Lieberose: Der Körper in der Erde, der Geist in den Sternen

Deutsch-wendischer Gottesdienst und Geschichts-Ausstellung zu 500 Jahren von der Schulenburg

Der neue Pfarrer von Lieberose, Wolfgang Krautmacher (l), und der sorbische Pfarrer i.R. Cyrill Pjech aus Berlin-Marzahn hielten gemeinsam den Gottesdienst in deutscher und wendischer Sprache in der Landkirche Lieberos ab Foto: J. Heinrich

Lieberose (h.) Im Landstädtchen im Norden der zweisprachigen Niederlausitz wird in diesem Jahr der 500jährigen Standesherrschaft der Familie von der Schulenburg  gedacht, die 1519 begann und mit dem Kriegsende abbrach. Die Schulenburgs haben die Region geprägt, und mit dem mächtigen Schloss und zwei Kirchen, deren Bauherren sie waren, sind ihre Spuren allgegenwärtig. Das kommt auch in einer bemerkenswerten Freiluft-Ausstellung unmittelbar an der Stadtkirchen-Ruine zum Ausdruck, deren Schwerpunkt allerdings das Entstehen und Vergehen slawischer Kultur und Lebensweise ist. Der lokale Historiker Dr. Andreas Weigelt hat diese  Dokumentation in Bildern, Karten, Grafiken und gründlichen Texten kuratiert, Momo Kohlschmidt aus dem nahen Speicherow gab ihr die ansprechende und übersichtliche Gestalt. Mehr als 20 Tafeln kommen dem Lieberoser Lebensgefühl sehr nahe. Den etwas weit ausgreifenden Ausstellungstitel „Der Körper wohnt in der Erde, der Geist in den Sternen“ haben die Veranstalter in lateinisch auf dem Schulenburgschen Grabmal gefunden und übersetzt.
Es trage den Geist der Reformation, heißt es, die Lieberose früh erreichte. Das Grabmal für den bedeutendsten von der Schulenburg, genannt Joachim der Reiche (1522-1594), dient aktuell in der Landkirche als Altar.
Hier kam es vor der Ausstellungseröffnung am vergangenen Sonntag zu einem wendisch-deutschen Gottesdienst, an dieser Stelle der erste seit mehr als 200 Jahren, wie Dr. Madlene Norberg vom Cottbuser WITAJ-Sprachzentrum recherchiert hatte. Nicht die Schulenburgs, die ihren Kindern selbst wendische Trachten anzogen, sondern die Lübbener Kirchenleitung hatte wendische Gottesdienste schon früh verboten.
Heute spricht niemand in Lieberose wendisch, aber es ist spannend, den slawischen Spuren dieses Alltags nachzugehen. Auch Pfarrer Pjech konnte das Wendische nur ablesen; seine Sprache ist Sorbisch. Die Ausstellung bleibt bis 30. April jederzeit zugänglich.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert