Cottbus: Die Bibliothek feiert 100. Geburtstag

Aus zweiter Reihe angemessen aufgerückt und als Lernzentrum sehr beliebt.

Cottbus, Berliner Straße
Wir sind in Cottbus, Berliner Straße.

Irina Lehmann aus der Räschener Straße in Cottbus schreibt: „Auf der rechten Seite, etwas zurück gesetzt, sehen wir das Gebäude der Stadt- und Regionalbibliothek. Hier befindet sich seit vielen Jahren auch die Volkshochschule, gemeinsam mit der Bibliothek auch als Lernzentrum bekannt. In diesem Jahr feiern wir 100 Jahre Stadtbibliothek. Warum die Bibliothek dieses repräsentative Gebäude verlassen muss, verstehe ich allerdings nicht. Die Stadt sollte doch eigentlich stolz darauf sein. Und noch etwas: An jedem ersten Donnerstag im Monat treffen sich hier auch die Mitglieder der Gruppe ‘Schreibende Zeitzeugen’, die dankbar sind, dass die Bibliothek ihnen diese Möglichkeit bietet. Zur Zeit ist das Bibliotheksgebäude wegen Arbeiten an der Fassade eingerüstet. Das Eckgebäude links ist auch wieder ein Hingucker, vor allem die Schaufenster im Erdgeschoss lohnen einen zweiten Blick. Hier gibt es die schönsten Kleider für alle festlichen Gelegenheiten.“

Auch Susanne Haupt aus der Inselstraße in Cottbus erkannte „die Berliner Straße. Rechts im Bild ein Teil der Stadt- und Regionalbibliothek“. Jürgen Klingmüller aus der Cottbuser Willy-Brandt-Straße meint: „Das Foto zeigt die Berliner Straße 13/14 um 1960. In der Gründerzeit erbaut, war dort die Tuch-Großhandlung Jaeger ansässig. Nach 1945 beherbergte dieses Gebäude verschiedene Gewerbe. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Bezirksbibliothek, einen Bereich des Bekleidungswerkes Cottbus BEWECO und an den Fachbereich Elektro vom Maschinenbauhandel im Erdgeschoss. Nach der Wende wurde das Gebäude aufwendig saniert und die Stadtbibliothek befindet sich immer noch dort.“

Klaus Reiter aus Cottbus liefert eine historisch Lektion: „Wir sind hier in der Berliner Straße und schauen auf die Ecke Bahnhofstraße. Rechts das Gebäude ist die Bezirksbibliothek. Sie feiert dieses Jahr den 100. Geburtstag. 1925 leitete der stellvertretende Gewerbeschuldirektor Gottfried Herzog diese Einrichtung. 1931 kam die erste Bibliothekarin, Elisabeth Klewe. Der erste Standort war die 1. Gemeindeschule für Knaben, Wallstraße 49 (Fr.-Ebert-Straße). Dort wurden drei Klassenzimmer umgebaut und man hatte 1925 immerhin 4.034 Bände und 1.606 Leser. 1932 waren es schon 13.625 Bände und 2.763 Leser. 1938 eröffnete die Jugendbücherei in der 2. Gemeindeschule für Mädchen. 1948 musste die Bibliothek aus Platzgründen in die Wilhelm-Külz-Str.11 umziehen, das war die ehemalige ‘Neue Loge’ (später Sender Cottbus und Kammerbühne). 1960 zog die Bibliothek in das Wohn- und Geschäftshaus C. G. Jaeger, Berliner Str.13/14. Links das Eckhaus wurde 1890 erbaut als Wohnhaus mit Geschäft. Heute befindet sich Princess Braut- und Festmoden darin. Rechts daneben das Haus wurde abgerissen.“

Klaus Theinert freute sich am Telefon über dieses Bild von der Berliner Straße: „Ich habe um die Ecke in der Bahnhofstraße 80 über 20 Jahre gewohnt und kenne diesen Bereich gut. In dem früheren Firmengebäude war schon damals die Bibliothek drin.“

Ein solcher ist Jens Pumpa aus Cottbus, der diesmal erklärt: „Seit 2013 befinden sich die Stadt- und Regionalbibliothek und die Geschäftsstelle der Volkshochschule gemeinsam an einem Bildungsstandort im Zentrum der Stadt Cottbus. Das Haus hat einen behindertengerechten Zugang. Die drei Etagen sind über einen Fahrstuhl zu erreichen. Dort finden alle Wissens- und Lesebegeisterten nicht nur ein umfangreiches Medienangebot aller Art, sondern auch interessante Ausstellungen und anspruchsvolle Veranstaltungen, einen freien Internetzugang für die Nutzer, ein Lesecafé zum Verweilen und vieles mehr.“

Auf seinen Stadtspaziergängen 2010 und 2016 hat unser Leser Günther Aschenbach das Gebäude der beliebten Bibliothek aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert. Blick aus der Lieberoser Straße.

Frank Irmer aus der Cottbuser Philipp-Melanchthon-Straße sortiert: „Zu sehen ist die Stadtbibliothek aus der Perspektive Ecke Lieberoser Straße. Das rechte Gebäude im Vordergrund existiert nicht mehr und gibt damit den Blick auf die heutige Stadt- und Regionalbibliothek frei. Sie feiert in diesem Jahr das 100jährige Bestehen. Der Beginn der städtischen Bücherei am 4. Oktober 1925 war in drei Klassenzimmern der damaligen 1. Gemeindeschule in der Wallstraße. Nach deren Zerstörung im II. Weltkrieg fand die Wiedereröffnung im März 1946 statt. Bis 1960 folgten mehrere Umzüge bis in die Berliner Straße. Mit dem Kauf des Grundstückes 1993 und der Entscheidung für die Bibliothek durch die Stadt Cottbus war der Weg frei für Sanierung und Modernisierung mit einer vielfältigen Nutzung für uns Cottbuser.“ Daran schließt S. Sachse an: „Dass nach der Übernahme des einstigen ‘konsument’-Kaufhauses durch die Stadt nun einige Rathausmenschen darauf spekulieren, die Jaeger-Immobile zur städtischen Residenz auszubauen und hier komfortable Büros zu beziehen, spricht nicht für Führungsstärke. Die Stadtverordneten sollten solche Pläne stoppen. Die Bibliothek im Lernzentrum Cottbus sollte jede Unterstützung in ihrer konzeptionellen Arbeit erhalten, nicht bei einem weiteren, diesmal sinnlosen Umzug.“ Ergänzend heißt es in dieser mail-Zuschrift: „Das Motiv korrespondiert mit dem Rätsel vom 5. Juli (aufgelöst am 12.7.), als von gegenüber der Gasthof ‘Zum Goldenen Stern’ gesucht war. Den gibt es nicht mehr, aber rechts der Bibliothek (nicht im Bild) hatte noch die Smyrna-Teppichfabrik internationalen Ruf. Hier wurden, größtenteils von wendischen Frauen, riesige Teppiche zur Sonderverwendung in Prachtsälen und auf Luxusdampfern geknüpft.“

Blick aus der Karl-Marx-Straße.

Günther Aschenbach hat uns von seinen Stadtspaziergängen zwei Ansichten mitgeschickt und schreibt: „Das imposante Gebäude auf der rechten Seite beherbergt die Stadt-und Regionalbibliothek, früher Stadt- und Bezirksbibliothek. Durch den Abriss des davor stehenden Gebäudes und die Sanierung des Bibliotheksgebäudes sowie des Eckhauses links zur Bahnhofstraße ist der Anblick der Bibliothek wirklich aufgewertet worden. Über die Historie der Gebäude selbst kann ich leider nichts sagen, aber dafür gibt es ja unter den Lesern echte Experten.“

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