In Scharfenbergs Altdeutschen Weinstuben wurde noch im Kriege getanzt.

Aber Manfred Gnida vom Weinberg in Spremberg hat die ganze Gubener Weintradition parat: „Wenn auch heute in der Niederlausitz, zum Beispiel in Jerischke, Schlieben, Klein Oßnig, Wolkenberg oder Grano, mit dem Weinbau eine ehemalige Tradition belebt wurde, so ist die abgebildete Weinadresse doch Guben. Bereits seit 1280 wurde im Gubener Land Wein angebaut, und im 14. Jahrhundert stand die Kultur bereits in voller Blüte. Seinen Höhepunkt erreichte der Weinbau hier im 16. Jahrhundert, wo laut Überlieferung 1,25 Millionen Liter gekeltert wurden. Markgraf Heinrich gestattete 1280 den Bürgern Weingärten anzulegen, und in einer Gubener Chronik wird berichtet, dass um 1541 Bauern auf den Dörfern anfingen, Weinberge anzulegen. Die Gubener Hügellandschaft mit ihrem milden Klima sowie gutem Boden bot hervorragende Bedingungen für den Weinbau. Harte Winterjahre, Krieg und Weinkrankheiten brachten den Weinbau in Verlegenheit und Obstanbau ermöglichte eine weitere Existenz der Winzer, welcher um 1850 bis 1890 seine Blütezeit bekam. Die Zeit der Gubener Baumblüte lockte dann zahlreiche Gäste in die Stadt, aber der Weinbau war nicht vergessen und Guben bekam den Beinamen ‘Stadt der 1000 Weinberge’. Für den Absatz des Gubener Weines sorgten um die Jahrhundertwende (1900) 70 Gastwirtschaften, dazu neun Weinstuben,19 Hotels, Gasthöfe und Logierhäuser, und bis zum II. Weltkrieg gab es etwa 40 Weinhandlungen bzw. Weinschanke die zum Teil mit Fruchtweinkeltereien verbunden waren. Einige bekannte Weinstuben waren Poetko, Hilscher, Perwo, Schwensky, Wandtke, Rölle, Schulz, Schulze und die abgebildete Scharfenberg, wie es im Einwohnerbuch vor dem I. Weltkrieg verzeichnet war. Das Rätselbild zeigt Scharfenbergs Altdeutsche Weinstuben um 1927 in der Crossenener Strasse 23, heute Ulica Krosnienska in Gubin. Über dem Erker gut zu lesen ‘Geniesse was Bachus geschaffen und fürcht weder Kater und Affen’. In Bezug auf das älteste Haus am Platze wurde in einer Sonderausgabe der Gubener Zeitung zur 700-Jahres-Feier am 1.Juli1935 für Scharfenbergs Altdeutsche Weinstuben geworben. Im Krieg war die Weinstube noch geöffnet und im Einwohnerbuch von 1939 stand der Name Karl Scharfenberg, Weinproduzent, Crossener Str.23.“

Auch Frank Irmer aus der Cottbuser Philipp-Melanchthon-Straße kam forschend zu diesem Ergebnis: „Wir sehen ‘Scharfenbergs Weinstuben’ in der Crossener Straße 23, in der Nähe ‘Auf der Schweden Höhe’. Eine Annonce im ‘Das Reichsbanner’ vom 18. Mai 1929 brachte mich auf die Spur. Hier wurde mit ‘Trauben- und Fruchtwein-Ausschank, Tanzdiele und Stimmungsmusik’ geworben. Damals verlief die nördliche Weinbaugrenze des schlesisch-märkischen Weinlandes unweit von Guben. Die Geschichte besagt: ‘Traubenwein wurde seit dem 13. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert hinein angebaut und gekeltert. Das Zentrum des Weinbaus lag im Crossener Vorstadtgelände der Gubener Berge. Eine Reihe von Straßennamen wie Winzerstraße, Henzenzgasse oder Renschgasse erinnerten früher an Familien und Örtlichkeiten des Weinbaus. Dieser bildete dann jahrhundertelang eine wichtige Erwerbsquelle und Grundlage bescheidenen Wohlstandes der Gubener Bürger’“.
Jens Pumpa aus der Rostocker Straße in Cottbus fand heraus: „Es handelt sich um Scharfenbergs Altdeutsche Weinstuben in der Crossener Straße 23 im heutigen Gubin. Einen Hinweis auf die Weinstuben gab der Spruch über dem Erker. Bekräftigt wurde der mit lustiger Malerei rechts und links daneben. Im Bild ist der ehemalige Tanzsaal zu sehen. Die Scharfenbergs Altdeutschen Weinstuben waren noch im Krieg offen. Die Hochzeit dieser Restaurants war aber schon um 1930. Es gab zahlreiche Gaststätten wie in der Neißestraße, wo sogar selbst hergestellter Obst- und Beerenwein serviert wurde.“







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