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Altes Cottbus: Es war beruflich eine schöne Zeit

17. Dezember 2021 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Cottbus |

Die Erinnerungen an das TKC sind vielfältig, sein Niedergang war tragisch.

TKC

Das auf dem Foto zu sehende TKC startete im Jahre 1969.

Ein Leserin, die anonym bleiben möchte, schreibt: „Das waren unsere besten Jahre, aber das will ja heute keiner hören.“ Uwe Lehmann aus Altdöbern hingegenschreibt: „Ich müsste Wikipedia befragen. Ich hätte nicht gedacht, dass das TKC mein Geburtsjahr hat, nämlich 1969 (B). Zu lesen ist: ‘Die umfassende Technologie und das Vereinen aller Stufen bei der Herstellung von Textilien an einem Standort und in dieser Größenordnung war in Europa der 1970er-Jahre einmalig.’“
Sabine Mischok aus Cottbus versucht wieder zu reimen: „1969 wurde das TKC in Betrieb genommen./ „Präsent 20“ ist in den Handel gekommen./ Nach der Wende kam das textile AUS, / heute ist
dort ein Ärztehaus…“
Eine bemerkenswerte „Begleitgeschichte“ liefert der Cottbuser Bauphysiker H. Stopp: „Da das Textilkombinat im Zusammenhang mit der Großproduktion für ‘Präsent 20’-Erzeugnisse errichtet worden ist, die es 1959 noch nicht gab und deren Euphorie 1979 schon wieder im Abklingen war, kommt nur 1969 infrage. Ich durfte in den 70ern das Rechenzentrum im TKC für numerische Simulationen zu hygrothermischen Prozessen in Baukonstruktionen nutzen. Die Kapazitäten hierzu an der Ingenieurhochschule waren noch nicht ausreichend. Wenn man bedenkt, dass die damalige Leistung des TKC-Rechenzentrums mit einigen 100 Quadratmetern und viel Personal heute in einem Smartphone verfügbar ist, zeigt das den technologischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte. Ein damaliger Programmierfehler hatte zur Folge, dass ich nach dem Korrigieren im Lochkartenstoß erneut um Rechnerzeit bitten musste und diese am Silvesterabend 1972 dankbar nutzte, um mit der Arbeit voranzukommen.“
Sabine Malbrich aus Senftenberg erzählt: „Ich habe in diesem Betrieb von 1982 bis 1984 meine Lehre absolviert und später da gearbeitet. Mein Lehrberuf hieß Facharbeiterin für Textiltechnik. In meiner Abteilung wurde das Garn für Teppiche hergestellt. Es war keine leichte Arbeit an den Maschinen mit den schweren Garnrollen. Für mich war es nicht der Traumberuf doch er hat mir viel Freude gemacht. Man hat in Schichten gearbeitet, und ich wohnte im Lehrlings- und später im Arbeiterwohnheim. Ja, wenn ich das Bild jetzt so sehe wie sich da hinten alles verändert hat, kommen viele schöne und weniger schöne Erinnerungen hoch.“
Klaus Reiter aus Cottbus freut sich: „Volltreffer, da habe ich 14 Jahre als Elektriker in der Konfektion gearbeitet. Ein riesiger Komplex, über den man seitenweise schreiben könnte. Schon 1968 legte der 1.Parteiaktivtag über das ‘Sonderprogramm Cottbus’ am Standort Gerhart-Hauptmann-Straße fest. Das TKC bestand aus Strickerei, Konfektion, Veredlung, Färberei/Dedotex, Texturierung, Bügelei, Lagerhallen und modernstem Rechenzentrum. In den Hallen liefen Transportbänder mit Lochkartensystem, dadurch wurden Stoffballen und Kisten an die richtige Stelle transportiert. Es waren auch fast alle Gewerke vorhanden. Man sorgte sich sehr um die Mitarbeiter. Es entstanden Kindergärten, Poliklinik, Kaufhalle, Ausbildungszentrum, Filmstudio und ein eigener Chor. Lustig war immer die Weihnachtszeit – wenn es Apfelsinen gab, waren die Nähbänder leer, weil alle Frauen zum Einkaufen liefen. Im Januar 1975 entging das TKC knapp einer schweren Katastrophe: Eine MIG 21 stürzte im Cottbuser Norden ab, es gab 16 Schwerverletzte und sechs Tote. Dem Piloten war es zu verdanken, dass die Maschine nicht ins Werk oder auf die Kindereinrichtung stürzte; leider starb er auch. Ursache war ein banaler Wartungsfehler.“
Helga Jung (damals Thiel) aus der Hans-Beimler-Straße in Cottbus erinnert sich. „Seit der Gründung im Jahre 1969 war ich, vom VEB Beweco kommend, beim TKC bis zum bitteren Ende 1994 im Zuschnitt tätig. Nach der Wende wurde ich von einem Nachfolgebetrieb übernommen, dann mit 54 Jahren entlassen. Ich blieb arbeitslos. Auch diverse ‘Umschulungen’ vom Arbeitsamt verhalfen mir zu keinem neuen Arbeitsverhältnis. Ich erinnere mich gern an die Zeit bis zur Wende zurück. Ich hatte die Möglichkeit, mich in dieser Zeit zu qualifizieren und auch für meine Kinder wurde gesorgt. Meine Brigade ‘Freundschaft’ und auch ich wurden mehrfach ausgezeichnet. Wir haben zusammen gearbeitet, gefeiert und hatten auch privat enge Kontakte. Noch heute treffe ich mich mit drei ehemaligen Kolleginnen.“
Dieter Buddrus schreibt: „Das TKC wurde schnell bekannt durch ‘Präsent 20’. Die Fertigungstechnik erforderte ein neues Niveau beim Service, denn nun waren auch Elektronik-Kenntnisse gefragt! Zusammen mit drei Mitschülern der 2. EOS Cottbus durfte ich 1970 im Bereich Forschung und Entwicklung an nagelneuer importierter High-Tech umfangreiche Spektraluntersuchungen an Stofffarben durchführen. Das war Bestandteil des UTP (Unterrichts-Tag in der Produktion) für die Klasse 11. Uns wurde auch Grundwissen zum Thema Fasern, Stoffe, Namens- und Patentrechte vermittelt.
Erst 21 Jahre später hatte ich wieder Kontakt mit dem TKC – als die Treuhand kategorisch anwies, die bezahlten nagelneuen Maschinen, gerade angeliefert, ohne auszupacken zu vernichten. Ziel der Treuhand war die absolute Verhinderung der Wettbewerbsfähigkeit des Betriebes, ganz im Sinne der Beschlüsse zur weitgehenden Deindustriealisierung der ‘Neuen Länder’. Während die Textilindustrie der alten Bundesländer mehr als 25 Jahre Zeit hatte, sich dem Weltmarkt anzupassen, machte die Treuhand auftragsgemäß die ostdeutsche Textilindustrie binnen zwölf Monaten einfach platt.“
Irina Lehmann aus der Räschener Straße in Cottbus meint: „‘Präsent 20’ war ein pflegeleichtes und schier unverwüstliches Material. Ich hatte damals knallgelbe Hotpants, die in merkwürdigem Kontrast zum blauen FDJ-Hemd standen. Das kam in der Schule nicht wirklich gut an. 1972 hätte ich im TKC als Lehrling starten können, habe mich aber für eine Nummer größer entschieden und meine Berufsausbildung im Kraftwerk Boxberg absolviert.“
Jens Pumpa aus der Rostocker Straße in Cottbus hat recherchiert: „Die Grundsatzentscheidung für den Bau dieses Textilbetriebes fiel am 30.9.1968. Der Standort Cottbus wurde von der Parteiführung als ‘Objekt an der Gerhart-Hauptmann-Straße’ bezeichnet. Am 3.10.1968 erfolgte der erste Spatenstich, im November 1968 die Grundsteinlegung. Am 1. Dezember 1968 erhielt der Betrieb den Namen “VEB Textilkombinat Cottbus”. Die Versuchsproduktion mit importierten Maschinen startete am 8.5.1969. Die neuen Produktionsstätten gingen am 29.9.1969 in Betrieb. 1990 waren hier fast 4.000 Menschen tätig.“

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Man konnte während des Ausbaus zum EDK-Center 2008 nochmals ahnen, dass dies einst beachtliche Fabrikhallen waren. Foto: CGA-Archiv

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