Feldpost aus Guben – die Ansichtskarte erinnert an die verlorene Altstadt

Die Drogerie war auch die Tankstelle.

Feldpost aus Guben: Altstadt, heute Gubin in Polen.
Gubens Altstadt, heute Gubin in Polen.

Ein Motiv aus einem Feldpost-Nachlass wurde in der ersten Rätselrunde dieses Jahres zum Thema. Frank Irmer aus der Cottbuser Philipp-Melanchthon-Straße hat herausgefunden: „Wir sind im alten Guben, heute Gubin. Mit der Sichtachse und der Stellung der Stadt-/Hauptkirche – noch erhalten – um 1910 komme ich auf alten Karten zur Sicht Königsstraße in die Lange Straße. Das Eckhaus mit der Drogerie hatte die Haus Nummer 60/61. Jahre später hätte man aus der Straßenbahn, gegründet 1904, die gleiche Perspektive haben können, wenn nicht der 1. Weltkrieg diese Pläne zerschlagen hätte. Im 2. Weltkrieg sind alle diese Häuser zerstört worden.“

Arno Schulz aus Guben bestätigt: „Es ist die Königstraße/Ecke Lange Straße im einstigen Stadtzentrum von Guben, heute Gubin. Von den Wohn- und Geschäftshäusern steht keines mehr, nur die Ruine der Kirche im Hintergrund ist erhalten. Fast alle Häuser im alten Stadtkern fielen den Kampfhandlungen 1945 zum Opfer. Die Ruinen wurden abgetragen, auch wenige nicht ausgebrannte Häuser fielen dem Abriss zum Opfer. Es hieß, das Baumaterial wurde zum Wiederaufbau von Warschau benötigt. Die Drogerie von Hermann Sohr in der Königsstraße 60/61 (linkes Eckhaus), ist 1920 im Einwohnerbuch angegeben. 1936 und 1939 aber nicht mehr.“ Zum Feldpost-Hintergrund merkt Arno Schulz an: „In Guben gab es von 1881 bis 1935 keine Garnison mehr, aber Lazarette und ein Kriegsgefangenenlager im 1. Weltkrieg. Möglicherweise war der erwähnte Soldat nur zur Genesung in Guben, oder er gehörte der zum Landsturm zählenden Wachmannschaft des Gefangenenlagers an.“

Auch Manfred Gnida vom Weinberg in Spremberg speist sein Wissen aus Adressbüchern: „Das Rätselbild zeigt im Hintergrund den markanten Turm der Stadt-und Hauptkirche Gubens. Lange ist es her, als der Soldat diese Ansichtskarte verschickte. Der Blick geht so um 1910 von der damaligen Königstraße in die Lange Straße bis zum Markt. In dieser Straße, gut erkennbar, gab es viele Wohn- und Geschäftshäuser und etwa in der Mitte ging eine Querstraße auf die parallele Kurze Straße. Eine kleine Gasse rechts ging in die Schulstraße. Leider gibt es all diese Häuser nicht mehr. Das Eckhaus vorn links gehört zur Königstraße, und man kann an der Fassade den Namen des Betreibers erkennen. Der Drogist Hermann Sohr verkaufte hier Materialwaren, Farben, Lacke, Holzschutz, Benzin und Drogerieartikel. Laut altem Adressbuch war das Doppelhaus Eigentum von Gertraud und Paul Zugehör. Seine Werbung für den Laden lautete ‘Kleinhandlung mit geistigen Getränken’. Nach seinem Tod führte seine Frau Gertraud das Geschäft bis zur Übernahme von Hermann Sohr. Berichtet wurde, dass um 1936 noch Gertraud Zugehör Eigentümerin des Hauses war und eine Drogenhandlung mit Namen ‘Zentraldrogerie’ unter Leitung von Herrn Weber geführt wurde.“

„Großen Himmelsleiter“. 138 Stufen führten in die Gubener Berge.
Der anonyme Soldat hat seiner Brieffreundin Magdalene in Groß Düben 1917 weitere Grüße aus Guben geschickt, darunter dieses Bild von der „Großen Himmelsleiter“. 138 Stufen führten in die Gubener Berge.

Christian Dulitz aus der Groß Breesener Straße in Guben meint: „Im Einwohnerbuch von 1936 zeigt das Bild die Triftstraße. Besitzerin damals war Frau Elfriede Sohr. Ganz einfach auch zu finden durch den Hintergrund der Stadtkirche Guben. Interessant ist, dass zu dieser Zeit das Benzin für Autos in Drogerien verkauft wurde. Tankstellen waren selten. Das Tankstellenbild selbst ist schwer zu erkennen.“

Jens Pumpa aus der Rostocker Straße in Cottbus ergänzt: „Das Fotos entstand um 1910. Schon 1862 standen diese Wohn- und Geschäftshäuser. Die Lange Straße geht hoch zum Markt in Richtung großer Kirchturm und am anderen Ende des Marktplatzes steht das ehemalige Gebäude des Ratskellers.“

Lothar Friebe mailt uns: „All die Häuser sind verloren, die Flächen längst überbaut. Aber die riesige Kirche im Hintergrund, im ältesten Teil wohl aus dem 13. Jahrhundert, steht da ohne Dach und hat noch eine Chance. Förderer in Polen und Deutschland bemühen sich um Erhalt und künftige Nutzung der Ruine. Der Turm ist jetzt schon begehbar.“

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