IBA Fürst Pückler Land: Kohle-Drachen ist gezähmt

F60
Den Giganten erklimmt man mit Würde und leichter Steigung. Die Vorrichtungen für riesige Förderbänder begleiten diese Wanderung – hin und zurück mehr als einen Kilometer lang.

Der Eiffelturm der Lausitz entkam knapp den Schrottpressen des Aufschwungs, die im Lausitzer Braunkohlerevier für tausende Beschäftigte eher etwas von Vernichtung hatten. Allein 19 Arbeitskräfte waren auf der F60 im Dreischichtbetrieb damit beschäftigt, den Kohle-Drachen zu bewegen, zu bändigen, ihn zum Kohlespucken zu bringen. Knapp 2 Millionen Mark sollte die Verschrottung des Riesen kosten, erzählt Prof. Rolf Kuhn, IBA-Vorkämpfer, nur eine Million hätte der Schrott wieder reingebracht. Nun hat das Land 9 Millionen Mark investiert, um der Lausitz ein Wahrzeichen zu geben, das wie ein gezähmter Drache in der Landschaft liegt. Symbol einer neuen Zeit. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bergheider See
Der Bergheider See soll sich zu Füßen der F60 als Wassersport- und Freizeitgebiet erstrecken. Unmittelbar unterhalb der F60 ist das Hafenbecken geplant. Als Licht-Ton-Skulptur steht der Gigant in dieser Zukunftslandschaft.
Fotos: Gabi Grube

Zur Eröffnung am vergangenen Samstag hingen dichte Gewitterwolken über Lichterfeld, eine bedrohliche Szene, in deren Folge der höchste Repräsentant Deutschlands, Bundespräsident Johannes Rau, der Feierlichkeit fern bleiben musste. Sein Hubschrauber macht die Wetterunbilden nicht mit. Ohne Furcht allerdings bekletterten die Lausitzer ihren Drachen. 502 Meter sind es bis zur Spitze des Giganten. Von oben bietet sich ein Bild über die diesige Mai-Landschaft, die Konturen des Bergheider Sees zeichnen sich nur schemenhaft ab, der jetzt noch kleine Restlochsee wird seine Fläche in den nächsten fünf Jahren verzehnfachen. Die Schwarze Elster gibt das Wasser dafür.

 

 

 

 

Technik
Technik, die bewegt …
… 75 Kubikmeter Abraum
Baujahr: 1989-1991
Inbetriebnahme: September 1991
Stilllegung: Juni 1992
Gesamtlänge: 502 Meter
Breite: 14 – 204 Meter
Höhe: bis 80 Meter
Gewicht: 11.000 Tonnen
Anschlussleistung: 27.000 Kilowatt
Abtragshöhe: 60 Meter

Die Gemeinde Lichterfeld und der Förderverein Besucherbergwerk setzen sich dafür ein, daß die F60 als letzter Zeuge meisterhafter Bergbautechnik des 20. Jahrhunderts für künftige Generationen erlebbar bleibt. Neben der Slawenburg in Raddusch, dem Künstlerort Pritzen und Sinnlich Drehna in Fürstlich Drehna nimmt nun auch diese Zukunftsvision der Internationalen Bauausstellung (IBA) Formen an.
Dienstags bis sonntags und feiertags zwischen 10 und 18 Uhr (im Winter bis 16 Uhr) wird im Abstand von 20 Minuten eine Führung auf der F60 angeboten. Der Eintritt beträgt 6 bzw. 3 Euro. G.G.

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