Cottbus: Zwei Altmarkt-Giebel

damals080920_cbAbriss 1983 erfolgte aus statischen Gründen
Unsere Lesermappe war diesmal wieder randvoll.
Georg Müller mailte: „Man sieht den Altmark, Nordseite Mitte, die beiden Giebelbauten der jetzigen Nr.14: Es ist so um 1982/83, die Abrissbirne bestimmt der maroden Bausubstanz den Weg weltlicher
Vergänglichkeit; und „Damals war’s“ bezeugt es. Doch es galt, 300 Jahre Architekturgeschichte dem Cottbuser Altmarkt zurückzugewinnen, und noch in den frühen 80er Jahren gelang dies vortrefflich und eiligst, sodass mancher Cottbuser der Bebauungslücke nicht gewahr wurde, wie auch nachträglich meinte, man habe doch die Fassaden stehen gelassen.
So wurden die barocken Fassaden, wie sie nach dem Stadtbrand von 1671 Gestalt erhielten und in den Umbauten des 19. Jahrhunderts ihren Abschluss fanden, meisterhaft nachgebildet.
Vielleicht hätte die sehenswerte Architektur, wie sie für den damaligen Altmarkt herausragend prägend wurde, auch den Dichter Immanuel Jakob Pyra, sein Geburtshaus in der Nr. 15, begeistern können; das war ihm aber versagt, er starb bereits mit 29 Jahren im Jahre 1744.
Also, wo jetzt Meißener Porzellan angeboten wird, da war damals ein bekanntes Huthaus, und daneben, bei den Schuhmoden, das seriöse Steinsche Geschäft, und zeitlich davor noch der Erich Zockert mit seinem Fahrradladen – die Geschichte nahm ihren Lauf, die Architektur blieb uns, meisterhaft behütet, erhalten.“
Norbert Süß erinnerte sich ebenfalls: „Zum Bild vom 13.9. gibt es zu sagen, dass hier am Altmarkt zwei hitorische Giebelhäuser standen, welche, wie
damals üblich, nicht saniert werden sollten. Es sollte nur die Fassade bewahrt bleiben und ein neues Haus dahinter gebaut werden, wie man das auch schon beim Giebelhaus des heutigen ‘Mosquito’ gemacht hatte.
Leider war die statische Sicherung der Giebel beim Abbruch nicht ausreichend vorgenommen worden, sodass die Giebel eines Nachts einfach auf die Straße fielen. Gut, dass sich niemand innerhalb der Fähnchenkette aufhielt. Ob der Fassadenfall zufällig oder mutwillig erfolgte, entzieht sich meiner Kenntnis.
Die Denkmalpflege hatte einen Verlust. Für das neue Bauwerk war es besser, weil die bauphysikalischen Probleme eines alten vorgestellten Giebels nicht auftraten (wie beim Mosquito).“
Richard Adolph ergänzte: „Das Foto zeigt die Gebäude Altmarkt Nr. 15 und das Giebelgebäude, ein mittelalterliches Patrizierhaus, Nr. 16. Das Ruinengrundstück zeigt einen Teil des Altmarktes und das ehemalige Huthaus Rathausgasse. Diese Grundstücke wurden rekonstruktiv und stilgerecht wieder aufgebaut und das bauliche Motiv insgesamt gerettet. Der Eingang des linken Eckgebäudes führte vor der Rekonstruktion in das Tabakwarengeschäft Wolsdorf.“
M. Feld schickte uns eine Postkarte: „Im linken Eckhaus an
der Rathausgasse war bis zum Kriegsende das Zigarrengeschäft ‘Wolsdorf’ und in dem rechten Eckhaus war früher das Hutgeschäft ‘Einspänner’. Es hatte Kopfbedeckungen aller Art für den Herrn. Heute ist in dem Neubau das Spezialgeschäft für Meißner Porzellan. Mein Schulweg führte mich täglich bis 1949 vom Ostrower Damm, Neustädter Tor und ein kurzes Stück Neustädter Straße, Scharrengasse – Altmarkt – Rathausgasse an der Klosterkirche vorbei zum alten Gymnasium an der Promenade.“
Kerstin Ferstel erzählte am Telefon: „Es war ja lange Zeit so, dass am Altmarkt so mancher Bauzaun stand und so manche Lücke zu sehen war. Aber an diesen Anblick kann ich mich noch gut erinnern. Ich bin richtig froh, dass heute die ‘gute Stube’ einen aufgeräumten Anblick hat. Nur kann ich heute noch nicht verstehen, warum der Stadtbrunnen versetzt wurde.“