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Cockerill in Guben und Cottbus

Damals war´s | Von | 17. Juni 2022

AmAmtsteichAug

Heute Denkmal: Cockerill-Fabrik Am Amtsteich (Mitte)

Die belgische John Cockerill Group fertigt heute Maschinen und Anlagen mit 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz. Sie geht auf John Cockerill zurück, der das Vorgängerunternehmen 1816 gründete und mit seinem Bruder William zum Pionier der industrieellen Revolution der Lausitz wurde. John Cockerill (Jahrgang 1790) starb am Sonntag vor 182 Jahren in Warschau. Sein älterer Bruder William (Jg. 1784) investierte in Guben und starb auch dort. Sein 175. Todestag war am Donnestag dieser Woche.
Die Geschichte der Industrieellen-Familie Cockerill ist eine typische für das frühe 19. Jahrhundert, auch „Jahrhundert der Riesen“ genannt. Am Anfang steht William Cockerill sen., der schon 1794 Spinnmaschinen produzierte. Er hatte sechs Söhne und zwei Töchter. William jun., den ältesten der sechs, verschlug es, von unternehmerischem Geist getrieben, nach dem napoleonischen Krieg ins aufstrebende Königreich Preußen, wo er mit seinem Bruder John die Unterstützung des einstigen Kriegskameraden und nunmehrigen Finanzministers Hans Graf von Bühlow fand, eines Vetters des Staatskanzlers Karl August von Hardenberg, später Schwiegervater des Fürsten Pückler.
William Cockerill erwarb zunächst die alte Klostermühle in Guben, wo er 1818 für die Spinnerei die erste Dampfmaschine aufstellte. Zusammen mit John wurde ihm am 3.7.1817 per Kabinettsorder aus Berlin das Fürstenhaus auf dem heutigen Cottbuser Gerichtsberg zur Nutzung als Spinnmaschinenfabrik zugesprochen. Später pachtete John Cockerill den Schlosshof und das Hofpredigerhaus zu Produktionszwecken. 1822 investierte William mit Johns Technik aus Lüttich in die Tuch- appretur an der Kutzeburger Mühle (Gallinchen), und schließlich bauten die Brüder 1830 die Fabrik am Cottbuser Amtsteich (zu DDR-Zeiten Bauamt, dann Naturkundemuseum, jetzt Denkmal).
Im alten Fürstenhaus auf dem Schlossberg (Gerichtsberg) beschäftigte Cockeril 1821 bereits 250 Frauen und Männer. Die noch weitestgehend im Manufakturbetrieb laufende Cottbuser Tuchherstellung konnte nun expandieren, weil bisher die Spinnkapazitäten der Engpass waren. Die Cockerills produzierten mit ihren Maschinen aus eigenen Fabriken die weitaus besten Garne und konnten so die Preise bestimmen und beherrschten den Markt.
Für John und William Cockerill verliefen die Investitionen in Guben und Cottbus glänzend. Allerdings endete die Produktion im dreistöckigen Fürstenhaus für den Nachfolger in einer Katastrophe: Im August 1857 brannte das ganze Objekt, vermutlich durch Selbstenzündung der Wolle, nieder, wobei der alte Turm gespenstisch wie eine Fackel über dem Berg loderte.

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