Reisen mit Fürst Pückler (16): Nilreise- Assuan und Abu Simbel

Nilreise
Der Fürst genoß die Nilreise sehr, besonders von den Nächten schwärmte er: “Ein glorreich leuchtender Himmel diente uns zur Decke, des Flusses geschmolznes Metall, vom Mond vergoldet, zum Teppich; das Nilufer bot dazu ohne Unterbrechung eine dichte Wand stets abwechselnder Bäume und süß duftender Sträucher, ein Bild der gesegnetsten Üppigkeit. Foto: Elke Meinhard.

“Edfu voraus, Edfu voraus,” rief der Matrose vom Bug der königlichen Kangsche, der ersten der beiden Nilbarken, mit denen der Fürst Pückler südwärts fuhr. Der Rais, der ägyptische Kapitän, begab sich in die Kajüte des Fürsten und erstattete Meldung. Pückler hatte gerade ein Schläfchen gemacht und mußte einen Moment überlegen. Seit Monaten war er unterwegs auf seiner großen Entdeckungstour den Nil aufwärts. Am 21. Februar 1837 hatte er Kairo verlassen, welche Wunder hatte er inzwischen nicht alle gesehen. Theben, Karnack, Luxor – nur Halbgötter konnten solche gigantischen Werke schaffen. Danach waren sie nur mühsam die 100 Kilometer vorangekommen, Windstille, die Barken lagen tagelang vor Anker. Dann die Myriaden von Fliegen, die Plage des Orient, und die Vorräte waren auch fast dahin, vor allem Zucker, Wein, Tabak und Tee wurden knapp. Nein, entschied Fürst Pückler, der Tempel von Edfu muß bis zur Rückreise warten, jetzt nur weiter, weiter, denn der Wind frischte auf. Auch den hoch interessanten Tempel von Kom Ombo mit seinem Krokodilsgott konnte er erst später besichtigen. Machbuba im Harem

Pylonen
“Endlich begann der Wind günstiger zu blasen, und wir fuhren daher ohne anzuhalten bei den imposanten Ruinenmassen von Edfu und später Kon Ombos vorbei.” Auf der Rückreise vier Monate später ließ Pückler halten. Auf der Höhe der Pylonen nahm er sein Frühstück ein.

Anfang April 1837 landete Fürst Pückler in Assuan. Als Kenner der Geschichte wußte er sofort die unterschiedlichen Bauphasen der Stadt einzuordnen: “Ein alter Palast am palmenbekränzten Ufer deutete auf die nahe Stadt. In der Tat erblickten wir nach wenigen Minuten die römischen Mauern mit dem Nilometer auf der Insel Elephantine, die grünumbuschten Häuser des neuen mohammedanischen Assuan und über ihm die Ruinen des alten, christliche Syene – drei Phasen der bewegten Geschichte dieses Landes.” In Assuan wurde unser Fürst vom Chef des Ortes namens Bali-Kascheff “höchst freundlich” aufgenommen. Das Nilometer, von dem schon der griechische Geograph Strabo berichtete, fand Pückler überaus interessant. Von der Höhe des Nilpegels konnte man die zukünftige Ernte ablesen, der Römer Plinius schrieb: “Bei 12 Ellen Hunger, bei 13 Ellen Genüge, bei 14 Ellen Freude, bei 15 Ellen Sicherheit und bei 16 Ellen Überfluß.” Der Fürst wollte seiner geliebten Sklavin Machbuba die Strapazen der Weiterreise nicht zumuten. Deshalb “vertraute ich sie bis zu meiner Rückkehr dem alten Kascheff an und überlieferte sie dem ersten Eunuchen des Harems,” und dann ein Bekenntnis seiner Gefühle zu Machbuba: “Der Abschied von dem liebenswürdigen Naturkind ward mir schwerer, als ich anfänglich glaubte.”

Philae
Philae, auch “Perle Ägyptens” genannt, nahm bei dem Bau eines ersten Staudammes 1899-1902 schweren Schaden. Die Tempel standen tief im Wasser. Mit dem Bau des Assuan-Hochdammes ab 1960 wäre die Insel verloren gewesen. Deshalb wurden die Denkmäler auf die Nachbarinsel Agilkia umgesetzt.

Der erste Katarakt

Für die Weiterfahrt mußten Pückler’s Barken den ersten der sechs Nilkatarakte überwinden. Das war je nach Wasserstand, Größe des Schiffes und der Ladung ein immer gewagtes Unternehmen. Mit viel Geschick und ebenso viel Geschrei wurden beide Schiffe von 300 Afrikanern glücklich durch die Klippen und Stromschnellen gezogen. Pückler war indes mit einer Karawane mit leichtem Gepäck weitergezogen. “Wir nahmen den Weg durch die berühmten Granitbrüche, welche das Material zu allen jenen Wundern Thebens wie den zahllosen Monumenten anderer ägyptischer Hauptstädte lieferten” Auch eine der heutigen Attraktionen bemerkte Pückler, den unvollendeten Obelisken. Die gewaltige, aus einem Block geschlagene Felsennadel ist über 40 Meter lang und wiegt etwa 1200Tonnen. Nach einer Stunde scharfen Ritts und Rast in einem nubischen Dorf erblickte Pückler ein nächstes Wunder: “Zwischen der abenteuerlichsten Felsenmasse ward plötzlich eine grüne, von Palmen überdachte Insel sichtbar, von einem Ende bis zum anderen mit einer ununterbrochenen Reihe der prachtvollsten Bauten bedeckt. Es war Philae – gewiß eines der lieblichsten Wunder im fabelhaften Reiche der Pharaonen, einer der Glanzpunkt Ägyptens.”

 

 

Abu Simbel
1960 bis 1971 wurde der Assuan-Hochdamm (Sadd al Ali) erbaut. Die in ihm gesetzten Hoffnungen erfüllten sich jedoch nicht und die ökologischen und ökonomischen Folgen sind sehr bedenklich. Die steigenden Fluten des Nasser-Stausees bedrohten zahlreiche Kunstwerke, nur die wertvollsten konnten gerettet werden. Besonders spektakulär war die Umsetzung der beiden Tempel von Abu Simbel. In Blöcken zerschnitten wurde sie unter der Schirmherrschaft der UNESCO auf ein höher gelegenes Plateau gebracht.
Foto: Margitta Lada

Abu Simbel

Fürst Pückler hatte wieder die große Nilbarke bestiegen. Unterwegs wurden ihm seltsame Waren angeboten: “Schilde, Spieße, Strohhüte, Kurbatsche aus dem Fell des Nilpferdes geschnitten und Geschlechtsteile des Krokodils, die ungemein stark nach Moschus riechen und stimulierende Eigenschaften besitzen sollen.” Am 10. April erreichte er die Tempel von Abu Simbel, damals noch Ypsambul genannt, 280 Kilometer von Assuan entfernt und erst 1813 entdeckt. Den großen Tempel ließ der Pharao Ramses II. errichten, er ist den beiden Hauptgöttern Ober- und Unterägyptens geweiht. Fürst Pückler war stark beeindruckt: “Die Wirkung der gegen siebzig Fuß hohen vier Kolossen an der Fassade des größten Tempels, die in majestätisch heiterer Ruhe, die Hände behaglich auf die Knie gelegt, dicht am Wasser sitzen und als treue Wächter hier schon dreitausend Jahre unverrückt harren, ergreift vielleicht noch gewaltiger als die Säulen- und Obeliskenwälder Thebens. Wenig in Theben kann die edle Form, die Vollendung der Arbeit, den erhabenen Ausdruck dieser Riesenstatuen übertreffen, welche alle vier, sich völlig gleich, des großen Ramses Heldenbild darstellen. Alles an und in diesem Tempel atmet tiefen Ernst und göttergleiche Ruhe.” Im Innern des Tempels beschrieb Pückler Kunstwerke, die heute noch Liebhaber entzückten. Der kleinere Tempel, der Liebesgöttin Hathor geweiht, wird von 12 Meter hohen Kolossalfiguren Ramses II. und seine Gemahlin Nefertiri geschützt: Doch weiter ging die Reise, bald war Quadi Haifa erreicht, hier am zweiten Katarakt mußten die Barken endgültig zurückbleiben. Bei Gelegenheit werden wir in dieser Serie Fürst Pückler wieder durch Ägypten begleiten. Die gekürzten Zitate stammen aus seinem Buch “Aus Mehemd Alis Reich” von 1844.
Siegfried Kohlschmidt

 

Ramsesfigur
Viele ägyptische Altertümer sind durch moderne Vandalen beschädigt, die ihre Unterschrift in die jahrtausendalten Denkmäler ritzten. Fürst Pückler hat diese Schandtaten immer angeklagt, um so verwunderlicher ist es, auch seinen Namenszug an verschiedenen Orten zu finden, so z.B. an der Ramsesfigur (an der zweiten von rechts) am großen Tempel von Abu Simbel.
Foto: Dr. Baumgertel

Weitere Beiträge aus unserer Region finden Sie hier!