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Altes Forst: In Berge jenseits der Langen Brücke

Bilder aus dem alten Forst (Lausitz) | Von | 8. April 2022

Die einst schönste Neißebrücke – zerstört und noch immer kaputtdiskutiert.

Lange Brücke

Reste der Langen Brücke 2012 aus im Rätselbild dargestellter Position, jeweils links die kleine Schmuckpyramide. Foto: CGA-Archiv

Viele richtige Antworten und einige spannende Anmerkungen gab es diesmal. Lutz Kleinert aus der Clara-Zetkin-Straße in Cottbus meint: „Die Baulichkeiten auf dem Foto passen im Stil zu den Resten der Brücke über die Forster Neiße, die 1945 zerstört wurde. Die Treppe dürfte herab zur Neiße führen. Diese beiden Anhaltspunkte führten mich zur Lösung.“ Margitta Bartel weiß es genau: „Das Bild zeigt den ehemaligen Stadtteil Berge, heute Zazieki, mit Blick von der Langen Brücke in die Pförtener Straße und zum Rathenauplatz. Rechts ist ein Brückenhäuschen zu erkennen. Leider sind die Reste der Langen Brücke in einem desolaten Zustand, sehr schade. In den letzten 30 Jahren fehlte leider der politische Wille, diesen Zustand zu verändern. Vieles wurde nur kaputt diskutiert. Erst jetzt regt sich etwas Widerstand.“
Thomas Methe vom Grabenweg in Forst beschreibt: „Links sieht man Häuser, die 1923 entstanden. Nicht im Bild zu sehen, zogen sich in rechte Richtung weitere Häuser zum Rathenauplatz. Hinter dieser Häuseransicht begann die Pförtner Straße. Eigentümer der damaligen Wohnhäuser waren unter anderem die Stadtgemeinde Forst bzw. Reinhold Bauer. In unmittelbarer Nähe vor dieser Ansicht ist die Lange Brücke. Die führte von Forst zum Walter-Rathenau-Platz in Berge. Die Lange Brücke war eine stolze Brücke, über die früher Autos nach Berge fuhren. 100 Jahre wäre sie in diesem Jahr geworden; am 17. Dezember 1922 wurde sie freigegeben. Heute sieht man nur noch die Ruinen.“
Fred Riedel, geboren 1933 in Forst-Berge, stellt sich zunächst vor: „Ich lebte hier bis zu unserer Flucht im Februar 1945. Unter Beschuss erreichte ich mit meiner Mutter und meinem Bruder die Hängebrücke (Eisenkonstruktion flussabwärts) und entkam. Nach zwei Wohnungswechseln, erst Weinbergstrasse und dann Gubener Straße in Forst wurden wir mit einem der letzten Züge evakuiert nach Templin in der Uckermark. Von dort sind wir im Mai 1945 zu Fuß mit einem Handwagen in zehn Tagen die 270 km nach Forst zurückgekommen und konnten nicht mehr über die Neiße nach Hause.“ Das schreibt er zum Bild: „Der Fotograf hat das Foto vor 1945 von der Langen Brücke aus gemacht. Es zeigt den Klinkerbau (in den 20er Jahren errichtet). Am Ende des Blockes stand etwas nach hinten versetzt ein großes, gelb verputztes Gebäude. Das war das Forster Arbeitsamt. Davor war eine glatte Betonfläche, da sind wir mit meinem Bruder Rollschuh gelaufen. Hinter dem Arbeitsamt gab es keine Bebauung mehr. Vorn sieht man rechts ein Stück von einem der beiden Brückenhäuschen. Weiter rechts war ebenfalls ein Häuschen, in dem hatte der Fotograf Bunke aus Forst einen kleinen Laden. Ich nehme an, er hat das Bild gemacht. Auf dem Platz war der Weberbrunnen, heute noch als Torso ohne Weber zu sehen. Rechts auf dem Neißedamm kam das Siechenheim und danach ein langer Häuserkomplex, der bis an den Seufzersteg ging. Diese Dammseite hieß Herrmann-Göring-Damm. Dort wohnte mein Schulfreund Hans Joachim Schötz, der leider nicht mehr lebt.“
Frank Junge aus der Elsterstraße in Forst überrascht uns: “Ich habe wieder eine Luftbildaufnahme zu Ihrem Suchbild aus der heutigen Sicht. Es zeigt die Lange Brücke auf der östlichen Seite. Den Blickwinkel, den der Fotograf damals wählte, habe ich mit einem Pfeil markiert. Man erkennt auf dem Luftbild auch die Reste des Weberbrunnens, der auch schon mal ein Suchbild war. Wer genau hinschaut, sieht auf dem Brückenrest noch das Gleisbett der Schwarzen Jule. Das Gleis führte über die Brücke, machte dann den Bogen bis zu der Stelle, die Ihr Bild zeigt. Mein Foto entstand 2019, kurz nachdem eine deutsch-polnische Arbeitsgruppe von Geschichtsinteressierten das Gelände mal wieder beräumt, vom Unterholz befreit und auch nach möglichen Gleisresten gesucht hatte.“
Jens Pumpa aus der Rostocker Straße in Cottbus hat Hintergrund: „Bis 1921 gab es neben einer Fußgängerbrücke (auch Seufzersteg genannt) nur eine 1863 gebaute Holzbrücke (Lange Brücke) über die Neiße. 1921 beschloss die Stadt Forst den Neubau der Langen Brücke aus Stampfbeton 30 Meter weiter flussaufwärts, die im Dezember 1922 fertiggestellt worden war. Die alte Holzbrücke wurde abgerissen. Beide restlichen Brücken wurden Ende des Zweiten Weltkrieges von der Wehrmacht gesprengt, um den Vormarsch der Roten Armee zu behindern. Sie sind als Ruinen jedoch erhalten.“
Manfred Gnida vom Weinberg aus Spremberg schreibt u.a.: „Ein schönes Bild, aber mit geschichtlich traurigen Ereignissen verbunden. Der II. Weltkrieg und die neue Grenze machten aus Berge ein Trümmerfeld. Das Dorf wurde 1627 erstmals erwähnt und 1897 zu Forst eingemeindet. Nach 1906 entstanden moderne Wohnbauten, wie zum Beispiel der Friedrich-Ebert-Platz, den die Nazis in Horst-Wessel-Platz umbenannten, während der Rathenauplatz zum Adolf-Hitler-Platz wurde. Beide Plätze waren über Neiße-Brücken zu erreichen, die Lange Brücke und ein Fußgängersteg, der im Volksmund als ‘Seufzersteg’ bezeichnet wurde. Eine kleine Brücke gab es vom Rosengarten zum Vorwerk Skurum. Das Foto zeigt als Teil der Langen Brücke die Treppen zum Rathenauplatz. Der Neißedamm, auch Heinrich-Heine-Damm, verband den Friedrich-Ebert- und Rathenauplatz. Beliebter Treffpunkt war der Weberbrunnen auf dem Rathenauplatz. Markant war an der Langen Brücke das Brückenmännchen; bekam es nasse Füße, war Hochwasser.“

Forst

Heutiger Blick Richtung Forst-Berge. Der Pfeil deutet die Blickrichtung im Rätselbild an. Von einstiger Bebauung gibt es kaum Spuren. In der Mitte hinten ist der Brunnen zu sehen. Foto: F. Junge

Weitere Beiträge über das historische Forst und das Umland finden Sie hier!



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