
Ob geschätzt oder recherchiert – unsere Leser kamen auf eine Unmenge Tabakläden in Cottbus der Vorkriegszeit. Und damit hatten alle Recht. Es gab 1933 ganz genau 78 Tabakläden, meist Ein-Mann-Betriebe. 117 Menschen lebten vom Handel mit dem „Blauen Dunst“. Zum Vergleich: Lebensmittelgeschäfte gab es zu dieser Zeit 183, meist echte Tante-Emma-Läden. Hinter den Ladentischen arbeiteten knapp 500 Personen.
Aber das war ja nicht die Frage. Wir erkundigten uns nach den „großen“ Adressen der Branche, den Tabakwaren- und Zigarren-Herstellern, die meist auch einen angeschlossenen Direktverkauf hatten. Es gab 1925 laut offizieller Statistik sechs Tabakwaren- und Zigarrenhersteller, zwölf reine Zigarrenhersteller und zwei Rauch-, Kau- und Schnupftabakwaren-Hersteller (einer auf dem Bild vorn rechts), zusammen also 20 (B). Sie beschäftigten zusammen 69 Arbeiter und Angestellte. 1933 waren es nur noch 15 Betriebe mit 41 Beschäftigten.
Dagegen nahm die Zahl der Konditoreien und Bäckereien von 1925 (99) bis 1933 (115) noch zu. Die Stadt hatte 1925 knapp 51 000 Einwohner; acht Jahre später waren es 53 152. Unsere „nichtrauchende Leserin“ Elfrun Liebig aus der Cottbuser Beethovenstraße schrieb uns: „Ich konnte es kaum glauben, aber meine Recherchen ergaben, Cottbus hatte um 1925 und bis in die 30-er Jahre hinein 65 solche Läden. Und gäbe es heute nicht die Supermärkte und sonstigen Beschaffungsmöglichkeiten – die vielen Läden aus vergangenen Zeiten würden heute mehr denn je Umsatz machen.“
Ganz anders sieht es Wilhelm Lange: „Es gehört heute nicht mehr zum Stil der Epoche, feiner Herr mit Zigarre zu sein. Überhaupt nimmt das Rauchen in allen zivilisierten Ländern deutlich ab. Trotzdem darf man bedauern, dass die echten Zigarrengeschäfte, in denen immer eine Flamme zum Anzünden einer Zigarre brannte, ausgestorben sind. Es fehlt jetzt ein Stück Lebenskultur des 19. und 20. Jahrhundert. Ich tippe auf B, obwohl ich zu A neige.“
Dr. Guntram Pötzsch vom Lindenweg aus Kolkwitz-Limberg schreibt: „Ich bin zwar erst seit 1971 als Student nach Cottbus gekommen, aber ich interessiere mich immer für die Geschichte des Ortes, in dem ich lebe, um ihn zu verstehen. Durch Zufall bin ich zu einer Kopie des ‘Führer duch Cottbus und Umgebung’ aus dem Jahre 1926 gekommen. Daher kann ich Ihre Frage ganz genau beantworten, denn auf Seite 18 steht: ‘Zigarren- und Tabakhandlungen 53’. Aufgrund der Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Schäden wird diese Zahl nie (leider oder Gott sei Dank) wieder erreicht.“
Dem stimmt auch Georg Müller aus Cottbus zu: „Todeskraut gab’s schon immer; in natura bekannt in der Pfalz, im Norden des deutschen Ostens und auch in der Lausitz. Da muss es bestimmt auch solche Miesmacherpflanzenveredler hier in Cottbus gegeben haben; vielleicht 10, vielleicht 20, um Himmels Willen auch über 50 – ich nehm’ mal das Mittelmaß und lutsch’ ein Eis in der Thiemstraße.“
Jürgen Klingmüller aus der Willy-Brandt-Straße meint: „Da die Fragestellung nicht ganz eindeutig ist, tippe ich auf “A” für Hersteller von Tabakwaren. Sollten Sie jedoch Tabakwarenhändler meinen, so waren es bestimmt über 50. Gut in Erinnerung ist mir noch das kleine Tabakwaren- und Spirituosengeschäft in der Berliner Straße 158. Bis in die 60-er Jahre bediente dort Frau Conrad, eine vornehme ältere Dame. Der Laden war klein, aber fein. Auch der Zigarrenladen von Erich Wolsdorff, am Altmarkt 13 A, war ein stimmungsvoll eingerichtetes Tabakwarengeschäft.“
„Gibt’s eigentlich den Laden in der W.-Külz-Straße noch“, fragt Internet-Leser Uwe Ranft aus Lüdenscheid an. Nein, gibt es nicht mehr, hat aber die Zeit nach der Wende noch erlebt.
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