Altes Cottbus: Das Sternchen oder die Milch-Mokka-Eis-Bar KOSMOS

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Der Buchstabe C war richtig, denn B (Targowischte) war eine Weinstube am Altmarkt

Das Bar-Ehepaar Ursula und Hans-Jürgen Nickusch erinnert sich.
„Traurig, dass dieses Kleinod am 3.10.2013, dem Tag der Deutschen Einheit, nicht mehr seine Gäste begrüßen kann“, finden Ursula und Hans-Jürgen Nickusch. Sie arbeiteten bei der Eröffnung des „Sternchens“ an der Bar und „hatten den Eindruck, ganz Cottbus stürmte diese architektonisch schön gestaltete Gaststätte, die ein reichhaltiges Sortiment an Milch-, Kaffee-, Torten- und Eisspezialitäten bot“. Weiter schreiben die späteren Betreiber der unvergessenen „Münze“ in der Sandower Straße: „Offiziell stand der ‘Stern’ unter dem Namen ‘Milch-Mokka-Eis-Bar KOSMOS’, wurde aber kurz ‘Kosmos-Bar’ oder liebevoll ‘Sternchen’ genannt. Auf der 1. Seite der Getränkekarte wurden die Gäste angesprochen: ‘Wir begrüßen Sie recht herzlich in unserer Mich-Mokka-Eis-Bar KOSMOS, die anlässlich des 20. Jahrestages der Deutschen Demokratischen Republik eröffnet wurde…’ Die Eröffnung erfolgte am 7. Oktober unter großer Begeisterung des Kollektivs und der Bevölkerung.“
Das bekräftigen die zahlreichen Zuschriften zu diesem Bild. Wolfgang Schmidt aus der Potsdamer Straße schreibt: „Eine hervorragende Adresse für Einheimische und Besucher. Plätze waren Mangelwahre, man musste schon Zeit mitbringen, wurde aber nach dem Warten mit Qualität und guter Bedienung belohnt.“
Heinz Knobloch findet: „Bei diesem Bild geht unserer Familie (und sicher auch vielen Cottbusern) das Herz auf, denn es war doch etwas Einmaliges, was den Gästen geboten wurde. Aber es musste eben weg, obwohl das ganze Ensemble geschützt war.“ Auch Marie Luise Peucker aus der Bahnhofstraße in Burg kehrte hier „immer ein, wenn ich in Cottbus war, obwohl man nur schwer einen Platz bekam. Das Objekt hatte ein schönes Ambiente. Ich glaube, jeder Sternzacken war innen anders gestaltet.“
Auch Georg Müller aus Cottbus lobt das KOSMOS: „Gleichwertig war nebenan die wenige Jahre jüngere, über die Promenade filigran geschwungene Stahlbeton-Fußgängerbrücke. Dies sind zwei Beispiele für Objektzerstörungen ganz ohne Krieg, Feuer oder Erdbeben. Tausende Stimmen gegen die verwerflichen Absichten brachten nichts – die Vernichtung der Zeugnisse von Baukunst war nicht abzuwenden; im Gegenteil bekam das unglaubliche Tun durch Potsdamer Kultur- und Cottbuser Stadtobere nachhaltige Unterstützung. Und das einzig und allein nur, um den geplanten Kauftempel II flächenuneingeschränkt (eventuell) aufblühen zu lassen, was den Frohsinn der Geschäftsleute in der Sprem durchaus nicht entfachen würde.“
Eine genaue Definition zu unserem Bauwerk liefert uns Jens Pumpa aus der Rostocker Straße: „Die Milch-Mokka-Eis-Bar entstand nach Entwürfen von Jörg Streitparth, Gerd Wessel und Günter Pöschel mit einer sechszackigen Hypar-Schalenkonstruktion aus verleimten und genagelten Holzbrettern, die den sechszackigen Glaskörper überspannte. Aufgrund ihrer Leichtigkeit schien die Dachkonstruktion schwerelos über dem Gastraum zu schweben.
Nach dem Sputnikstart 1957 war das Thema Kosmos in der DDR allgegenwärtig und galt bis zur Mondlandung der Amerikaner als Synonym für Fortschritt und Überlegenheit des Sozialismus.
Im Inneren der Bar wurde
ein Sternenhimmel durch Ku-
gellampen an der Decke simuliert. Es gab eine Milchstraße, Sputniks und Raketen. Die Besucher saßen in drehbaren, dunkelroten Schalensesseln aus Hartplastik.
Nach 1990 wurde ins Gebäude ein Spielsalon eingebaut, in die Instandhaltung aber nichts investiert. Das ‘Kosmos’ verfiel, stand jahrelang leer. 2007 wurde es für den Bau des BlechenCarrés abgerissen.“

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