Cottbus: Ein Gerüst machte den Blick möglich

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Tatsächlich war A richtig – das Foto entstand vom Kreuz des Kirchturms aus

Turmuhren-Meister kletterte nicht nur wegen der Pünktlichkeit nach oben:
Der Hinweis auf den Bildautor war diesmal ein wichtiger. Karl-Heinz Schlodder ist wegen der Uhren seit Jahrzehnten Herr über die Türme, aber er klettert auch mal hoch hinaus, um ein Kreuz fachgerecht zu bearbeiten. Allerdings hat Chronist Christian Lehm (siehe Foto) den Uhrmachermeister wohl einer kleinen Ungenauigkeit überführt. Baujahr war 1984. Warum hat Kalle Schlodder das Bild wohl erst 1985 archiviert…?
Wie manch anderer hat auch Michael Kordon aus der Cottbuser  Hans-Sachs-Straße gegrübelt: „Lösung B scheint nicht möglich, da müsste man einen Teil der Schlosskirche sehen. C kommt nicht infrage, da das Eckhaus höher ist. Mein Foto aus der Gegenrichtung untermauert das. Aber wer war auf dem Kreuz zum Fotografieren und warum?“ Die Antwort ist nun gegeben.
Georg Müller wendet sich dem zu, was zu sehen ist: Das Eckgebäude Sprem /Schloßkirchplatz  (vorn links), war in der Bombennacht stark beschädigt und wurde nach dem Kriegsende abgetragen. Schon 1957/58 bemühte sich Architekt Wilhelm Flemming, dem künftigen Wohnblock mit Ladengeschoss ein neues Gesicht zu geben. Die ehemalige Schockenheimstatt (dahinter) war noch lange ein HO-Warenhaus. Für die Cottbuser aber immer Schocken. Diese westsächsische Handelskette aus Zwickau blieb ein Begriff. Das Bild streift rechts das traditionsgeprägte Schuhhaus von Angelika und Wilfried Reinsberg, das in 4. Generation bestes Schuhwerk anbietet. Igelitschuhe ist längst vorbei – seit Jahren dominieren hier die Clarks aus Street im Vereinigten Königreich, von mir besonders bevorzugt.
Optiker Fielmann, das Tchibogeschäft oder Schirmkracht sind weitere heutige Adressen hier.
Katrin Lehmann aus der Rostocker Straße ergänzt: „Den neogotischen Turm erhielt die Kirche 1870 und seit dieser Zeit prägt sie das Gesamtbild der Spremberger Straße in Cottbus. Die beiden seitlichen Nebeneingänge wurden 1855 bei der Rekonstruktion zugemauert und sind noch als blinde Fenster zu sehen. Fassade und Innenraum der Kirche wurden 2003 umfangreich saniert. Die Jüdische Gemeinde Cottbus will hier noch im Herbst ihre landesweit erste Synagoge eröffnen.“
Susanne Haupt aus der Inselstraße hat ihrer richtigen Antwort ganz verzweifelt noch eine falsche hinterher geschickt. „Nach Lagebesichtigung glaube ich, Sie meinen das hintere Kreuz und nun tippe ich auf B.“ Nein, A war richtig, und Sie behielten Glück, Frau Haupt. Sie sind unsere Gewinnerin in dieser Oktobermitte.


Kommentare

Ein Kommentar zu „Cottbus: Ein Gerüst machte den Blick möglich“

  1. Damals war`s – Ausgabe 18. Oktober 2014

    Ich bin keine Ur-Cottbuserin, deshalb beteilige ich mich nicht an der Aktion „Damals war ´s“, verfolge sie nichtsdestotrotz mit Interesse.
    Die letzte Auflösung aber – Ausgabe 18.10. – gibt mir dennoch zu denken.
    Einerseits will mir nicht in den Kopf, dass das Gebäude des ehemaligen Schocken-Kaufhauses 1984/85 noch gestanden haben soll. Zum anderen war der Nachfolger mit Sicherheit kein HO-Kaufhaus, wie berichtet.

    Als ich 1966 nach Cottbus kam – arbeitslos, weil kein Krippenplatz für meinen in dieser Zeit unwichtigsten Beruf angeboten werden konnte – bewunderte ich wehmütig die Schaufenster des KWC in der Sprem, wie die Abkürzung für KONSUM-Warenhaus lautete. Es waren exakt die beiden großen Schaufenster des ehemaligen Schocken-Kaufhauses, die vom KWC genutzt wurden, ggf. damals auch noch die Verkaufsräume im Parterre. (Der Werbegestalter war damals der noch junge Cottbuser Rolf Zimmermann, später bis zur Pensionierung Werbeleiter im KONSUMENT-Warenhaus / Horten / Galeria Kaufhof.)
    Das zu dieser Zeit vor der Vollendung entstehende KONSUMENT hatte die Mitarbeiter des KWC dann übernommen, das sein Geschäft letztlich ganz aufgeben musste, weil das KONSUMENT zum genossenschaftlichen Handel gehörte und die Konkurrenz zum staatlichen Handel, der alles dominierte, offenbar zu große geworden wäre. (Der KONSUM wurde damals mehr und mehr aufs Land gedrückt.)

    Die schmalen Verkaufsräume des KWC waren hinter der heute hervorragend restaurierten, gestaffelten Fassade neben dem Eckgebäude Sprem/Schlosskirchplatz untergebracht, Eingang Schlosskirchplatz, wo später die Verwaltung der Konsumgenossenschaft arbeitete.
    Das alte Schockengebäude stand 1969 leer, weil es baufällig geworden der Statik eines Warenhauses nicht mehr entsprach. Die Werbeabteilung der Konsumgenossenschaft (am damaligen Thälmannplatz), wo ich dann ab 1968 eine Arbeit bekam, nutzte jedoch die riesigen Etagen ab 1969 als Lagerräume für Werbeflächen.
    Bald wurden für uns diese großzügigen Lagerräume wie das gesamte alte Kaufhaus-Gebäude Geschichte, weil die Lückenbebauung – ein einförmiges, graues Wohngebäude – an dieser Stelle begann.

    Nach meiner Meinung stand 1984/85 das alte „Schocken“-Gebäude also nicht mehr. Entweder ist das Gebäude bereits die Lückenbebauung, oder der Zeitraum 1984/85 stimmt nicht. Die Absperrung / Bauzaun / vor dem Gebäude könnte auf den Abriss bzw. Neubau hindeuten. An dieser Stelle war m.E. in den Siebziger Jahren schon der KONSUM-Fleisch/Wurst/Geflügel(?)-Laden unter den o.g. Wohnetagen, den eine Frau namens Berndt leitete.

    Und noch etwas veranlasste mich zum Grübeln:
    1969/70 (?) stand im ersten Haus am Platze – Stadt Cottbus – ein großer Empfang an. Walter Ulbricht hatte den damaligen Sudanesischen Staatspräsidenten Nimeiry zu Gast, der 1984/85 kaum Staatsbesuche in Europa gemacht haben dürfte, weil er Anfang 1985 bereits gestürzt war.
    An diesem Tag war ich in einen Zwischenfall verwickelt.
    Für o.g. Besuch war die Sprem abgeriegelt, nur ausgewählte Zujubler durften durch. Wir Werbeleute schauten uns aber das Spektakel von den genannten leer stehenden Räumen des alten Warenhauses aus an. Jemandem von uns fiel dann ein Taschentuch aus der Hand. Der Wind wehte es durch die Sprem, just in dem Moment, als die Limousinen vorfuhren.
    Das Ende vom Lied – die Stasi kümmerte sich um uns. Offenbar hatten die Herren von der (Staats)-Sicherheit übersehen, dass das Haus noch nicht völlig tot war. Zum Glück maß die Konsum-Leitung dem keine Bedeutung bei.
    Meine Annahme war bisher, dass das Foto also Ende der Sechziger/ Anfang der Siebziger entstanden sein muss.
    Nun bin ich natürlich einigermaßen irritiert, ob mich meine Erinnerung wirklich so täuscht?

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