Stufen hinab zur Probebühne 3
„Das kleine Gebäude mit dem Spitzdach war die Turnhalle der Blechen-Schule“, löste Diethard Schulz. „Sie wurde im Zuge der Restaurierung des Stadttheaters als Probebühne genutzt.“ Die Turnhalle wurde – ähnlich wie die am Konservatorium – mit großem handwerklichen Geschick umgebaut. In der ehemaligen Schule befand sich die Verwaltung mit der Intendanz des Theaters, und so lag der Ausbau einer Bühne, die auch für Vorstellungen genutzt wurde, nahe.
Ingolf Czerny kannte das Haus gut: „Als ich im Spätsommer 1986 als Chorsänger am Theater engagiert wurde, beherbergte das rote Schulgebäude die Verwaltung des Theaters sowie verschiedene Probenräume. In der obersten Etage lag etwa in der Mitte unser Chorsaal (zur K.-Liebknecht-Straße). Die Fenster links oben müssen zum Ballettsaal gehören. Daneben waren in den alten Klassenzimmern noch weitere kleinere Probenräume untergebracht. Im 1. Stock waren die Büros der Verwaltung, im Erdgeschoss links lag am Ende des Ganges die Kantine, rechts ging es ein paar Stufen hinunter in die alte Schulturnhalle, jetzt ‘Probebühne 3’, unser größter Probenraum. Dort haben wir viel gearbeitet. 2003 mussten wir etwas überstürzt das Haus verlassen, weil dort ein Einkaufszentrum entstehen sollte. Das zog sich dann doch noch einige Zeit hin. Vorübergehend mussten wir zum Bonnaskenplatz ausweichen, bis 2004 unser schönes neues Probenzentrum in der Lausitzer Straße fertig wurde.
Das Bild muss nach der Wende entstanden sein, denn am Giebel sieht man zwei große Werbeplakate des Theaters. Das war im Sozialismus nicht üblich und auch nicht nötig.“
S. Sachse schreibt: „Hier wurde eine gute Inszenierung von Brigitte Reimanns ‘Franziska Linkerhand’ gezeigt. Das Publikum dazu war handverlesen und musste am Einlass die Ausweise vorzeigen. Damals war das langweilige Plattenbauen längst in die Kritik gekommen, und genau damit befasste sich das Stück. Es gab nach den Vorstellungen Gespräche mit dem Publikum. Wenn ich mich recht erinnere, ist das Stück aber nach wenigen Aufführungen abgesetzt worden.“
Regina Schulz erklärt: „Das mit dem Samowar (C) ist nicht ganz falsch. Aber der stand weiter rechts in der im Bild nicht mehr sichtbaren ‘Teestube Lipezk’. In dem gefragten Objekt war eine Turnhalle und dann eine Theaterbühne. Das ist ungefähr da, wo heutzutage im Blechen-carré auch manchmal eine Schow-Bühne steht.“
Georg Müller mailt zur Turnhalle, Aula, Schulküche: „Der kleine Satteldachbau am Endteil der Rossstraße war 25 Jahre jünger als das Schulgebäude, diese ehemalige Bürger-Töchterschule aus den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Noch erinnert man sich an dessen schmucke dreiteilige Rundbogenfenster. Aber es half nichts, die verwegene Planung der neuen Zeit hatte längst das Todesurteil gesprochen.“










