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Altes Spremberg: Bilder vom Wasserleitungsbau nach dem II. Weltkrieg

Bilder aus dem alten Spremberg | Von | 22. August 2022

Wasserleitungsbau

Die auf der Aufnahme zu sehenden Personen sind mit dem Bau einer Wasserleitungsbau beschäftigt. 

Alltagsmotive und Bilder aus der Arbeitswelt in dieser guten Qualität aus den frühen 1950er Jahren sind selten. Es gab noch keine guten und preiswerten Kameras. Die Balgboxen aus Dresden (“Belfoca”) kamen erst 1959 auf den Markt. Wer noch eine Vorkriegs-Agfa-Box besaß, hatte Pech: Die russischen Besatzer hatten Fotoapparate eingezogen. Aus den Jahren 1945 bis 1949 gibt es daher nur wenige Fotografien von damals zugelassenen Berufsfotografen. Die Fotografien von Ralf-Rainer Koall sind somit schöne Zeitdokumente, die an das Geschehen nach der Gründung beider deutscher Staaten anschaulich erinnern. Es wurde aufgebaut, und das noch sehr lange ohne die heute bekannte Maschinentechnik. Spitzhacke und Schippe waren die Werkzeuge beim Wege- und Wasserbau, der Enthusiasmus dabei heute nicht mehr vorstellbar…

 

 

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Ein weiteres Bild aus Ralf-Rainer Koalls Serie “Solidaritätsaktion beim Wasserleitungsbau Weskow, 2. Bauabschnitt” aus dem Jahre 1956 zeigt, dass auch die Frauen ordentlich mit Hand anlegten, wenn zur Gemeinschaftsarbeit aufgerufen wurde.

So erinnert sich auch Rainer Wollmann aus Kolkwitz-Hänchen: “Ich gehe davon aus, dass es sich um einen Wasserleitungsbau handeln könnte, denn die große Anzahl an Arbeitern erinnert mich an ein Wasserleitungsbau zu DDR Zeiten. Ich hatte ab 1966 in Freiberg gewohnt. Um dort eine Wohnung zu bekommen, musste ich Mitglied in der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) werden. Erst danach konnte ich einen Antrag auf eine Wohnung stellen. Voraussetzung war, dass man verheiratet war und mindestens ein Kind hatte. Um eine Wohnung durch die AWG zu bekommen, mussten die Bewerber, je nach Größe der Wohnung, unterschiedlich viele Arbeitsstunden (ab 200 Stunden) leisten. Bei der AWG musste man Wasserleitungsgräben nach Objektlohn schachten. Einen Minibagger gab es in der DDR nicht, so dass der Graben mit Kreuzhacke und Schaufel ausgehoben werden musste. Die Tiefe betrug ca. 1,70 Meter. Der Untergrund in Freiberg ist sehr hart und steinreich und ich war froh, die geforderte Tiefe und Länge erreicht zu haben. Die Abrechnung durch einen AWG-Beauftragten erfolgte einen Tag später. Da in der Nacht unglücklicherweise ein Unwetter niederging, wurde die gesamte Baugrube mit Schlamm zugespült und die geleistete Arbeit war ‘für die Katz’, da ich nicht beweisen konnte, dass der Graben wirklich von mir hergestellt worden ist. Trotz dieser Episode haben wir eine Wohnung bekommen.”
An die AWG-Pflichtstunden erinnern sich viele Zeitzeugen; sie waren republikweit üblich. Manchmal, so schreibt Sebastian Sachse, “gab es auch Initiativen im ‘Mach mit!’-Wettbewerb, der vor meiner Zeit, also etwa bis 1966, NAW hieß, Nationales Aufbau-Werk. Da gab es Stundenmarken zum Einkleben, und wer jede Menge hatte, bekam die Aufbaunadel in Gold, Silber oder Bronze. Ich glaube, das im Bild sind NAW-Helfer. Jedenfalls sind sie mit Spaß dabei.”

 

Schweinemastanlage

Schon aus dem Jahre 1953 stimmt diese Aufnahme. Wir wissen nicht, was Alt und Jung gerade Spannendes an der Schweinemastanlage am Spremberger Knappenweg vorgeführt bekamen, aber das Bild ist eine schöne Milieustudie aus jener Zeit.

Vom Wasserleitungsbau “ohne Nationale Front” (die organisierte die “Mach mit!”-Einsätze, Anm.d.Red.) wird aus Cottbus-Ströbitz berichtet. Dort hatten wichtige Seitenstraßen auch 1986 noch kein Trinkwasser. Rainer P. weiß von seinen Eltern: “Einige Leute organisierten ein Straßenfest mit Tanz und Spaß im Fußball-Lokal. Aber zuerst wurde besprochen, was gemeinsam zu tun ist. Es fehlten Straßenschilder, aber vor allem eine Wasserleitung. Alle versorgten sich noch aus Hausbrunnen. In kürzester Zeit wurde das Projekt gemeistert. Manche hatten Beziehungen zur LWG (hieß die damals schon so?), andere arbeiteten beim Tiefbau und kamen von dort mit Maschinen. Die Rohre, die es ja nirgendwo zu kaufen gab, wurden ‘besorgt’, auch alle Schieber usw. Jedenfalls floss sechs Wochen nach dem Tanz das Wasser, und das tut es heute noch. Das ganze geklaute Zeug in der Erde ging ins Eigentum der jetzigen LWG über. Nur eins hat die Leute zeitweilig geärgert: Dass sie ‘Altanschließer’-Beiträge zahlen sollten. Aber das hat sich dann bald erledigt. Dafür warten die Hausbesitzer bis heute auf den Abwasseranschluss.”
Georg Saupe mailt: “Wo das ist, kann man nicht erkennen. Ich hätt’s gern gewusst. Der oben rechts steht und sich freut, sieht aus wie der Neulehrer aus unserem Dorf.” Vielleicht hilft ihm nun die Information zu Weeskow/ Spremberg weiter. Die Herrschaften, die hier arbeiten oder zuschauen, sind wahrscheinlich nicht mehr unter uns. Ob die Wasserleitung noch funktioniert, wäre zu hinterfragen.
Aus Guben oder Umgebung berichtet uns Sabine Gröger am Telefon: “Ich erinnere mich, dass wir als Kinder auch an solch einer Aktion beteiligt waren. Aber da war es nicht so gemütlich. Es war kalt, und wir Kinder fuhren mit unseren Puppenwagen heißen Tee und Streuselkuchen zu den Leuten. Ich glaube aber, die wollten lieber Bier und auch Schnaps. Das hatten wir nicht. Aber bei uns haben die keine Wasserleitung gebaut, sondern eine Freilichtbühne.”
Jemand hat gewitzelt: “Die sind verkleidet. Das sind neue Fotos vom heimlichen Gasleitungsbau.”
Stimmt nicht ganz, trotzdem vielen Dank fürs Mitmachen.

Weitere Beiträge über das historische Spremberg und das Umland finden Sie hier!



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