Das Etablissement am Steinteich / Wahre Völkerwanderungen zum Lokal / Kahnbetrieb auf dem Priorgraben
Bei dem Rätsel-Bild vom 11. Juni handelte es sich um die Steinteichmühle. Sie gehörte zu den beliebtesten Ausflugszielen. „Vergnügungsetablissements hießen damals die wunderschönen gemütlichen Kaffee- und Biergärten in ländlicher Idylle“, schreibt Helga Nattke aus Ströbitz. „In Scharen zog es die Ströbitzer, Kolkwitzer, die Dorfbewohner aus der Umgebung und die Städter (das waren die Cottbuser) mit Kind und Kegel zur Steinteichmühle, am Priorgraben und Steinteich gelegen. Die Steinteichmühle besaß ein gemütliches Gästezimmer, Vereinszimmer und einen großen Tanzsaal, der immer bis auf den letzten Platz gefüllt war. An Feiertagen im Sommer spielte sich alles im romantischen Kaffeegarten ab – selbstgebackener Blechkuchen und die leckeren Plinse erfreuten sich großer Beliebtheit, ebenso die herrlichen Kaffeekonzerte. Es war die reinste Völkerwanderung.
Natürlich wurden bei diesen Ausflügen die schönsten Sonntagskleider angezogen und die Herren stolzierten im eleganten Anzug durch die Landschaft. Hildegard Woithe, eine Ur-Ströbitzerin erzählte, dass ein schmuckes Hütchen in ihrer Jugendzeit zum guten Ton gehörte. Von der Steinteichmühle konnte man mit dem Kahn zum Gartenlokal am Priorgraben (Gaststätte Altenburg) fahren. 10 Pfennige kostete der Spaß. Hier fanden die Traditions- und Vereinsfeste statt, das Königsschießen vom Kriegerbund, zünftige Platzkonzerte und jede Menge Abwechslung für Kinder. Im Winter wurde auf den Teichen Schlittschuh gelaufen.“
Und noch etwas Historie fügt die Ströbitzer Chronistin hinzu: „Um 1840 wurde am Steinteich von Gustav Eduard Gebhardt eine Tuchfabrikation mit Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude errichtet. Nach Zwangsversteigerung waren die neuen Besitzer Friedrich Bielitz und Karl Schmidt, die die Tuchfabrikation mit neuen Antrieben in eine Mahlmühle umfunktionierten. Ab 1899 wurde Adolf Lehmann der neue Besitzer, der die Steinteichmühle kaufte. Er erkannte die Zeichen der Zeit und eröffnete ein Ausflugslokal. Ab 1930 übernahm Gustav Stürze das Lokal, später Otto Stürze. Nach dem Krieg wurden die Steinteichmühle und der Tanzsaal von Familie Stürze wieder hergerichtet. Ab 1947 etwa übernahm Frau Pischonka die Steinteichmühle – sie war die letzte Betreiberin. Nach der Wende wurde aus dem Objekt eine Wohnimmobilie.“










