War es möglich, an der Karl-Liebknecht-Straße so entspannt wie auf dem Foto zu sitzen? Natürlich war es das, jedenfalls in den 1950er und auch noch 60er Jahren. Davor sowieso.
Die Straßen der westlichen Stadterweiterung mit ihren stattlichen Wohnhäusern für Beamte, Offiziersfamilien und höhere Bedienstete sind als „vornehme“ Wohnlagen konzipiert worden und hatten fast ausnahmslos Vorgärten und schattenspendende Alleebäume. Die Hotels und Restaurants entlang der Bahnhofstraße unterhielten Terrassenplätze, die solide bestuhlt, schmiedeeisern umzäunt und meist schön bepflanzt waren – gediegen eben. Auch das Hotel „Zum Schwan“ präsentierte sich in dieser Art. In den 1950er Jahren war es neben „Stadt Cottbus“ und dem „Haus des Handwerks“ sowieso das beste Haus am Platze. Viele Künstler, Fabrikantenwitwen und auch die Baronin aus Werben waren hier Stammgäste und nippten mit spitzen Lippen am noch knappen „echten“ Bohnenkaffee. Die Aufnahme zeigt einen Blick ungefähr vom heutigen Eingang des „Hotels am Theater“ Richtung Karl-Liebknecht-Straße und Theater. Die reich gegliederten Hausfassaden sind alle noch erhalten. Nur um die schöne Ruhe ist’s an diesem Platze natürlich längst geschehen. Die Straßen wurden verbreitert, die Vorgärten abgeschafft.
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