Musikveranstaltungen am Stadtbrunnen waren lange Tradition / Keramik-Brunnen 1969 eingeweiht
Georg Müller erinnerte sich bei der gestellten Rätselfrage nicht nur an die „Konzerte am Stadtbrunnen“, sondern auch an andere damalige „Schlagworte“: „Fahnenappell, Südfrüchte und Konzerte – drei Begriffe, die mich, losgelöst vom Rätselergebnis, in Nachdenklichkeit versetzten. Fahnenappell fand wöchentlich immer montagmorgens statt: wir Oberschüler hatten dem Direktor vor Nazikriegssymbolik zuzuhören, die Namen der gefallenen ehemaligen Schulabgänger wurden feierlich verlesen und die Verpflichtung beschworen, an den Endsieg bedingungslos zu glauben. Was daraus wurde, tja, das führt mich nach langem Hin und Her zu den Südfrüchten – aber dafür lag Cottbus eben auf der falschen Seite eines der Endsiegresultate, der Mauer. Übrig blieben aus der Fragentrilogie die Mittwochskonzerte am Stadtbrunnen. Dieser wurde im Oktober 1969 durch Rudolf Graf errichtet und schmückte den Platz vor der neuen Buchhandlung, bis diese Stelle im Herbst 2002 durch einen Nachfolge-’Brunnen’ zu einem hässlichen Gestake verkommen musste – für einen erbaulichen Konzerteindruck wohl kaum noch geeignet.“
Herbert Ramoth hat seine Antwort spannend gemacht: „Ihre vorgegebenen Lösungsvorschläge zum schönen Stadtpromenaden-Bild charakterisieren ganz exakt die damalige Zeitepoche:
Fahnenappelle (und ähnliche politische Ereignisse) gab es im Überfluss, Südfrüchte eben nicht, sie waren Mangelware und das Bestreben, kulturelle Veranstaltungen an die Frau und den Mann zu bringen, waren nicht von der Hand zu weisen. Doch was ist die Lösung?
Ein Sonderangebot an Südfrüchten – und das noch jeden Mittwoch – scheidet aus dem bereits genannten Grund völlig aus. Ein zur damaligen Zeit gängiger Westschlager – der eine gewisse Rosita mit ‘zwei Apfelsinen im Haar und an den Hüften Bananen…’ tanzen ließ, wurde in der DDR heimlich mit einheimischen Produkten bestückt. Wenn mich nicht alles täuscht, musste bei uns Rosita mit Radieschen und Kohlrabi vorlieb nehmen – aber die Melodie war die gleiche!
Fahnenappelle erlebten wir in der Schule, beim Studium, in Ferienlagern usw. usf. zu Hauf. Dass aber ein solcher in der Stadt jeden Mittwoch eine große Menschenansammlung anzog, entzieht sich meiner Kenntnis. Und der Sowjetoffizier, der hier gerade über den Platz schreitet, ist auch kein Indiz dafür, denn bei solchen Anlässen war immer mit einer angepassten militärischen Formation zu rechnen. Vielleicht führt ja sein Weg direkt zum Konzert am Brunnen. Und da kann ich mir gut vorstellen, dass dort der Treffpunkt vieler Menschen war. Das jedenfalls ist meine Lösung (also A).“
U. Adam schrieb uns: „Ich tippe auf ‘A’, denn auf dem Platz hat es tatsächlich jeden Mittwoch Nachmittag ein Konzert gegeben, welches ich stets, wenn es meine Zeit erlaubte, gerne besuchte. Es erklangen schöne Melodien und viele Mensc hen erfreuten sich daran, Kinder haben vor der Bühne manchmal getanzt. Leider ist der schöne Brunnen durch einen anderen ersetzt worden.“
Cornelia Lehrmeyer erzählte am Telefon: „Ich kann mich noch gut an die Konzerte erinnern, die immer mittwochs und manchmal auch an Festtagen dort stattgefunden haben. Da haben Laienkünstler gespielt, aber auch das Staatliche Orchester Cottbus hat Operettenkonzerte mit Sängern vom Stadttheater gegeben. Ansager war damals Herr Schröpfer, der auch am Theater engagiert war. Das Blasorchester von der Reichsbahn hat auch dort gespielt. Für die Cottbuser waren die Konzerte eigentlich immer ein Ereignis. Jetzt gibt es so-etwas gar nicht mehr, warum eigentlich nicht?“







