabei bleiben. So schlecht hat der Sachse das Leben der Rothäute, die er nie sah, nicht beschrieben. Aber von den Häusern der Anasazi wusste er nichts, obwohl die schon gefunden waren, als Anfang der 1890er Jahre „Old Shatterhand“ geschrieben wurde. Auch die europäischen Einwanderer trafen nicht auf die indianischen Baukünstler, denn die waren nach etwa 700 Jahren um 1300 spurlos aus der Gegend der Mesa Verde (Grüne Tafelberge) verschwunden. Wir staunten fast so, wie wahrscheinlich die beiden Cowboys, die auf der Suche nach entlaufenen Rindern 1888 zuerst diese Bauten sahen: Wohnhäuser und Türme unter großen Felsüberhängen. Es gibt hunderte davon. „Cliff Palace“ mit 150 Räumen und 23 Kivas ist die größte und best erhaltene Anlage.
Die Anasazi bauten zunächst im Flachland Erdhäuser, ganz ähnlich wie sie von den frühen Slawen in Dissen gezeigt werden – halb unter-, halb überirdisch.Um 500 hat das hier begonnen. Die Indianer wurden sesshaft, töpferten geradezu genial, wobei sie den Ton über kürbisartige Früchte formten. Viele Gefäße, teils mit Mais gefüllt, blieben erhalten und werden in Museen bestaunt.
Etwa um 1150 gingen die Anasazi in die Berge, bauten aus Holz und Stein mehrgeschossig. Die tiefliegenden Gemeinschaftsräume (Kiva) mit Einstieg durchs Dach behielten sie bei. Sie bauten Mais und Bohnen an, hielten Hunde und Puten, gingen jagen. Es heißt, sie waren auch Kannibalen. Die Forschung streitet da noch. Um 1300 gab es die Anasazi hier nicht mehr. Eine jahrzehntelange Dürre und der eigene Raubbau an Holz hat sie vertrieben.

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