Kommentar: Hier hört der Sport auf

So mancher, der Verantwortung trägt in den Vereinen der großen Lausitzer Sportfamilie, war entsetzt von den Abschweifungen, die dem Energie-Trainer in einer Pressekonferenz vor einem dann schwachen Spiel entglitten. Frustriert darüber, dass der Geldkoffer elf Monate nach einer Förderzusage des Landes noch nicht im Stadion steht, wetterte er derart populistisch gegen „die da oben“, dass ihm der Beifall rotbeschalter Fans in den sozialen Medien sicher war, vor allem der jungen mit naturgemäß noch wenig Einblick in die höchst komplizierten Regeln der Vergabe von Steuergeldern an Fördermittel-Empfänger. Selbst in der Vorstandsetage des Profivereins scheint aber das Wissen um dieses Prozedere längst nicht so gefestigt zu sein, wie in manchem Amateurverein, in dem die Millionen dann und wann schon ankamen, gut eingesetzt und bis auf den letzten Cent abgerechnet wurden. Wie Nachfragen ergaben, sind bei Energie noch Hausaufgaben zu erledigen, damit Geld fließen kann. Nötigungen, man käme unsaniert nicht in die 2. Liga, laufen also ins Leere.

Doch das Geld ist hier nicht das Problem. Vielmehr muss besorgen, dass sich leidiger Unmut der bürgerlichen Mitte in einem Forum des eigentlichen regionalen Stolzes Gehör verschafft. In gehobenen Milieus längst weit verbreiteter Geist radikaler Kompromisslosigkeit kräht auf: Der Staat, die da oben sollen gefälligst liefern! Das fordern, beileibe nicht nur am Fußballfeld, immer lauter jene, die selbst zu „denen da oben“ gehören. Oder wo ordnen sich Trainer, Vorstände und die VIP’s der Westtribüne ein? Woher rührt ihre Verachtung für Politiker? Allein daher, dass die ihnen nicht, wie einst in Erstliga-Zeiten Frau Merkel, den Hof machen?
Das Stadion, nun vielleicht baufällig, erweist sich einmal mehr als Fenster in die Gesellschaft. Die brüchige, kranke. Der Sport jedenfalls hört auf wo die Sehnsucht nach alten mafiösen Zuständen das Wort nimmt. J.H.

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